Riesenmaschine

18.02.2008 | 11:54 | Anderswo | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Alpenkräuter-Vending Machine


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

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Man muss es leider so sagen: Der Alpenkräuter-Automat der SAH Alpenkräuter AG, als touristische Hauptattraktion der Gemeinde Weissenburg-Därstetten schon weit vor dem Ortseingang auf Schildern angekündigt, ist eine Enttäuschung. Anders als bei Maden, Würmern oder Schweinesperma handelt es sich bei den feilgebotenen Alpenkräutern in Varianten von "Bio Alpen-Chili" bis "Bio Himalaya Salz pikant" (sic!) nicht um Frischware, sondern um Trockengut in Glas und Tüten (was angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit noch zu entschuldigen wäre). Zudem sind fast die Hälfte der Slots leer. Ein Glas "Alpenkräutertee gross" hat sich hartnäckig im Ausgabeschacht verkeilt. Werte Eidgenossen: So lieblos wird das nichts mit der automatisierten Revolution im Einzelhandel.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Instantwurst


07.02.2008 | 17:15 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Das Missing Link zwischen Zwieback und Toast


Zwillinge, niemals wirklich getrennt, in einer Packung vereint (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die längste Zeit ging die
Wissenschaft davon aus, dass Toast und Zwieback zwei völlig entkoppelte Zweige in der Evolution der Backwaren verkörpern und allenfalls den Weizenfladen als gemeinsamen Ahnen haben. Jetzt wurde am Rand der Schweizer Alpen – genauer gesagt: im einem Genfer Hotel-Frühstücksraum – ein transitionales Fossil gefunden, das eine sehr viel engere Verwandschaftsbeziehung als vermutet erhärtet. Der Toast der Luzerner Firma Hug, den es alternativ zur Zweierpackung auch als 3,24 Kilo Bulk-Package gibt, kann bei Morgensonne besehen nur als Zwieback interpretiert werden. Den letzten Beweis erbrachte der Aufdruck "Biscottes", der nichts anderes bedeutet als Zwieback auf Französisch. Die Bedeutung des Fundes kann kaum hoch genug eingeschätzt werden; eventuell muss jetzt die Geschichte der Brotkultur in Europa umgeschrieben werden.


06.02.2008 | 01:59 | Berlin | Alles wird besser

Rauchen heute


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die Zwischenbilanz von gut einem Monat Rauchverbot in Berlin fällt insgesamt positiv aus. Während es in der ZIA-Stammkneipe W. Prassnik rundheraus ignoriert wird, hat man sich beim Keyser Soze notdürftig mit einem mit Sandsäcken beschwerten Duschvorhang beholfen, der einen Teil des Bürgersteiges thermisch mehr schlecht als recht abriegelt. Vorm Prater steht eine schmucke kleine Raucher-Blockhütte – einer von den vielen neuen Begegnungsorten, die diese Stadt noch urbaner, noch polyglotter, fast möchte man sagen: amerikanischer machen. Mit der elegantesten Lösung wartet allerdings das Chez Gino in Kreuzberg auf: Pelzwesten zum Ausleihen. Dagegen können die Goslarer mit ihrem bescheuerten Raucherloch allemal einpacken. Bzw. Sich warm anziehen.


