Riesenmaschine

19.12.2006 | 03:56 | Berlin | Essen und Essenzielles

Instantwurst


Wie füreinander geschaffen: Pommes- und Wurstautomat
Beim Thema Vending-Machines schweift der Blick normalerweise fast reflexhaft nach Japan, das Land des scheinbar unbeschränkten Automatenangebots (auch wenn der legendäre Höschen-Automat dort ebenso zu den Exoten gehört wie der Berliner Maden-Automat, der kanadische Wurm-Automat oder die belgische Variante für Schweinesperma). Fast verliert man den Blick dafür, dass sich auch hier auf dem Terrain einiges tut und sich zu den Europa mittlerweile flächendeckend überziehenden Pommes-Automaten in der Tradition der seinerzeit noch manuell operierten "Heissen Hexe" immer öfter auch Wurstautomaten gesellen (gesehen am Innsbrucker Platz in Berlin) – und das nicht erst seit gestern, sondern "seit mindestens zwei Jahren" (Michael Brake). Deutschländer und Trueman's gibt es dort wahlweise heiss oder kalt ab 1,30 Euro. Fehlt eigentlich nur noch ein Automat, aus dem man Wurst- und andere Automaten ziehen kann, um sie dann zu Hause bei sich oder im Büro aufzustellen.


14.12.2006 | 19:06 | Anderswo | Fakten und Figuren | Sachen kaufen

Prothesenmarketinggötter

Wenn man Werber fragt, wofür sie niemals Werbung machen würden, sagen ca. neun von zehn nach mittlerer Bedenkzeit: "äh ... Landminen". Nur konsequent, dass es jetzt Werbung für quasi das Gegenteil gibt. Am Göttinger Bahnhof bewirbt der ortsansässige Healthcare-Anbieter Otto Bock (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kunststoffhersteller mit dem grandiosen Claim "Best in foam") eines seiner Spitzenprodukte: Unterschenkelprothesen. Die federführende Lead-Agentur konnte leider nicht ermittelt werden, aber die Kampagne darf als gelungen gelten. Weil nach wie vor das Gros der Deutschen sich mit englischsprachigen Werbeslogans schwertut, wird die eingängige Kernbotschaft "Technology for people" eleganterweise mit übersetzt. Auch das Key-Visual ist mit Autoreifen gut gewählt. Schliesslich sind Reifen so etwas wie die künstlichen Beine des Autos, ohne die es auch nicht laufen könnte. Und wird nicht das Mängelwesen Mensch erst durch die technologisch erweiterten Handlungsspielräume des Individualverkehrs, sprich: durch das Tele-Organ des Autos buchstäblich zum "Prothesengott"? Doch, wohl. Einziger Einwand, wenn man denn partout etwas auszusetzen finden wollte, wäre, dass auch eine noch so gelungene Kampagne in diesem Segment nicht zur Marktausweitung führt, jedenfalls nicht, so lange die Apotemnophilie noch nicht als flächendeckender Trend Raum gegriffen hat. Um die Kampagne unter dem Gesichtspunkt der Effizienz noch zu optimieren, müsste man nolens volens – es hilft ja nichts – also doch über eine flankierende Kampagne für Landminen nachdenken. Denn streng ökonomisch sind Landminen und Prothesen komplementäre Produkte auf gekoppelten Märkten (vgl. Drucker/Toner, Kaffeemaschinen/Pads).


