18.01.2006 | 20:26 | Anderswo
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Schade, eigentlich, dass wir aus logistischen Gründen nicht aus erster Hand von der derzeit laufenden Möbelmesse imm cologne in Köln berichten können, etwa über die wie von Spinnen auf Kaffee geflochten wirkenden Möbel von Konstantin Grcic für das Stylepark-Atrium. Als probate Alternative im Sinne der Teichoskopie oder, wenn man so will, Beobachtung 2. Ordnung empfehlen wir das Messeblog von Poloxygen, das quasi mit Liveberichterstattung aufwartet. Besonders gut gefällt uns übrigens dieser metaphorisch merkwürdige Sarg in Zäpfchenform von Uono.
10.01.2006 | 14:36 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt
 Das alte Schwarz (Malewitsch) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ein diskursiver Dauerbrenner auf den hochspekulativen Zukunftsmeinungsmärkten ist die Behandlung der Frage, was denn wohl das neue Schwarz sei bzw. werde. Als Kandidaten werden mit hübscher Regelmässigkeit Braun, Grau, Weiss und Rot gehandelt, mitunter sogar Biobaumwolle, Uniformen und Adipositas. Neuerdings verdichten sich die Anzeichen, dass, wie der Riesenmaschine Farbpsycholobo schon seit Jahren zu behaupten nicht müde wird, Schwarz das neue Schwarz sein könnte. Bei den Pariser Modeschauen zeichnete sich Schwarz als Trendfarbe der Saison ab, wie die Berliner Zeitung bereits letzte Woche berichtete und gleich die frappante Begründung mitlieferte: Passt immer, gefällt allen. Das gibt uns Gelegenheit, endlich einmal auf dieses gelungene Stück Webkunst von Hans Bernhard zu verlinken. Und für den Fall, dass sich irgendwann doch wieder Weiss als das neue Schwarz herausstellen sollte, gibt es hier bereits das passende Gegenstück dazu.
04.01.2006 | 11:08 | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
In Deutschland ist, scheint es, wenn schon nicht in der Bevölkerung oder gar der Wirtschaft, so doch in der Werbung und anverwandten Bereichen des sog. Journalismus der Optimismus ausgebrochen. Zur impertinent pathetischen Du bist Deutschland-Kampagne dürfte ja bereits alles gesagt sein. Zu Weihnachten nun machte die BILD-Zeitung mit der originellen – nun ja – Idee auf, nur gute Meldungen auf die Titelseite zu hieven. Ins gleiche Horn blasend startet die Wohnungvermüllungskette BUTLERs zum neuen Jahr mit einer "Good News"-Offensive mit optimistischen Produkten.
Das ansonsten zurechnungsfähige Designerduo Fremdkörper hat dafür den entlegenen Gedanken eines Glases beigesteuert, dass den mittleren Füllstand als "halb voll" ausweist. Mit einer ähnlich bahnbrechenden Headline-Mechanik operiert die neue Werbekampagne von Coke-light. Mit Headlines wie "Optimisten sicher – Pessimismus am Ende", "Keine Frage: Jammern ist Geschichte" oder "Unwort des Jahres: Miesepetrigkeit" und einem Weltrekordversuch im Dauerlächeln will Coke light, laut Selbstauskunft zu einer neuen Haltung anregen: "Schluss mit schlechter Laune und ewigem Pessimismus. Die Zeit ist reif, mit Coca-Cola light die leichte Seite des Lebens zu entdecken."
Auffällig an dieser Chronologie des laufenden Unfugs ist weniger die individuelle Hybris, mit der Marketingtreibende, denen ihr vorgeschütztes Gutmenschentum zu Kopf gestiegen ist, sich hier in krasser Fehleinschätzung ihres Wirkungsbereiches zu gesellschaftlichen Sprachrohren aufschwingen – derlei mag als déformation professionelle durchgehen –, vielmehr frappiert die bis zur Resonanzkatastrophe gesteigerte Einmütigkeit darüber, dass, was diesem Land fehle, allein der Optimismus sei. Jemandem, der diesem Land ein paar Jahre den Rücken gekehrt hat, um nun unvorbereitet zurückzukehren, muss Deutschland allmählich erscheinen wie ein gehirngewaschener Propagandastaat, in dem Durchhalteparolen und geschönte Faktenklitterung im krassen Missverhältnis zu den sozialen Realitäten stehen. (Vom späten Ceauşescu-Regime erzählt man sich, das dort selbst die Wetterberichte im Fernsehen gefälscht wurden, damit die Menschen nicht mehr so frieren.) Bei so viel forciertem Optimismus möchte man glatt den alten Miesmacher Adorno zitieren, der im Zwiegespräch mit dem alten Desillusionisten Arnold Gehlen seinerseits Grabbe zitierend feststellt: "Denn nichts als Verzweiflung kann uns retten."
