09.11.2007 | 23:10 | Berlin | Fakten und Figuren
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ohne Hintergrundinformation schwer zu entscheiden: Hat hier ein Graffitimaler die aktuelle Outdoor-Kampagne für das Motorola RAZR 2 kongenial auf seine Weise interpretiert und konsequent weiterentwickelt, indem er mit scharfer Klinge das Blow-up-Plakat an der Berliner Torstrasse, Ecke Chausseestrasse perforierte, um sein an der dahinter liegenden Hauswand appliziertes Piece nicht nur freizulegen, sondern aufmerksamkeitsfördernd ins Passepartout des Plakats einzubetten? Oder hat hier die diensthabende Agentur die Spuren dieses Manövers als Pastiche emuliert, um die Kernbotschaft der Kampagne ("Noch schärfer") quasi auf einer Metaebene ins Bild zu hieven und aufmerksamkeitsfördernde Irritation zu stiften? Letzteres ist nicht ausgeschlossen: Wie im Bereich der bildenden Kunst Lucio Fontana bereits vor 50 Jahren danach drängte, die Leinwand zu durchstossen, um die dritte Dimension mit einzubeziehen, entdeckt die Outdoor- und Ambient-Werbung diesen Effekt in jüngster Zeit immer häufiger für sich. Für diese ausnahmsweise gelungene und selbstironische Anwendung gebührten den Machern dann allerdings alle Kreativpreise, die die Branche in der Sparte zu vergeben hat. Ein kleines Detail spricht jedoch gegen diese Version und für den anonymen Einzeltäter: Die vorab in hässlichem Rot mit Schatteneffekten aufgedruckten Schnitte, angesichts deren formal-ästhetischer Unzulänglichkeit sich Fontana schlechterdings im Grabe herumdrehen würde.
05.11.2007 | 00:34 | Berlin | Nachtleuchtendes
 Viel hilft viel – aber nicht immer. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Man muss es prinzipiell begrüssen, dass nun in Deutschland neben Ärzten, Anwälten und Steuerberatern auch Apotheker jenseits der Apothekenrundschau Werbung schalten und lauthals auf sich aufmerksam machen dürfen. Dass sie im Zuge dessen ihren gesamten Markenauftritt gründlich renovieren, findet gleichermassen unsere ungeteilte Zustimmung. Gehören nicht blinkende "Pharmacie"-Kreuze in den Strassen Frankreichs zu den stärksten und pittoreskesten Erinnerungen an Interrail-Urlaube? Und auch dass hierzulande eine Apotheke in der Berliner Kastanienallee in die Vorhand geht und besondere Energien freisetzt, ist angesichts der Nachbarschaft von Hipster-Läden wie Fresh'N'Friends, Kwikshop und 103 nur naheliegend und nachvollziehbar. Trotzdem kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Sanimedius-Apotheke, die in der Gegend gleich mehrere Filialen unterhält, diesbezüglich ein bisschen dick aufträgt, um nicht zu sagen: übertreibt. Der Name – nun gut, kann man machen. Auch das dreigestrichene "E" mag als subtile Anspielung an das Esprit-Logo der 80er Jahre noch angehen, selbst wenn es damit gleichzeitig und unfreiwillig als leicht prätentiöses Binneninitial fungiert. Ebenso das direkt vom Mobilfunkanbieter E-Plus entlehnte hochgestellte grüne "+", das immerhin als schwache Reminiszenz an die eingangs erwähnten französischen Apotheken durchgehen kann. Spätestens aber beim unmotiviert auf den Kopf gestellten "i", das dadurch zum Ausrufezeichen mutiert, wird der schmale Grat überschritten, der subtiles und wirkmächtiges Branding von Kirmes und Karneval trennt. Das ist einfach "too much", beziehungsweise "over the top", wie man in der Branche sagt. Oder mit anderen Worten: Hier wäre eine Dosis Homöopathie angezeigt gewesen.
31.10.2007 | 14:30 | Alles wird besser | Sachen kaufen
 Zwerg Nase bläst zum Angriff (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Nein, man kann nicht behaupten, der in der Vergangenheit betriebene Forschungs- und Innovationsaufwand zur Pflege der im Gesicht befindlichen Körperöffnungen sei auch nur annähernd gleich verteilt. Während allein in den letzten Jahren Zahnbürsten mit Ultraschall, On-Board-Computern, Benzinmotoren und eingebautem MP3-Player entwickelt wurden, erstreckte sich das zuhandene Arsenal der Nasenpflegeprodukte jahrzehntelang ausschliesslich auf die Nasendusche, die trotz neulich stattgefundenem Redesign auch ästhetisch zwischen den 1950ern und 70ern stecken geblieben war. Aber die Tage der Nasenvernachlässigung scheinen gezählt. Und zwar dank der segensreichen und gleichzeitig verblüffend schlichten Erfindung des Nasencornets (RC-Cornet®N), im wesentlichen bestehend aus einem gebogenen Rohr, das durch den Luftstrom beim Ein- und Ausatmen in Vibration versetzt wird und dadurch, mittels Druckschwankungen der Luftsäule, Verschleimungen lösen soll (man kann es leider nicht mit eigenen Worten beschreiben, man muss es zur Gänze zitieren):
Beim "Ausblasen" über die Nase entstehen Druckschwankungen, die über den gemeinsamen Ausführungsgang der Nasen-Nebenhöhlen im mittleren Nasengang die "Verengungen" aufsprengen, so dass die "Bioschlacke" abfliessen kann; zudem "massieren" die Druckschwingungen die Schleimhäute des oberen Nasen-Rachenraumes, dadurch wird die Durchblutung, der Lymphabfluss und die Schlagkraft der Flimmerhärchen verbessert.
