Zwar ist das Haus der Frohen Zukunft, in dem grosse Teile der Riesenmaschine- Inhalte fabriziert werden, seit letztem Jahr auf sauberen Öko-Strom umgestiegen, die Riesenmaschine selbst läuft aber mit schmutzigem Atomstrom aus Kirgisien, für dessen Erzeugung Kinder in unterirdischen Säureminen den Uranmergel mit der Schippe abbauen. Nun wirkt sich das auch nicht negativ auf den CO2-Fussabdruck der Riesenmaschine aus, aber es macht sich halt nicht so gut in der Karmabilanz. Deshalb hat die Riesenmaschine beschlossen, jetzt auch, nachdem es schon alle anderen tun, etwas für den Klimawandel bzw. dagegen zu tun, und zwar gemäss dem ehernen Grundsatz "Technische Lösungen für ökologische Probleme". Als strategischen Partner haben wir uns dafür Günther Faltins Projektwerkstatt ausgesucht, die das Thema in bewährter Manier der Teekampagne (Mittelsmänner ausschalten, Grosspackungen anbieten) angegangen ist. Herausgekommen ist die CO2-Kampagne, ein Angebot wie für unsereins gemacht, weil sie dort ansetzt, wo sich Faulpelz und Schweinehund guten Tag sagen. Man bestellt mit wenigen Mausklicks eine 10er-Packung der Energiesparlampe "Petit Economy" zum unschlagbar günstigen Grosspackungspreis. Wartet einen Tag, bis sie geliefert wird. Tauscht alle Glühbirnen in der Wohnung aus. Kann fortan Tag und Nacht das Licht brennen lassen und spart dabei Strom, Geld und CO2. Über diesen Link oder das nebenstehende Widget geht es noch einfacher, und die Riesenmaschine verdient auch etwas daran, wenn man die "Petit Economy" (Was für ein Supername!) darüber bezieht. Aber darum geht es hier natürlich nicht, sondern um die im Zähler erscheinenden gesparten CO2-Kubikkilometer. Die Zahl tragen wir am Jahresende einfach in unsere Karma-Gewinn-und-Verlustrechnung ein und schicken sie an das Karmakatasteramt mit Hauptsitz Kirgisien. So ist allen geholfen.
Unter der Laterne ist es bekanntlich am dunkelsten. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Mit der Corporate Social Responsibility (CSR) ist das so eine Sache. Einige, wie der Economist, halten sie für rundheraus verzichtbar. Auf jeden Fall wird es immer schwieriger, den zum eigenen Geschäftsgebaren passenden, zudem noch unverbrauchten Aktionsradius zu finden. Wie leicht hatte es da doch der CSR-Pionier Krombacher, der sich mit seiner Saufen für den Regenwald-Kampagne einfach arbiträr auf das nächstbeste und publikumsträchtigste Charity-Thema werfen konnte. Heute sind die Claims abgesteckt, und die kritische Öffentlichkeit will eine Verbindung sehen. Da hilft im Einzelfall nur die Flucht nach vorn und ab durch die Mitte. Nach diesem Schema konnte sich etwa der Erdölkonzern BP als klimaschützende NGO neu erfinden. Danach ist es kaum noch irritierend, wenn nun auch der CEO von McDonald's UK öffentlich Videospiele als Dickmacher der Jugend geisselt. Und von daher wäre auch der deutsche Mobilfunkanbieter Debitel durchaus zu seinem im vergangenen Jahr gestarteten, neuerdings mit riesigen Aussenplakaten beworbenen Engagement gegen Kinderarmut zu beglückwünschen. Mal sehen, ob sie damit davon kommen, oder dieses eine Mal vielleicht doch zu sehr auf die Ablenkungswirkung des blinding flash of the obvious vertraut und spekuliert haben.
