Riesenmaschine

11.10.2006 | 13:18 | Gekaufte bezahlte Anzeige

Durch den Konsum mit DoorOne


Kein Schleifgerät (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Kein alter iMac (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Kein Heizlüfter (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Kein Püriergerät (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Kein Laserdrucker (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Kein früher Hochleistungsrechner (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Keine Tupperware (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Kürzlich wurde in einer Designzeitschrift ein 4313 € teures "Multitool" vorgestellt, das Lautsprecher, Stehlampe und Luftreiniger in einem ist. So etwas braucht kein Mensch. Wohl aber Luftbefeuchter und gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit mit ihrer trockenen Heizungsluft dräut. Hätten wir einen Betriebsrat, er hätte schon längst auf diese Anschaffung gedrängt. Allerdings scheiden sich auch hier bereits die Geister. Kollegin Passig findet Luftbefeuchter totalen Unfug: "Es gibt Leute, die ihr Leben lang in der Wüste wohnen, und die haben auch keinen Luftbefeuchter, und ihre Nasen funktionieren ausgezeichnet." Allerdings, wendet Architekt Imhof ein, verhinderten Luftbefeuchter "das Aufquellen von Parkett und damit Schüsselungen, also Wölbungen der einzelnen Parkettriemen." Egal ob Nasenschleimhaut oder Parkett, die Argumente reichen aus, um den ohnehin feststehenden Entschluss der Anschaffung eines Luftbefeuchters retrograd zu rationalisieren.

Allerdings wissen wir noch sehr wenig über Luftbefeuchter, und lassen uns also einfach überraschen was die Seite unseres Lieblingssponsors DoorOne zum Thema "Luftbefeuchter" ausspuckt. Es gibt insgesamt 96 Einträge in allen Preiskategorien von unter 30 € bis über 600 €, auch die Optiken sind zahlreich: vom hochgepimpten Damfbügeleisen über den Laserdrucker bis zur Standheizung. Über "Kategorien" lässt sich das Angebot eingrenzen, indem man die echten "Luftbefeuchter" von den "Einrichtungsgegenständen" scheidet. Dadurch fallen der niedliche Heizungsbewohner "Balduin" für 16,75 € ebenso weg, wie der zimmerspringbrunnenartige "Nebel-Luftbefeuchter" von Otto für 75,90 €, der in wechselnden Farben leuchtet und dadurch angeblich beruhigend wirkt.

Von den verbleibenden Kein-Schnickschnack-Geräten überzeugt am meisten der "Venta-Airwasher", ein schlichter anthrazitfarbener Kubus mit Rippen, der an frühere Hochleistungsrechner erinnert und sich damit wohltuend von den übrigen Alessi- oder Gehry-inspirierten Phantasieformen abhebt. Allerdings gibt es ihn in drei Varianten mit 5, 8, und 11 Litern, die sich entsprechend preislich unterscheiden. Im direkten Produktvergleich erfährt man, dass die 8-Liter-Variante mit einer Preisspanne von 170 bis 220 € sich für 46 Quadratmeter eignet und über einen Leisebetrieb verfügt, während die kleinere Variante über einen Feuchtigkeitsregler verfügt und nur für 23 Quadratmeter taugt. Übrigens arbeiten alle Geräte ohne Filtermatten: "Schlechte Raumluft wird in das Gerät geleitet und durch einen Plattenstapel geführt, der im Wasser rotiert." Interessant. Wir entscheiden uns dennoch für die 5-Liter-Variante fürs Schlafzimmer – die anderen Räume können später upgegradet werden – und bestellen beim etwas teureren Anbieter, der dafür das "Trusted Partner"-Siegel trägt und bei dem die Versandkosten im Preis enthalten sind. Der Winter kann kommen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das neue System der Dinge


06.10.2006 | 18:51 | Berlin | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Popshow *Eilt*


Der Salonlöwe nennt es Arbeit (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wie dummerweise erst jetzt von uns gemeldet wird, tritt heute Abend um 22 Uhr der grosse Alleinentertainer Friedrich Liechtenstein im Radialsystem V erstmalig mit seiner schon im Vorfeld legendären Popshow auf. Liechtenstein, der in Berlin zuletzt auf dem Sommerfest der Riesenmaschine die Massen frenetisierte, ist einer der begnadetsten Salonlöwen, den diese Stadt aufzubieten hat und versteht es wie kein Zweiter, poetisches mit politischem Textgut zu versöhnen. Dabei verströmt er einen poppigen Glamour, der selbst den kleinsten Club von innen mit Hochglanz ausschlägt, hat aber auch schon die grossen Opernbühnen dieser Welt bespielt. Kurzentschlossene, die miterleben wollen, wie es aussieht, wenn Liechtenstein grosse Apparate bedient, sollten sich heute zur Premiere verfügen, zumal gerüchteweise verlautet, dass es noch Karten gibt. Allen anderen sei der morgige zweite Termin wärmstens anempfohlen.


