Weil es geht (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Die Mutter aller Slogans, Nikes "Just do it", war noch echte abendländische Wertarbeit. Erfunden wurde die pointiert anstifterische Botschaft angeblich 1988 in einem Meeting von Dan Wieden von der Agentur Wieden & Kennedy. Noch immer erfreut sich die Tagline hoher ungestützter Bekanntheit, obwohl Nike sie längst nicht mehr benutzt und statt dessen heute das deutlich blassere "Quick is deadly" im Schilde führt, wenn es darum geht, die World-of-Warcraft-Generation mit Carl Schmitt'schen Ideen noch vertrauter zu machen.
Ein internationaler Gassenhauer jüngeren Datums, das impertinente "I'm loving it" bzw. "Ich liebe es" von McDonald's, wurde bereits neumodisch in China gefertigt, und das nicht nur aus Kostengründen, sprich: weil die Werbetexter im Land der aufstrebenden Mitte so billig wären, dass man kurzerhand Legionen auf ein Thema ansetzen kann, in der Erwartung, dass nach dem Infinite Monkey Theorem am Ende schon was Brauchbares dabei sein wird. "Die Chinesen haben uns einfach umgehauen, so ausdrucksstark und fröhlich waren die", sagt Marketingchef Larry Light, und der muss es wissen, schliesslich klingt schon sein Name gut ausgedacht.
Allerdings birgt diese Art der global distribuierten Billigproduktion von Marketing-Ideen die gelbe selbe Gefahr wie die von Plastikspielzeug: dass am Ende Makulatur herauskommt. Diese Erfahrung musste kürzlich etwa der Eistee-Weltmarktführer Lipton machen, dem man das nur von weitem und im Dunklen an Nikes Geniestreich erinnernde, dagegen aber bei Licht besehen total abkackende und tatsächlich nahezu geschäftschädigende "Can do that" angedreht hat. Eiskalt wird das nun weggelächelt, was bleibt ihnen anderes übrig? Der eigentliche Favorit auf dem Zettel, der aus dem chinesischen Texter-Sweatshop übermittelt wurde, lautete "Because we can", war aber leider schon vergeben als Name einer Designwerkstatt aus Oakland, Kalifornien.
Der neueste Partytrend aus den Metropolen – Fledermäuse, die Überflieger des Nachtlebens, haben ihn erfunden. Auf ein geheimes Ultraschall-Zeichen hin versammeln sie sich spontan und Flashmob-artig an privaten Locations, deren Bewohner meist gar nichts davon wissen und von der tosenden Party überrascht werden, wenn sie nach Hause kommen. So geschehen bei Malte B., der so geistesgegegnwärtig war, das Geschehen zu filmen, bei Youtube einzustellen und uns darauf hinzuweisen. Was hecken die Party-People der Lüfte als nächstes aus? Spontane Air-Raves in Fussgänger-Unterführungen? In Sparkassen-Foyers? Wir sollten auf alles gefasst sein.
Spül mir ein kleines Arbeiterkampflied... (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Im Supermarktregal gesehen hat man sie schon länger: jene Sonderform der Waschgel-Flasche von Persil zum soundsovielten Firmenjubiläum. Auch gekauft und nach Hause getragen. Aber vielleicht nicht ganz begriffen, was sie an symbolischen Überschuss in sich trägt, woher die Pathosformel stammt, die darin anklingt. Vielleicht braucht es zwei davon, die zusammen genommen an die Zweifigurengruppe Arbeiter und Kolchosebäuerin von Muchina auf dem Sowjetischen Pavillion der Pariser Weltausstellung von 1937 erinnern. Vielleicht muss einem das zweite Exemplar mit einem Augenzwinkern von Mercedes Bunz zum Geburtstag geschenkt werden, die ja die aufmüpfige Warenform schon quasi im Namen trägt, damit man begreift, dass sich darin das stellvertretende Aufbegehren der Produkte verkörpert, die die revolutionäre Pose des Arbeiterkampfes zitieren: der Aufstand der Warenform gegen sich selbst! Antonioni hat so etwas geahnt, als er am Ende von Zabriskie Point das ganze Gerümpel in die Luft fliegen liess.
