Riesenmaschine

11.05.2008 | 11:54 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Fünf Tonnen Wasser ins Gesicht


Aquapower: Die hochkonzentrierte Essenz von Wasser (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Zwar ist Wasser an sich schon ein faszinierendes Zeug mit mannigfaltigen Eigenschaften. Dennoch bleibt die Zahl irgendwie etwas abstrakt: "Mit der Power von 5000 Litern Thermalwasser". Ginge es um die gesundheitsfördernde Kraft des reinen Wassers, die sich hinter dem Konzept SPA ("Sanus Per Aquam") verbirgt, wäre die Information eine glatte Nullaussage, zumal sie nicht mal Angaben über die Menge enthält, auf die diese 50 Hektoliter buchstäblich eingedampft werden. Auch nach den Regeln der Homöopathie wäre der Gedanke, eine Lösung so lange wieder einzudicken, bis die reine Wirksubstanz übrig bleibt, nachgerade kontraproduktiv. Dem Kleingedruckten entnehmen wir aber, dass es sich bei dem wirksamen Äquivalent der fünf Tonnen Thermalwasser in Biotherm Homme um hochkonzentriertes "Reines Thermalplankton-Extrakt (RTPE)" handelt, dessen regenerative und vitalisierende Wirkung auf Haut und Zellen angeblich wissenschaftlich nachgewiesen ist. Zwar kann Wikipedia mit dem Begriff "Thermalplankton" nichts anfangen, auch das Kürzel RTPE scheint landläufig eher andere Bedeutungen aufzuweisen. Dennoch sind wir unterm Strich froh, nicht länger ständig fünf Kubikmeter Wasser im Kulturbeutel mit herumtragen zu müssen.


01.05.2008 | 00:18 | Berlin

Das neue Silber?


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Die Zeiten werden härter, auch für Mitteposeure. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Noch immer ist Silber die mit Abstand häufigste Autofarbe bei Neuwagen, "weil Silber uns daran erinnert, dass Autos aus Metall sind", so die frappant simple Erklärung von Trendexperten. Allerdings scheint der Bannzauber des Silber allmählich gebrochen. Zum einen dringt Weiss als das neue Schwarz massiv auch im Automobilmarkt vor. Zum anderen zeichnet sich angeblich analog zu den Hybridautos ein Trend zu "hybriden" Farben ab – was immer das sein soll. Diese Website verrät uns, was Autofarben über die Farbe des Fahrzeugs und den Charakter der Fahrer verraten. Signalrot etwa wirkt "sportlich und frech", aber auch "schnell und schwer". Logisch. Oliv ist leider nicht dabei. Dabei bekundet Oliv ebenfalls eine Anwartschaft auf den Posten des neuen Silber, zumindest wenn man Berlin Mitte in dieser Hinsicht für repräsentativ erachtet. Vielleicht wollen die Halter der Oberklasse-Fahrzeuge aber auch nur sicher gehen, dass ihren gefährdeten Gefährten zum 1. Mai nichts zustösst, und haben sie deshalb zur besseren Tarnung maigrün angestrichen. Dabei ist der Stadtteil doch längst selbst eine gentrifizierte Green zone, in der der Klassenkonflikt nur selten militärisch eskaliert. Egal, Hauptsache matt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Matt ist das neue Schwarz


29.04.2008 | 12:33 | Berlin | Was fehlt

The Shramps – Live!


