Riesenmaschine

10.12.2005 | 12:07 | Berlin | Sachen kaufen

Moskau Marathon


Man kann es bald nicht mehr sehen (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wer vorgestern nicht auf der Acne-Eröffnungsparty war und auch gestern die Release-Party des mit leichten Anlaufschwierigkeiten aber vielversprechend gestarteten Blogs Datenstroeme.de verpasst hat, das unser geschätzter Kollege Stefan Heidenreich zusammen mit Pit Schultz vom Bootlab betreibt (wir wünschen bei der Gelegenheit gutes Gelingen und schöne Datenströme) – der oder die hat heute bis 23 Uhr und morgen noch einmal tagsüber die Gelegenheit, sich dort beim "Holy.Shit.Shopping" auf entspannte und tendenziell originelle Art der Sorgen um die leidigen Weihnachtsgeschenke zu entledigen. Mit dabei ist die Galerie Neurotitan, der Reprodukt-Comicverlag , sowie ein paar weitere der üblichen Verdächtigen. Vielleicht sollte man aber auch die Gelegenheit nutzen, bei angenehmer ambitionierter Musik getreu der Fluxus-Devise Yoko Onos "Fühle den Raum", die unter anderem Julius Nerdinger auflegt, in den hübschen Räumen herumzuhängen. Es gibt nämlich Gerüchte, dass die Immobilie spätestens 2007 einer völlig anderen Nutzung zugeführt werden soll.


09.12.2005 | 00:00 | Berlin | Sachen anziehen

Acne in Berlin


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Ja, nun gut. Berlin ist um einen Jeansladen reicher. Im Murkudis-Komplex an der Münzstrasse Ecke Neue Schönhauser, gleich neben den ehemaligen Räumen der Automatenbar, wo heute sündhaft teure riefenstahlstylische Schiesser-Unterwäsche verkauft wird, hat heute gestern Abend das Acne Acne-Jeanslabel seinen ersten Store in Berlin eröffnet.
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Innenarchitektonisch fügt sich der Laden sehr hübsch in das minimalistisch futuristische Ensemble ein, das Andreas Murkudis auch in den angrenzenden Hinterhöfen betreibt.
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Die Mode des schwedischen Labels folgt nach Expertenauskunft der Freundin dem strengen Vorbild der Sixties, wie ja generell gerade reduktionistisch-strenge Labels mit leichtem Retro-Touch aus Skandinavien Konjunktur haben, siehe unter anderem Filippa K. Allerdings war davon erst mal wenig zu sehen, weil es bei der Shop-Eröffnung so brechend voll war, dass man schnell ins Cafe Moskau ausweichen musste, wo die anschliessende Party stattfand ...

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die allerdings neben schwedischem Vodka, Freeflow, lediglich die Erkenntnis einbrachte, dass unter jungen Berlinerinnen zur Zeit weniger schwedische Sixties-Jeans, die nach Hautkrankheiten benannt sind, angesagt sind, als zeltartige Parkas, die in kalten Nächten einer Kleinfamilie Unterschlupf gewähren könnten. Allerdings muss man zugeben, dass wir auch zu einer ziemlich zivilisierten Zeit gegangen sind.


08.12.2005 | 01:56 | Sachen anziehen

Dos & Dolls


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Nein, wir schreiben nichts mehr zur neuen Ausgabe des Vice-Magazine auf Deutsch, wir können ja nicht jede einzelne Ausgabe kommentieren, und insgesamt scheint sich die Tendenz zu bestätigen, dass die deutschen Beiträge zu Themen wie "Dem Grauen auf den Zahn gefühlt" und
"Bärte sind die Härte"
(Wer macht dort eigentlich die Überschriften?) doch im internationalen Vergleich eher abfallen. Hinweisen möchten wir aber ausdrücklich noch einmal auf die völlig zu Recht legendären Dos & Don'ts, die – aus dem Mutterblatt übernommen – zu jeder Ausgabe auch online mitgeliefert werden, und einem jedes Mal aufs Neue den Stecker rausziehen. Dass es sie nach dem Buch jetzt auch als Puppen zum Preis von $17,99 gibt, halten wir für zwar ganz lustig, aber am Ende dann doch ein wenig übertrieben.


