Riesenmaschine

21.03.2008 | 15:22 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Zürich-Spezial IV: Schattengraffiti


Die Sonne bringt es an den Tag (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Seit den Tagen Harald Nägelis hat Zürich einen Ruf als Graffiti-Standort zu verlieren. Selbst das Treiben der Graffitiordner konnte der Innovationsfreude der hiesigen Graffiti-Szene keinen Abbruch tun, sondern hat im Gegenteil das Genre des 3D-Palimpsests provoziert. Ein besonderer hot spot für innovative Formate ist die Gegend um das Museum für Gestaltung, wo auch noch ein paar Nägelis im Original zu besichtigen sind. Genau gegenüber, in der Limmatstrasse tauchte kürzlich auch das erste Schattengraffiti der Stadt auf. Richtig neu ist diese Idee zwar nicht – in Berlin finden sich schon seit Jahren die Schattenumrisse von Parkautomaten auf dem Trottoir. Neu ist allerdings die Technik, es wurde hier nämlich mit Klebeband statt mit Sprühdose gearbeitet.

Reiseinformation: Anreise mit Tram 4 oder 13 bis Haltestelle Limmatplatz, rund um die Uhr geöffnet (am besten jedoch bei Laternenschein), kein Eintritt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zürich-Spezial III: Lärmschutzpilze


21.03.2008 | 13:53 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Zürich-Spezial II: hässlichstes Gemüse der Welt


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Nackt sieht es auch nicht besser aus. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es sieht aus wie eine Mischung aus Spargel und Romanescu bzw. Rhododendron, erinnert von fern aber auch an Baumpilze oder ein Ungeheuer aus der Tiefsee. Gesichtet wurde das hässlichste Gemüse der Welt das erste Mal bei einem türkischen Gemüsehändler im Kreis 4. Laut Verkäufer ist es geniessbar in Form von "Salat oder Suppe", sicher ist er sich da aber auch nicht. Nach Entfernen des äusseren Gebüschs kommen fetzenartige Tentakel zum Vorschein, die im Rohzustand bitter schmecken. Innen sind sie hohl und laufen in der Pfanne braun an, schmecken danach aber milde mit einer Note von muffigem Rhabarber. Um damit auch nur ansatzweise Chancen auf den immer noch vakanten Posten des neuen Rucolas zu haben, bräuchte das haarsträubende Naturereignis zumindest einmal einen Namen, den uns jedoch auch der Verkäufer nicht nennen konnte oder wollte. Wir werden es bis auf weiteres "Quasimolo" nennen und wünschen ihm viel Glück bei seinem weiteren Werdegang.

Reiseinformation: Anreise mit Tram 2 oder 3 bis Haltestelle Lochergut (direkt gegenüber: die Stadtstalaktiten), Mo.-Sa. 8.30 – 20.00 Uhr, Sfr. 3,- (ca. 2,- Euro)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zürich-Spezial I: Stadtstalagmiten


16.03.2008 | 08:41 | Berlin | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Schmutzige Marketing-Methoden


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Nun ist unter Werbern die Idee, es den Sgraffiti-Künstlern gleich zu tun und die ganze Stadt mit der eigenen fragwürdigen Botschaft zu pflastern, dabei jedoch die legale Restriktion zu erfüllen, indem man subtraktiv – und nicht wie die kühnen Vorbilder der semiotischen Stadtguerilla: additiv – verfährt, ja insgesamt so neu nicht. Trotzdem muss man der jüngsten viralen Marketing-Aktion von VW im Autotunnel unter dem Berliner Alexanderplatz Kredit einräumen und Respekt bezollen. Nicht weil sie so originell wäre oder mit so viel Fleiss umgesetzt, sprich: die Motive mit erheblicher Akuratesse in den Russ-Feinstaub-Film der Tunnelwand hineingeschrubbt wurden, sondern weil das nicht, wie beim Adidas-Vorläufer, arbiträr geschah. Vielmehr wurde das Thema – es geht um BlueMotion, wie das branchenübliche Greenwashing in der Sprache von VW heisst – sinnfällig als doppelter Saulus-Paulus-Flip-Flop in Szene gesetzt und vorgeführt. Die zuständigen Wettbewerbsjurys für Ambient-Marketing und subliminale Manipulation werden es lieben. Dem Berliner wäre mehr geholfen gewesen, wenn VW den Tunnel insgesamt mal ordentlich gekärchert, oder insgesamt besser noch: Streikbrecher-Trams mit Bluemotion-Technologie zum Einsatz gebracht hätte.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Im Zeitalter der Putzguerilla


10.03.2008 | 13:53 | Anderswo | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Atavismen auf Schienen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

2,7 Promille bei 120 km/h (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Was dem gut angebundenen Grossstädter nur selten bewusst wird: Es ist keineswegs so, dass die Evolution auf Schienen eine binäre Monokultur von ICEs und Regionalexpressen hervorgebracht hätte, örtlich nur flankiert durch einige regional operierende und privatisierte Putzerfische. Dazwischen tummeln sich immer noch einige IC-Quastenflosser, die ihrerseits die DNA und das Zellmaterial der InterRegios – Gott hab sie selig – resorbiert haben. Wie in einer Zeitmaschine begegnet der Reisende darin vergilbten Waggons im Miami-Vice-Farbschema, die auch in der Bistro-artig lockeren Sitzanordnung noch ganz den Geist der frühen 80er atmen. Das irritierendste Detail dieser psychedelischen Erfahrung von Schienen-Atavismus aber: Durch den Zahn der Zeit sind die vertrauten Warnaufkleber im Zwischenraum der Doppelverglasungen heruntergerutscht und arrangieren sich am unteren Rand randomisiert neu. Es sieht ein bisschen aus wie postmoderne Kunst beziehungsweise wie in der Wohnung oder im Kopf eines Trinkers. Was das über den Zustand der Bahn und das Erbe der alten Bundesrepublik aussagt? Keine Ahnung.


02.03.2008 | 13:57 | Sachen kaufen | Effekte und Syndrome

Saisonalisierung extrem



Anm. der Red: dieser Beitrag ist ein Update zu diesem von 2005, was unser Autor anscheinend übersehen hat. So neu ist das Zeug also nicht. Dass die "Winter Edition" nun auch noch in "limitierter Auflage" kommt, ist allerdings bemerkenswert und die eigentliche Meldung hinter dieser Geschichte. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wintereis – okay. Winterjoghurt – jein. Aber Spülmittel "Winter Edition" mit "Winter Apfel" und Zimt – no way! Wie weit wollen sie es denn noch treiben? Kaum haben wir die Jahreszeiten zivilisatorisch erfolgreich aus unserem Leben verbannt, kommen sie durchs Supermarktregal wieder herein. Was planen diese entfesselten Irren als nächsten bizarren move? Wintersport?! Winterreifen?!? Winterkleidung?!?!


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