24.01.2008 | 15:23 | Fakten und Figuren | Sachen anziehen

Unscharf ist das neue Schwarz


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Unscharf: Nicht unscharf. (Quelle) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Als Robin Williams im Woody-Allen-Film Deconstructing Harry von 1997 eines Tages feststellt, dass er unscharf ist und so zum Gespött seiner Kinder wird ("Dad is out of focus!"), haben wir uns noch mit ihnen gefreut, dass die alte Nervensäge endlich mal ihr Fett weg kriegt. Wer hätte geahnt, dass Williams schon damals der Avantgarde eines Trends angehörte, der erst zehn Jahre später die Modebranche frontal erwischen würde: unscharf. Das Bildverbot des Islam, mehr noch die schärfere Fassung des Rechts am eigenen Bild haben zur gängigen massenmedialen Praxis des Maskierens, Unkenntlich-Machens und Überpixelns geführt, die von den Modemachern der realen Welt nicht unbemerkt und unkommentiert bleiben wird. Neben der bereits erwähnten Armbanduhr gibt es passend zum 8Bit-Schlips mittlerweile auch grobgepixelte Colliers für die Damen. Den Gepflogenheiten US-amerikanischer Reality-Talkshows folgend, die Firmenlogos auf der Kleidung der Talkgäste wegpixeln, hat David Friedman von "Ironic Sans" inzwischen Baseballmützen und T-Shirts mit von vornherein ausgepixelten Logos entworfen und auf den Markt gebracht. Demnächst werden wir diesen Effekt auch auf den Laufstegen der Haute Couture bewundern können – dann vermutlich in Form von Gesichtsschleiern aus optischer Plastikfolie. Unscharf wird das neue Schwarz sein.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Uhr mit Ecken


19.01.2008 | 20:50 | Alles wird schlechter | Papierrascheln

O Progress, Where Art Thou?


Nur in Fusion mit Heckenschere zu öffnen (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die Geschichte der Einweg- und Aufreissverpackung ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Während der Fortschritt auf dem Feld der Nassrasierer und Spülmaschinentabs stoisch gleichförmig wie auf Gleisen abzuschnurren scheint nach dem Motto "mehr ist mehr", eine Bifurkationslinie nicht in Sicht, ist ihr Weg ein steiniger und von vielen Rückschlägen gekennzeichnet.

Eigentlich, wenn wir ehrlich sind, muss davon gesprochen werden, dass die Rückschritte überwiegen. So stellte sich seinerzeit beim Einkauf von Kurzwaren im Kolonialwarenladen mit den praktischen Papiertüten die Problematik nicht einmal. Dann kam die Sichtverpackung mit Papprückwand, an der man sich regelmässig den Daumen verstauchte, wenn man an die neue Zahnbürste wollte. Den historischen Tiefpunkt auf diesem Gebiet markierte neben eingeschweissten CD-Hüllen bislang die Doppelblister-Verpackung, wie sie gern bei asiatischer Billigelektronik zum Einsatz kommt, der sich im Grunde nur mittels Sprengtechnik zuleibe rücken lässt. An der Milchverpackung wiederum liesse sich nachvollziehen, wie ein linearer Weg vom Plastikbeutel und Monobloc mit eingezeichneter Schneidelinie über die unzuverlässige Perforation mit Überschwemmungsgarantie, den Tetrapak mit schwappanfälliger Origami-Technik bis zum praktischen und funktionalen Schraubverschluss führt.

Warum nun gerade und ausgerechnet bei den Wechselklingen des Gillette Fusion, die ihrerseits mit ihren fünf plus einer Klinge den vorgezeichneten Wachstumspfad innovativ interpretieren, dieser herbe Schlag ins Kontor? In Anlehnung an die Doppelblister ist die Verpackung rundum hermetisch versiegelt, fast möchte man sagen: abgeriegelt, keine Aufreisslasche nirgends. Dafür als Reminiszenz an die Milchtüte die vertraute und längst vergessene Schnittlinie mit Scherensymbol und dem paternalistischen Vermerk "Hier aufschneiden" an beliebiger Stelle. Angesichts der skulptural modellierten Verpackung wäre jede andere Schnittebene, die nicht den Inhalt komplett zerstört, ähnlich ungeeignet gewesen. Das Aufschneiden selbst, für das eine Nagelschere nicht ausreicht, vielmehr schweres Gerät erforderlich ist, erweist sich dementsprechend als Akt höheren Berserkertums und erinnert an das Zersägen gefrorener Rinderhälften mit der Flex oder den Abriss einer Scheune mit der Nagelschere Kettensäge, so sperrig und spelzig stellt sich die Verpackung dabei an. Selbst bei der anschliessenden völlig reibungs- und widerstandsfreien Rasur haftet diese unangenehme Erfahrung noch im Gehirn und macht schlechte Laune. Den Fortschritt auf diesem Sektor hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.


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