05.12.2005 | 18:58 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Kevin, go home!


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Wir haben uns ja bereits in anderer Angelegenheit zum inversen Midas-Prinzip der Marketingabteilung von Ferrero geäussert, demgemäss alles, was der Konzern kommunikativ anfasst, zu Scheisse gerinnt. Jetzt ist dem Schokoimperium ein neuer Griff ins Klo gelungen, indem sie das vertraute Gesicht der Kinder-Schokolade ausgewechselt haben.
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Zugegeben, das alte Konterfei, bei dem es sich entgegen anderslautenden Gerüchten nicht um den jungen Tommy Ohrner gehandelt hat, sondern um einen gewissen Günter Euringer, war bei Licht besehen auch stets eine ziemliche Zumutung. Daran konnte auch das zwischenzeitlich klandestin vollzogene Facelifting inklusive Hemdwechsel nichts ändern. Das neue Gesicht aber stellt an Arschlochhaftigkeit noch einmal alles Dagewesene in den Schatten. Dazu passt, dass der Konzern den neuen Kinder-Jungen, dessen Hobby vermutlich
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Vulkane sind und der sicher einmal Betriebswirtschaft studieren wird, auf den Un-Namen "Kevin" getauft hat. Allerdings scheint damit endgültig die Zumutbarkeitsschwelle überschritten zu sein. 12.000 Petitionen für die Rückabwicklung von Kevin sollen bereits bei Ferrero eingegangen sein, berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von gestern – und knüpft daran die Hoffnung, dass "die Fans bei Ferrero weiter aufräumen mögen". Ganz im Sinne der Riesenmaschine – und womöglich durch sie inspiriert – fordert die FAS in ungewohnter Drastik: Weg mit dem "Milchjieper". Weg mit dem Pseudo-Promi Howard, der neuerdings die Rocher-Kugeln bewirbt. Und vor allem weg mit den "Küsschen für gute Freunde". Wir können nicht anders, als dem erneut beizupflichten.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Gib dir die Kugel, Howard!


03.12.2005 | 10:25 | Anderswo | Alles wird besser

The kids are quite alright


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Mussten wir neulich erst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sachte konsterniert über die beiden 16jährigen Zwillinge Lamb und Lynx Gaede lesen, die unter dem Bandnamen "Prussian Blue" soften Folkrock und den Lolitalesben-Charme von t.A.t.U. mit knallhart rassistischen Texten verbinden und damit zu den neuen Ikonen der rechtsradikalen Rockszene in den USA avancieren (Einem Bericht der Jungle World zufolge sind die beiden übrigens erst 13 und verfügen noch über eine kleine Schwester namens Dresden) – und stand zu befürchten, dass die blutjungen Blondinen, die sich gern in T-Shirts mit Hitler-Smiley-Motiven ablichten lassen, damit auch im preussischen Stammland ihrer Ideologie landen und Zuspruch ernten würden –, gibt die Berliner Zeitung von gestern vorsichtig Entwarnung. "Ostdeutsche Jugendliche haben den Geschmack an der Nazi-Mode verloren", so lautet das Fazit einer von Klaus Farin vom Berliner Archiv der Jugendkulturen durchgeführten Untersuchung an ostdeutschen Schulen.
(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die hegemonialen Jugendkulturen seien hier mittlerweile HipHop und Punk, gefolgt von Skatern, Gothic, Techno und Heavy Metal. Die lupenreinen Rechtsextremen folgten weit abgeschlagen auf dem zehnten Platz. Das eigentlich Überraschende, so Farin, sei die Renaissance des lange totgesagten Genres Punk im Osten. (Das Bild zeigt ein Punk-Treffen in Leipzig.) Allerdings sei Vorsicht geboten, denn die angepasste rechtsradikale Strategie sehe vor, zukünftig verstärkt auch die HipHop- und Punk-Szene zu unterwandern und infiltrieren, was in der Gothik-Szene bereits stattfindet. Mit dem Liedgut von "Prussian Blue" dürfte das allerdings kaum gelingen.


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