Vorsicht, es wird von der Schusswaffe Gebrauch gemacht! (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Das neue grosse Wohn-Ding in Berlin sind derzeit die Townhouses. Dabei ist unter dem Begriff durchaus Platz für unterschiedliche Konzepte und Vorstellungen davon, wo die Reise der Stadt durch die Zeit hingehen soll. Während das noch von Baudirektor Stimmann durchgesetzte individualistische Ensemble am Friedrichswerder in Mitte das grossbürgerliche "Anything goes" der Kaiserzeit emuliert, wird in den Prenzlauer Gärten am Volkspark Friedrichshain das kleinstädtische Vorortidyll von – sagen wir: – Münster-Gievenbeck im neuen International Style der Gated Community aus einem Guss inszeniert. Obwohl längst nicht restlos verkauft, werden dort gerade die meisten Einheiten bezugsfertig gestellt. Schon parken Family-Vans und Mittelklasse-Limousinen in den Einfahrten, einzelne Balkone sind mit Vorgarten-Windspielen und bunten Glaskugeln dekoriert, Kinder in Bullerbü-Outfit und mit ebensolchen Namen spielen artig zwischen den Rabatten. Nur zwei seltsame Kuben aus massivem Beton an der Einfahrt befinden sich noch im Rohbaustadium und geben Rätsel auf: Werden hier demnächst zeremonielle Torwächter mit hoher Fellmütze und Bajonett patroullierend ihren Dienst versehen? Oder werden die Dinger doch noch mit Sandsäcken und Maschinengewehren zu veritabel wehrfähigen Wachtposten-Stellungen à la Gaza-Stadt hochgerüstet? Das hängt wohl auch davon ab, wie sich das soziale Klima im umliegenden Favela-Bezirk Prenzlauer Berg in der nächsten Zeit verschärft.
(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Das Missing Link zwischen Wasser und Grafschafter (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Das Near-Water-Segment boomt. Waren früher die Welt der Mineral- und Tafelwässer und die der Limonaden kategorial getrennt, verzeichnet die Grauzone dazwischen seit Jahren die stärksten Zuwachsraten, was man mit Slavoj Žižek (PDF) als Symptom der allgemeinen Homöopathisierung des Konsums interpretieren könnte, aber keineswegs muss.
Besonders wild pastös treibt es das Haus Gerolsteiner, das – sehr zum Gefallen des "Erlebnistrinkers" unter den Trinktypen, der "ein Lebensgefühl, das sich weg von der Leistungsgesellschaft orientiert" mit "Lebensdurst auf immer neue und vielfältige Geschmackserlebnisse" verbindet – die Produktinnovationen in so schneller Abfolge raushaut, dass der Konkurrenz schwindelig wird. Auf Naturell plus Frucht und die rustikalere Variante Moment (beide Mai 2006) folgte unmittelbar das schlanke und isotonische Gerolsteiner Sport (Juni 2006), nicht zu verwechseln mit dem schon länger im Markt befindlichen Gerolsteiner Fit. Die 2005 pünktlich und passend zur Klimakatastrophe mit dem Produkt Milder Winter begonnene Saisonalisierung wurde diesen Sommer mit Gerolsteiner Sommer Frische fortgesetzt.
Der jüngste Coup ist mit Gerolsteiner Linée ein in den Geschmacksrichtungen Ananas-Zitronengras, Litschi-Limette und Mango-Grapefruit erhältliches "natürliches Vitalgetränk", das im Sinne des Functional Food mehr kann als nur den Durst löschen. Was nämlich? Es "stabilisiert den Energiehaushalt" (Etikett vorne). Präziser: Es "hilft den Blutzucker und damit den Energiehaushalt zwischen den Mahlzeiten zu stabilisieren" (Etikett Seite). Oder anders: "Es stabilisiert den Energiehaushalt und überbrückt auf gesunde Weise die Zeit zwischen den Mahlzeiten" (Etikett hinten). Ein Diagramm "typischer Energiehaushalt" auf der Rückseite zeigt zudem die "Schwankungen bei unausgewogener Ernährung" (rote Kurve) im Gegensatz zum "Stabilen Verlauf bei ausgewogener Ernährung und mit Linée" (grüne Kurve), wobei unklar bleibt, welcher Anteil der Glättung auf die ausgewogene Ernährung, welcher auf das Produkt entfällt. Den Beitrag dazu leisten jedenfalls "langsame Kohlenhydrate aus Rüben, die vom Körper langsam und länger genutzt werden können".
Schöner, das muss man der Innovations- und Marketingabteilung von Gerolsteiner allemal lassen, ist Rübenzucker selten verbal verpackt worden. Fehlt eigentlich nur noch ein Getränk ähnlicher Bauart, das neben dem Energiehaushalt zusätzlich auch den Koffeinhaushalt stabilisieren hilft. Es könnte zur Abwechslung einmal braun sein.