Riesenmaschine

15.04.2006 | 12:40 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Japan-Kubismus


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

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Den krassen Gegenpol zum Prinzip Kawaii bildet in Japan der allgegenwärtige Kubismus, die Liebe zu Quadrat- und Würfelform. Nirgendwo sonst auf der Welt wird im Bereich der gehobenen Architektur so radikal am Bauhaus-Dogma der rechtwinkeligen Kantigkeit festgehalten – selbst wenn jetzt unfassbarer Weise der Nagakin Capsule Tower, wohl das kubistischste Bauwerk der Welt, abgerissen werden soll –, wobei der klassische White Cube sich gegenüber dem in Tokio verbreiteten Sichtbeton-Quader ausnimmt, wie ein ornamentales Verbrechen. Der graue Würfel ist an minimalistischer Schlichtheit nicht mehr zu übertreffen. Unangekränkelt jeglicher im Westen verbreiteter Skrupel hinsichtlich Aerodynamik und Spritverbrauch kommt dieses Prinzip auch auf der Strasse zur Geltung. Der nur in Japan erhältliche Kleinwagen Nissan Cube ist, wie der Name schon sagt, ein Würfel auf Rädern und allein dafür im Land der achtkantig aufgehenden Sonne sehr populär. Dass der rollende Mies-van-der-Rohe-Traum dermaleinst seinen Weg zurück ins Mutterland des Bauhauses finden könnte, gilt als unwahrscheinlich, wenn auch nicht völlig ausgeschlossen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kawaii, Kawaii!


14.04.2006 | 19:59 | Anderswo | Alles wird besser

Kawaii, Kawaii!


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

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Kawaii heisst so etwas wie "niedlich" auf japanisch und markiert dort spätestens seit den 70ern so etwas wie ein allgemeines kulturelles Sehnsuchtsfeld, das weit über die universelle Anwendung des Kindchenschemas in Populärkultur, Produkt- und Character-Designs hinausgeht. Die Welt, so die implizite Annahme von Kawaii-Design (der sich die Riesenmaschine im Grossen und Ganzen anschliesst), wäre schon eine bessere, wenn nur alle Dinge niedlich aussähen. Kaum verwunderlich also, dass in Japan nicht nur Kleidung, Fernsehprogramm, Softdrinks den Geboten des Kawaii folgen, sondern neuerdings auch Shinkansen, so heissen in Japan die Hochgeschwindigkeitszüge. Der in der vergangenen Woche auf der Tohoku-Linie in Betrieb genommene Next-Generation-Bullet-Train Fastech 360-Z verfügt über mehrere Paare niedlicher Häschenohren. Die offizielle Begründung lautet, dass es sich dabei um eine Art Bremsschirme handelt, die ein schnelleres Anhalten ermöglichen sollen. Wir wissen natürlich, dass es sich dabei um einen Akt retrograder Rationalisierung handelt, und dass der Zug die Ohren auch so gebraucht hätte, einfach, weil es so kawaii aussieht.


12.04.2006 | 11:10 | Berlin | Fakten und Figuren

Pecha Kucha in Berlin


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"Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit", denkt das weisse Kaninchen auf der anderen Seite des Spiegels. Und so geht es vielen Zeitgenossen, weshalb eine allgemeine Beschleunigung der Lebensabläufe festzustellen ist. Nicht nur das Schäferstündchen wird zum Speed-Dating, auch die gepflegte Abendunterhaltung unterliegt der Akzeleration. Pecha Kucha heisst ein neues Veranstaltungsformat, das angeblich aus Tokio stammt und nach Terminen in Los Angeles, London, Rotterdam und Melbourne heute zum ersten Mal in Berlin stattfindet (Klub der Republik, Pappelallee 81, 20.20 Uhr sine tempore). Nur äusserlich dem Powerpoint-Karaoke verwandt, geht es beim Pecha Kucha darum, zu 20 Bildern, die jeweils exakt 20 Sekunden stehen bleiben, zu extemporieren und also in fünf Minuten ein Thema zu erschlagen. Wir werden sehen, ob und wie das funktioniert, bzw. in meinem Fall: es aktiv ausbaden müssen, falls nicht.