04.12.2006 | 18:54 | Anderswo | Fakten und Figuren

Die Kunst des Namedropping


Kunst (c)Tate 2006 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Keine Kunst (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Heute Abend wird in London der diesjährige Turner-Preis an einen der vier Nominierten verliehen, als da wären Tomma Abts, Mark Titchner, Rebecca Warren und Phil Collins. Unabhängig davon, wer nun gewinnt, oder gewonnen hat (die Buchmacher halten wie das deutsche Feuilleton zu Tomma Abts), gibt uns das Gelegenheit, einen kurzen Moment lang über Künstlernamen zu konjekturieren. So ist nicht ausgeschlossen, dass die Popularität von Paul McCarthy zumindest zum Teil auf der Verwechslung mit einem gewissen Ex-Beatle gründen könnte. Dies obwohl dessen Versuch, seinerseits in die bildende Kunst einzusteigen, 1999 in Siegen insgesamt eher sang- und klanglos verlief, auch wenn für die Ausstellung eigens Schilder an der Autobahnausfahrt installiert wurden. Ebenfalls schwer zu sagen, ob der deutsche Fotograf Boris Becker eher unter der Namensgleichheit mit dem Tennisspieler leidet oder davon profitiert. Immerhin taucht er mit seiner Website bei Google bereits an dritter Stelle auf, anders als sein Kollege John McEnroe, nach dem man wirklich sehr gezielt im Wimbledon-Meer suchen muss. Nun also auch noch Phil Collins, dessen prominenter Namensvetter immerhin aktenkundig noch nicht malerisch oder bildhauerisch in Erscheinung getreten ist. Wir sind gespannt, wann der erste Elton John der Kunstwelt auftaucht. Bei der Musikerin und Künstlerin Yoko Ono handelt es sich übrigens um ein und die selbe Person.


30.11.2006 | 01:53 | Anderswo | Sachen kaufen

IKEA besorgt es der Schweiz de luxe


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die Schweizer sind ein upgradefreudiges und -williges Völkchen, wie sich allein an den erfolgreich lancierten eigenen Premium-Linien der Supermarktketten Migros und Coop ablesen lässt. "Ganz nett, aber gibt es das nicht auch in etwas teurer?", so scheint sich der eidgenössische Konsument tagein, tagaus zu fragen und bekommt in jüngster Zeit zunehmend positiv Bescheid.

Kein Wunder, dass sich IKEA die Schweiz als Testmarkt für die Premium-Linie IKEA Stockholm ausgesucht hat. Lustiger- und listigerweise arbeitet die Teaser-Aussenkampagne genau mit der Verkehrung, die verglichen mit dem normalen IKEA-Preisniveau deutlich hochpreisigeren Objekte angesichts besseren Designs, Materials und Verarbeitung als regelrechte Preisbrecher erscheinen zu lassen. In rollenden Wohnzimmer-Anhängern kann man sich per Augenschein davon überzeugen, dass es sich bei der Handschrift zwar unverkennbar um das schwedische Gerümpelhaus mit Hang zum Sekretärinnen-Pop handelt, jedoch versehen mit einem deutlichen Einschlag evangelisches Gemeindezentrum-Mobiliar der 1970er, vulgo skandinavische Designtradition – am deutlichsten nachvollziehbar vielleicht beim aufgebockten Billy-Regal aus stellenweise massiver Eiche für 199 Euro.

Die Website hinwiederum schlägt in eine ganz andere Richtung aus, nämlich Schweinebauch-Werbung: Eine Flash-Hölle, die auf der einzigen konzeptionellen Idee beruht, überall "Super" davorzuschreiben und dieses vielleicht zu Unrecht in Verruf geratene Super-Präfix superdreist und superbrachial überzustrapazieren bis hin zur "supernatürlich" geformten Vase. Ach, in der Schweiz möchte man Werber sein, und das leicht verdiente Geld sofort wieder für all die schönen Superpremiumprodukte raushauen.


28.10.2006 | 12:32 | Papierrascheln

Product Placement am POS


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Where the shit hits the fan (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wie man ein neues Toilettenpapier in einem scheinbar übersättigten Markt lanciert, indem man Mafo-Insights zum Thema "Knüllen vs. Falten" anwendet, kann man hier nachlesen. Das ist nun bereits eine Weile her, und man hat sich an das Key Visual des dicken Braunbären gewöhnt, der bei genauem Drübernachdenken assoziativ einigermassen pikant ist. Zeit, die zweite Triebstufe des Marketing zu zünden: Wie man intelligentes Product Placement direkt am PoS (Point of Shit) betreibt, demonstriert nun also die Kooperation zwischen "Charmin" und der Deutschen Bahn, wodurch die Konsumentenerfahrung "Bahnfahrt" in einem ganzheitlichen Sinn aufgewertet wird. Die flankierende Aufforderung zum "Umsteigen" dürfte sich in einer deutlich spürbaren Conversion Rate bemerkbar machen.


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