Niedlich, aber ein bisschen retardiert. (Foto, Lizenz)Man kann sich das Briefing für den Claim zur Einführung des neuen Fiat Cinquecento vorstellen: International verständlich sollte er sein, auch für Kulturkreise, in denen nur rudimentär Englisch gesprochen wird. Ein Claim von elementarer Einfachheit. So wie "Me Tarzan, you Jane!" Gleichzeitig einer von urwüchsiger Wucht und Durchschlagskraft, der ans menschlich allzumenschliche Selbstverständnis rührt und die Tür zu den letzten Dingen mehr als nur einen Spalt breit aufstösst. So wie das Hamletsche "To be or not to be ..." Und dann natürlich mittig auf der Strategie liegen, die das Göttliche der kleinen, einfachen Dinge beschwört, und selbst schlicht und generisch sein. So wie Volkswagens "Das Auto." Herausgekommen ist: "You are, we car." Sic. Es wird langsam eng auf dem Feld der semantischen Commodities. Dahinter beginnt das Reich des wirren Gestammels. Erst danach kommt Schweigen.
Zugegeben, es ist zwar schon ein paar Tage her, dass der notorische Philippe Starck bei der Le Web 3 in Paris die neue Amazon-Lesehilfe Kindle spontan rezensierte. Aber weil wir seither das Video mehrmals täglich anschauen müssen, weil wir weder zum Kindle, noch zu Philippe Starck bislang eine Zeile verloren haben und weil heute Weihnachten ist, hier nun also die Highlights: "Se interesting thing is what there is in, not what there is around. That is why se right product for sis is to 'ave se minimum around se interesting thing." Das sind Sätze wie in Parfait gemeisselt, wie sie nicht nur für das Kindle und das Interface-Design zutreffen, sondern weit jenseits der Designwelt, etwa für die Haute Cuisine und darüber hinaus Gültigkeit besitzen. Wenn Starck zuspitzt: "Se designer was not couragious ... to completely disappear", dann paraphrasiert er damit nicht nur Roland Barthes Tod des Autors, sondern hebt den Topos gewitzt auf eine neue Stufe. Die Schlusspointe schliesslich, "It's almost modern!", bringt uns kugelblitzartig die Rekursivität unserer Moderne zum Bewusstsein. Nach der Postmoderne nun also die Fastmoderne. Das ist tatsächlich ganz grosses dialektisches Taschenbillard.
(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Bis vor wenigen Tagen firmierte in den Räumen der ehemaligen Wissenschaftsakademie in der Berliner Torstrasse 94 noch ein merkwürdiges Fachgeschäft für Apfelkuchenhandel, das im Schaufenster allerdings keine Apfelkuchen, sondern modular aus kantigen Holzstäben zusammengesetzte Sessel feilbot. Einige behaupteten ob dieser mangelhaften Gestalteinheit, die so gar nicht zur gewohnt souveränen Handschrift des Impresarios passen mochte, Rafael Horzon, Erfinder der Möbel Horzon-Regale und visionärer Entrepreneur hinter diversen anderen Unternehmen, hätte es verloren. Heute Nachmittag jedoch meldet sich Horzon fulminant zurück und will es noch mal richtig wissen: Nach einem ersten, eher mässig erfolgreichen Versuch, als Firma mit den Fassadenelementen Belfas im B2B- und Architektur-Segment Fuss zu fassen, könnte die System-Lüftung zu einem seiner grössten Erfolge werden. "Ich habe noch nie etwas so Gutes gemacht in meinem Leben", freut sich der Ausnahmeunternehmer bei der Eröffnung. Zwar tröpfeln die Kunden eher spärlich, die wenigen aber sind vollends begeistert – und Assistent Friedrich kann erste Grossaufträge und Sammelbestellungen entgegennehmen. Jede Assoziation mit der Op-Art sei im übrigen rein zufällig – es handele sich ausschliesslich um handelsübliche Dralldurchlasse der Hersteller Mandik, Schako und Trox (Marktführer) in der marktgängigen Lackierung RAL 9016. Die Ästhetik spiele keine Rolle, man sei hier ausschliesslich am Grosskundengeschäft mit Systemlösungen interessiert. Trotzdem entgleitet Horzon angesichts seiner strahlenden Neuausrichtung ein "Mann, sieht das geil aus!" Und man muss ihm Recht geben, die alte Mittelstandsmagie ist zurück. Gefeiert wird das gelungene Comeback heute Abend ab 22 Uhr im Pelham in der Bar Tausend.