11.04.2006 | 16:36 | Berlin | Anderswo

Deutsch-Japanische Luftwurzeln III und Schluss


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In den hippen Second-Hand- und Designer-Läden von Aoyama findet man nachbearbeitete Bundeswehr-Parkas und die passende Adidas-Trainingsjacke zum Tocotronic-Outfit. Die Bekenner-Stadtjacke "Weimar" ist nur anhand der aufgenähten Begriffe "Sportzentrum – Fussballfeld – Leichtathletik" als Eigengewächs zu überführen. In den über die Stadt verteilten Outlets von Graniph Design T-Shirts begegnen einen Hemden mit Aufdrucken wie Splitter , Strahl, oder Die leichte Bedruckbarkeit, die sich formalästhetisch auf den Deutschen Herbst, im Kleingedruckten jedoch häufig auf eine ominöse "Vernissage" an der "Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden" beziehen. Das wirrste, gleichzeitig ansprechendste Motiv handelt von "Israel" und davon, dass "Jeglichen Schwaermer" es "schlagt". Auch wenn der eigentliche Sinn hier verborgen bleibt, darf die Annäherung ans deutsche Wesen mit seinen markanten Themen und historischen Abgründen hier doch als gelungen gelten. Allerdings muss eingeräumt werden, dass die Deutschlandbegeisterung der Graniph-Designer nicht vollständig intrinsisch motiviert ist, sondern quasi nur die höfliche Antwort auf den Graniph T-Shirt Wettbewerb ist, bei dem 30 deutsche Designer Motive für das Label entwerfen durften und ein gewisser Ramon Haindl mit seiner überzeugenden Darstellung eines durch einen Teebeutel gehandikapten Adlers den Hauptpreis von 3000 Euro abräumte. Dieser Wettbewerb wiederum ist initiiert worden als Bestandteil des Deutschlandjahres 2005/2006, einer konzertierte Aktion von Goethe Institut, Auswärtigem Amt und diversen anderen staatlichen und para-staatlichen Institutionen, was das Bild ein wenig verzerrt. Schwer zu beurteilen, was an der aktuten Germanophilie der Japaner gemacht und behauptet, was daran authentisch ist. Die Maus jedenfalls ("Sie ist ein Sinnbild für Information, Bildung und Unterhaltung, sie repräsentiert Qualität und Kompetenz, und sie macht Spass. Kurz gesagt: Die Maus ist der ideale Botschafter für Deutschland in Japan 2005/2006."), wird es in ihrer öffentlich-rechtlichen Klobigkeit schwer haben, sich gegen das avancierte japanische Character Design (derzeit etwa die Happy Flowers von Takashi Murakami) durchzusetzen und in Japans Populärkultur Fuss zu fassen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Deutsch-Japanische Luftwurzeln II


11.04.2006 | 14:52 | Berlin | Anderswo

Deutsch-Japanische Luftwurzeln II


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

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Noch bis zum 7. Mai läuft im Mori Art Museum die unter Mitwirkung der Staatlichen Museen Berlin entstandene (und ab 7. Juni auch dort zu besichtigende) Ausstellung Tokyo-Berlin/Berlin-Tokyo, die den verschlungenen Luftwurzeln beider Kulturen nicht nur im Bereich bildender Kunst nachspürt. Selten hat man amüsantere Adaptionen von Grosz und Co gesehen, die sich gleichwohl durch ihren fernöstlichen Überperfektionismus als ebensolche entlarven. Frappierend auch der temporäre Gleichtakt in der Architektur, wobei die japanische Faszination für Bauhaus und Dada bis hinein in die Avantgarde-Musikszene – man denke etwa an Merzbow – ja längst aktennotorisch war. Auch ein Manga-Comic mit zwei Covern zur Ausstellung ist erschienen, in dessen inneren beide Städte "inhaltlich und formal aufeinander zuwachsen" – was sie offensichtlich tatsächlich tun und sich dabei jeweils haarscharf verfehlen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Deutsch-Japanische Luftwurzeln I


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