Von allen ausgedachten Bands und Alben, schätze ich doch am meisten die interessanten. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Vermutlich hat Jorge Luis Borges in grossem Stil mit dem Quatsch angefangen. Der schickte sein Pseudonym Bustos Domecq ins Rennen, um fingierte Rezensionen fiktiver Bücher und phantasierte Homestories non-existenter Autoren abzuliefern. Auch die Vermischung von Realwelt und Fiktion war eine Spezialität des Argentiniers. Zusammen mit der Mediengestalterin Daniela Burger, die die Covers beisteuerte, hat Dietmar Dath das Prinzip von der Literatur aufs Popbusiness übertragen und unter dem Titel The Shramps mehr als 30 Rezensionen fiktiver Platten, teils real existierender, teils erfundener Bands ersponnen und erdichtet. Die schmerzlich vermisste Band "Tipsi" kommt darin ebenso vor, wie das absehbare aber verzichtbare Guns-'n'-Roses-Album "Chinese Democracy" – Musils Möglichkeitssinn macht Musik. Das ganze war eine sehenswerte Ausstellung, ist jetzt als lesenswerte Dokumentation erschienen und wird heute Abend unter Beteiligung der ebenfalls real existenten Musiker Jens Friebe und Julie Miess im Festsaal Kreuzberg vorgestellt.


14.04.2008 | 03:10 | Sachen kaufen | Sachen anziehen | Papierrascheln

Die Werbung lügt – jetzt noch dreister!


Typisch Clooney (Werbung): Macht, was er (sie) will. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Dass Werbung mitunter ein entspanntes Verhältnis zur Wahrheit pflegt und im Zweifel die faktische Empirie eher zugunsten des anzupreisenden Produktes oder der Marke auslegt, liegt gewissermassen in der Natur der Sache und braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden. Dass sie aber so dreist und unverfroren die Unwahrheit behauptet, dass es ihr selbst und "der Sache" Schaden zufügt, ist neu und allemal erklärungsbedürftig. Warum behauptet diese Anzeige des Uhrenherstellers Omega, bei dem gross im Packshot zu sehenden Chronographen handele es sich um "George Clooney's Choice", wo doch für jedermann weithin sichtbar und erkennbar ist, dass George Clooney auf dem Foto eine Uhr mit Lederarmband, vielleicht von derselben Marke, aber ganz gewiss nicht die vorn abgebildete trägt? Geht es darum, die Aufmerksamkeit des Lesers zu prüfen? Geht es um die schiere Irritation um der Irritation willen? Oder geht es gar um die – im kleinen Wort "Choice" ja durchaus angelegte – Feier des freien Willens, selbst angesichts hochdotierter Werbeverträge als Testimonial, sich nicht vorschreiben zu lassen, welche Uhr man zum Shooting zu tragen hat. Das wäre allerdings eine raffinierte höhere Pointe, die man dieser unscheinbaren Kampagne auf Anhieb gar nicht zugetraut hätte.


30.03.2008 | 18:51 | Berlin | Essen und Essenzielles

Einen Flashmac mit Remoulade bitte!


Doof bleibt doof, da helfen keine Fritten. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Einer neuen und – nach allem, was wir derzeit darüber wissen – der bislang beknacktesten Spielart des Phänomens Flashmob war am vergangenen Samstag Nachmittag im Foyer des Berliner Ostbahnhofs beizuwohnen. Unter den kritischen Augen eines massiven Polizeiaufgebots versammelten sich dort gegen 16 Uhr geschätzte tausend Jugendliche aller – zumindest äusserlich – subkultureller Provenienzen zum McDonald's Sturm, anscheinend eine Art Burger-Powershopping-Party. Verpackte Burger flogen durch die Gegend, eine "Sturm Crew" agitierte die Massen mit Megaphonen, in der Luft lag der Geruch von Aufruhr und Revolte. In Wahrheit ging es aber bloss darum, den Weltrekord für die grösste Bürger-Sammelbestellung wieder zurück nach Berlin zu holen, wie BILD berichtet. Zu der "Spassguerilla"-Aktion aufgerufen worden war in den Chaträumen der unter Teenagern anscheinend beliebten Online-Community Jappy. Schwer zu sagen, ob es sich dabei um eine verdeckte Marketing-Aktion von Mc Donald's handelt, von Jappy, oder ob das Massenevent einfach das ist, was die Jugend von heute unter subversiver Überaffirmation versteht. In dem Fall empfiehlt sich die Strategie repressiver Toleranz, die schon ganze Generationen hat auflaufen lassen: einfach nicht ignorieren.


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