Heureka und Bienvenido! Auf dass der Nase endlich historische Gerechtigkeit widerfahren möge. Auch wenn die Optik zugegeben noch nicht ganz so ausgegoren ist, dass man sich damit in die Öffentlichkeit trauen würde: Ab jetzt könnte man die Energien eigentlich dem noch sträflicher vernachlässigten Ohr widmen und in die Entwicklung von piezoelektrischen Ohrstäbchen mit Impulslaser-Technik stecken.
26.10.2007 | 09:30 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Und da sage noch einer, Anarchisten seien unzuverlässig. Pünktlich zum angekündigten Auslieferungstermin und eine halbe Stunde vor dem mit der Spedition vereinbarten Termin zur Anlieferung wird eines von 1.800 weltweit existierenden Strike Bikes bei uns angelandet: produziert von renitenten Arbeitern der Fahrradfabrik in Nordhausen, die, angestachelt von Hamburger Anarchisten der FAU, ihr Werk besetzt haben und sich damit gegen die bevorstehende Schliessung durch die Blackstone-Gruppe zur Wehr setzen. Anders als die Lokführer haben sie den Satz von Jean Railla verinnerlicht, dass Dinge produzieren vielleicht heutzutage der letzte wirklich revolutionäre Akt ist. (Allerdings ist die Produktion gerade wieder eingestellt, die Zukunft des Werks im Dunkeln, immerhin gibt es eine Warteliste.) Das Rad selbst, mit wenigen Handgriffen zusammengebaut, ist nicht gerade ein Leichtgewicht, vielmehr ein echtes Produkt des Schwerindustrie-Zeitalters. Mit seinen auf dem Lieferschein vermerkten 18 Kilo (leer) scheint es das Elend der Welt physisch in sich aufgenommen zu haben. Und das Rot erinnert in natura an das Blut der Arbeiterklasse. Es hat einen Sattel aus Gummi (für dieses Rad musste kein Tier sterben), eine geschmeidige Drei-Gang-Nabenschaltung (Kuba kommt schliesslich auch mit drei TV-Kanälen aus) und Rücktritt (Dialektik!). Kurzum: ein Rad, wie es nach der Revolution jeder fahren wird, nachdem alle Mountainbikes samt Fahrer an die Wand ge- äh... schoben wurden.
03.10.2007 | 08:46 | Essen und Essenzielles | Effekte und Syndrome
 Man könnte noch darüber spekulieren, ob die Vagina Dentata hier irgendeine Relevanz hat, aber das soll doch lieber Sarah Lucas machen. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Seit einiger Zeit gehört zum guten Handwerkszeug der Markentechnik, dass nicht nur die Sonnenseiten des Lebens für die Attribuierung der Marke herangezogen und urbar gemacht werden, sondern auch eine gewisse Dosis darke Düsternis mit beigemengt wird. Wie Menschen, so wirken auch Marken facettenreicher und interessanter, die nicht nur Friede, Freude und Harmonie verströmen, sondern streitbar daherkommen und mit einem gewissen Zug zum Abgründigen aufwarten. Das erklärt möglicherweise, warum die Telekom ihren aktuellen TV-Spot mit der Satanisten-Hymne "Paint It Black" unterlegt (obwohl es in dem Fall wirklich nicht not getan hätte). Und irgendwie spielt das Kalkül wohl auch beim "Angry Whopper mit Angry Onions und Jalapenos" von Burger King mit hinein, zumal dieser anscheinend im TV oder zumindest auf Youtube mit einem SM-affizierten Werbeclip der klischiertesten Sorte beworben wird. Naheliegenderweise handelt es sich jedoch eher um die bereits von anderen Fast-Food-Herstellern (wenngleich nicht so konsequent) als Ausweg aus der Imagekrise angetretene Flucht nach vorn, das Unvernünftige, Ungesunde und Selbstzerstörerische des Produktes in etwas Erstrebenswertes zu verkehren, indem man es zu Mutprobe, Härtetest und Männlichkeitsbeweis stilisiert. Eine Volte mithin, die – und hier schliesst sich der semantische Zirkel – vor allem auf die testosteronverseuchte männliche Jugend, die sogenannten "angry young men", nachhaltig Eindruck macht. Ursprünglich stammen die zornigen Zwiebeln übrigens aus David Burkes Rezept für "Angry Onion Relish", wobei das "angry" für eine Schärfe steht, die durch Beigabe von Senföl erlangt wird.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- mal eben wo drüberwubbern
- Gültigkeit
- Hotelbett unordentlich hinterlassen (Rock'n'Roll)
- Induktion
SO NICHT:
- einfach die Tür mitnehmen
- heisse Scheisse
- Ungültigkeit
- Deduktion
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Fearless", Ronny Yu (2006)
Plus: 11 Minus: 1, 43, 80, 99, 102 Gesamt: -4 Punkte
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