03.10.2006 | 21:01 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Playstation Art


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

Sieht so die perfekte Beziehung aus? (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Zu den minoren Entdeckungen des Berliner Art Forums und seiner diversen Nebenmessen gehört ein neues Genre: Kunst für die Playstation. Begründet hat es nach unseren Unterlagen das junge österreichische Künstlerduo Hanakam/Schuller mit einem – nun ja – "Spiel" namens "Perfekte Liebhaber" (gesehen bei Patrick Ebensperger auf der ansonsten eher neglegablen Berliner Liste). Per Controller wählt der Rezipient aus einem Übersichtsmenü Zweier- und Dreierkonstellationen androgyner, wie gedrechselt wirkender Wesen aus, die auf Namen wie "Solveig", "Kim" oder "Hugo" hören und über ihre individuelle Aussenhaut bereits Rückschlüsse auf ihren – nun ja – "Charakter" zulassen. In der Zoom-Ansicht erfährt er weitere süsse Nichtigkeiten über sie. Von Kim etwa heisst es, sie habe "sensationell schöne Lippen, mit denen sie ruhig – sagen wir es mal offensiv – wuchern sollte." Hugo bekennt: "Ich packe die Gelegenheit beim Schopf und pflege Kontakte." Das ist unterhaltsam und erfreut durch zweckfreies Wohlgefallen, kostet, wie ein gutes Playstation-Spiel, 59,99 Euro und läuft zur Not auch auf dem PC.


30.09.2006 | 17:46 | Berlin | Was fehlt

Besorgt um Entsorger


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Die Berliner Entsorgung-, Wertstoff und Facilitymanagementfirma Alba macht neuerdings auf ihren Fahrzeugen Werbung, in Ermangelung anderer Partner erst mal für sich selbst, so weit in Ordnung. Auch das dafür eingesetzte Testimonial Henrik Rödl, geboren 1969 in Offenbach, wie vorsichts- und vollständigkeitshalber unter dem Namen mit vermerkt wird, fällt nur auf den ersten Blick gegen Genregrössen wie Beckenbauer oder die Gottschalk-Brüder ab – ist Rödl doch, wie eine kurze Internetrecherche ergibt, ehemaliger Nationalspieler und seit 2005 Trainer des von der Firma gesponserten und fast gleichnamigen Basketballvereins Alba Berlin. Von daher konsequent, also. Nur beim sloganhaften Testimonial-Zitat, das Herrn Rödl in den Mund gelegt wird, hat man es dann leider komplett vermacht: "Immer alles geben"! Sollte man von einem Entsorger nicht das exakte Gegenteil erwarten?


27.09.2006 | 05:55 | Gekaufte bezahlte Anzeige

Das neue System der Dinge


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"Die Wohnung, das Milieu, die Gegenstände, mit denen sich ein Mensch umgibt, verraten fast alles über ihn," bemerkte Jean Baudrillard schon vor knapp 40 Jahren in Das System der Dinge: "Aus den neuesten Entwicklungen, den raffinierten technischen Erfindungen, aus den Eigenheiten und Zyklen der verschiedenen Moden sind die geheimen Wünsche der Zeitgenossen herauszulesen." Die durchschnittliche Zahl der Gegenstände in privaten Haushalten ist seither auf über 10.000 angestiegen. Vieles davon ist Schrott. Nicht weil es per se Schrott wäre, sondern weil es schlicht das Falsche ist, nicht zu uns passt, nicht mit unserem Leben kompatibel ist. Auch im Konsum schlummert, wie Michel de Certeau in "Die Kunst des Handelns" feststellt, ein Akt der Produktion. Allerdings wird diese Leistung selten anerkannt und nirgendwo unterrichtet. "Der protestantische Kapitalismus hat immer nur die Geschicklichkeit der Produktion kultiviert," schreibt Norbert Bolz in "Das konsumistische Manifest": "die consumption skills sind darüber verkümmert." So muss man es sehen: Es sind nicht schlechter Geschmack und Geistlosigkeit, die Menschen stets Schrott oder das Falsche kaufen lassen, sondern schlicht fehlende consumption skills.

Aber vielleicht bricht ja bald eine neue Ära des sachgerechten, sinnvollen Individualkonsums an – und zwar dank Internet. "The Long Tail" nennt Wired-Chefredakteur Chris Anderson das lange, flache Ende der Angebotskurve und die unendliche Sortimentstiefe, die in Online-Shops im Gegensatz zum stationären Einzelhandel anzutreffen ist, dort für einen zunehmenden Teil der Umsätze sorgt und laut Anderson eine Umstellung der gesamten Kultur von "hitgetrieben" auf "nischengetrieben" bewirken könnte: "Die Angebotsfülle lässt uns von Schnäppchenjägern, die gängige Marken- oder No-Name-Ware kaufen, zu Mini-Connaisseuren werden, indem wir unseren Geschmack mit Tausenden von kleinen Extras veredeln, die uns von anderen unterscheiden," schreibt er im Buch zum Blog zum meistgelesenen Wired-Artikel aller Zeiten. Allerdings funktionierte der "Long Tail" bislang vorwiegend bei digitalen Produkten und Zwitterwesen wie Büchern, während die Internetsuche nach physischen Produkten fragmentarisch und oft frustrierend blieb.

Seit heute gibt es die Portal-Seite DoorOne.de, die angetreten ist, die Produktsuche im Internet auf eine neue Ebene zu heben. Im Maschinenraum arbeitet eine Produktdatenbank mit Detailinformationen zu mehr als fünf Millionen Produkten von mehr als tausend Händlern. An Deck ist alles hübsch aufgeräumt und intuitiv zu bedienen. Neben der standardgemässen Preisvergleichs-Funktionalität liefert sie vor allem eines: Anleitung und Hilfestellung zum richtigen Konsum auch in abseitigen und entlegenen Nischensegmenten. In einer bis zum Jahresende laufenden Kooperation mit DoorOne.de wird Riesenmaschine sich im wöchentlichen Takt eine Produktkategorie vornehmen und im Selbstversuch testen und erforschen. Vielleicht gelingt es auf diese Weise, etwas über unsere geheimen Wünsche (s.o.) herauszubekommen.


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