30.12.2005 | 11:20 | Zeichen und Wunder
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Als sich im Zweiten Weltkrieg gerade das Blatt wendete und Goebbels in seiner Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 die Deutschen befragte, ob sie ggf. dem Totalen Krieg zuneigen würden, was diese (zumindest die Anwesenden) frenetisch bejaten, hing hinter ihm an der Saalwand ein Transparent "Totaler Krieg – Kürzester Krieg". Am 1. Januar 1943 hatte Goebbels diesen Gedanken bereits in sein Tagebuch notiert: "Der radikalste und totalste Krieg ist der kürzeste, und er bringt den entscheidenden Sieg". Was das alles mit dem im Bild anoncierten Sonderverkaufsaktion der DVD "Krieg der Welten" bei der Tankstellenkette "Total" zu tun hat? Keine Ahnung.
28.12.2005 | 13:20 | Alles wird besser | Was fehlt
Die Welt möge sich umgestalten und ihre Sorgen dabei für sich behalten, wünschte sich bereits die Knef, die heute 80 geworden wäre, und mal abgesehen davon, dass das ganze auf ein Bad in Rosengewittern hinausläuft, ist diesem Wunsch prinzipiell beizupflichten. Allerdings muss hier bereits eingeschränkt werden, denn Umgestaltung per se bedeutet noch keinen Wandel zum Besseren, wie sich unschwer am Beispiel der Emser-Nasendusche, dem Klassiker unter hiesigen Nasenspülprodukten, belegen lässt.  Nasenduschendesign alt (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Seit Jahrzehnten wird dieses ebenso traditionsreiche wie praktische Produkt von der SIEMENS & CO Heilwasser und Quellenprodukte des Staatsbades Bad Ems GmbH & Co. KG vertrieben, und bald ebenso lang orientierte sich das Design in bester Kur- und Sanitätshaustradition umstandslos an der Funktion, Flüssigkeit in Körperöffnungen zu applizieren, vulgo am Klistier. Beworben wurde es allenfalls in der RTV-Beilage der Tageszeitungen, vermarktet wurde nach dem Rockefellerprinzip vor allem das überteuerte Salz in Portionspackungen, während das eigentliche Produkt ein stiefkindliches Schattendasein fristete. Vermutlich hatte man in Bad Ems keinen blassen Schimmer davon, dass die Nasendusche in bester Gonzo-Marketing-Manier längst zum Lifestyle-Accessoir nicht nur unter Koksern avanciert war, so dass selbst Christian Ulmen bei Harlad Schmidt dafür Werbung machte.  Nasenduschendesign neu (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Irgendwie muss die Information dann aber doch durchgesickert sein, weshalb man sich ca. Anfang 2005 zum Redesign entschloss, dessen Resultat ein unförmig-klobiger Nasenduschknochen im selben milchig-blauen Plastik ist, dem unten ein obszöner Siphon entwächst. Das "optimierte Design" ist an Hässlichkeit kaum zu überbieten. So geht es leider gar nicht. Gewünscht hätte man sich statt dessen vielleicht ein Design, dass sich noch stärker am ersten iPod orientiert, der, wir erinnern uns, seinerseits am anachronistischen pharmarzeutischem Gerät orientiert war – der erste Hirnschrittmacher, sozusagen: jene Verbindung aus Pop und Klinik, die schon Damian Hirst für seine Pharmacy fruchtbar gemacht hatte, und die die Erotik der professionellen Sterilität hervorkehrt.  Nasenduschendesign in spe (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Eine Verbindung aus aseptischem Chrom und einem Weiss, das an "gestärktes Linnen" (Douglas Adams) privater Luxuskrankenhäuser erinnert, hätte es sein müssen, verpackt in einem kompakten Gerät, das neben Mobiltelefon und Digitalkamera zum ständigen Begleiter durch die Nacht werden kann. So ein "Nosepad", das meinetwegen auch anders heissen darf, würde ich mir für 2006 wünschen, und ich bin sicher, dass es dafür einen Markt gibt, mehr noch: Dass sich unsere Enkel dermaleinst fragen werden, wie jemals jemand ohne dieses Ding das Haus verlassen konnte. Falls irgendein Verantwortlicher der obengenannten Firma durch Zufall über diesen Eintrag stolpern sollte: Gern wäre die Riesenmaschine bei der Entwicklung behilflich und würde dafür sogar auf Honorar verzichten, sofern eine Erfolgsbeteiligung rausspringt.
 Das beste Duschgel der Welt (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Desweiteren wünsche ich mir, dass das hervorragende thailändische Duschgel Shokubutsu Monogatari in der Geschmacksrichtung "Orange Peel Oil" auch hierzulande verfügbar wird, denn meine Vorräte gehen lansam zur Neige, und dass die Berliner Taxifahrer nicht immer murren und mäkeln, wenn man den formidablen 3-Euro-Tarif verlangt, der durchaus zur Lebensqualität dieser Stadt beiträgt und den wir uns ja nun mal nicht ausgedacht haben.
Dieser Beitrag ist ein Update zu: Dahin führt unser Weg
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IN DER RIESENMASCHINE
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- Laufmaschendraht
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"Splinter", Toby Wilkins (2008)
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