Riesenmaschine

23.08.2005 | 16:17 | Zeichen und Wunder

Crewdsons Zeug


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


Wer immer dachte, die minuziös inszenierten Großformate von Jeff Wall (noch bis zum 25. September im Schaulager, Basel) markierten das obere Ende der Skala dessen, was sich im Bereich Kunstfotografie an Aufwand betreiben lässt, darf nochmal denken. Gregory Crewdson inszeniert seine surrealen Tableaus mit dem Aufwand einer kleinen Hollywood-Produktion und erzeugt damit detailversessen durchkomponierte und perfekt ausgeleuchtete "Fear and Loathing in Suburbia"-Szenerien von so apokalyptischer Rätselhaftigkeit, dass David Lynch sich dagegen gehackt legen kann (ab. 2. September im Kunstverein Hannover).


22.08.2005 | 15:46 | Berlin | Sachen kaufen

White Trash Floh Markt

Gross war das Heulen und Zähneklappern, als Ende Juni das White Trash Fast Food in der Torstrasse, unser Stamm- und Lieblingslokal irreversibel seine Pforten schloss. Viel des hübschhässlichen Chinamafia-Inventars wurde in den letzten Nächten zerdeppert, wir blieben mit einer Wodkaträne im Knopfloch und der vagen Ankündigung zurück, das White Trash sei keine Location, sondern eine Idee, die schon sehr bald in nächster Inkarnation wiedergeboren werden würde. Am vergangenen Wochenende nun hat auf der Filet-Brache zwischen Jannowitzbrücke, S-Bahn und Spree der Wild West Rock'n Strand Markt eröffnet, eine Mischung aus Flohmarkt und Strandbar im Geiste des alten White Trash.

Mit erkennbarer Liebe zum Detail haben die Macher hier eine verschlafene Western-Kulissenstadt inklusive Kirche ("Church Bar") und mittlerweile berlintypischem künstlichem Berg ("Matterhorn Bar", vgl. Volkspalast ) erstehen lassen, was das ganze wohltuend von den Berliner Flohmarkt-Flohmärkten abhebt. Die Verpflegung mit frischem Barbecue ist ausgezeichnet, und über alles dudelt relaxte Yankee-Mucke, die ganz offensichtlich nicht vom greisen Entertainer stammt, der am Rande des Geschehens hinter seiner Hammond-Orgel eingeschlafen ist. Das vertraute Personal aus tätowierten Backenbärten und schlampigen Trashqueens bevölkert die Szene, wirkt jedoch im milden Tageslicht weitaus gesitteter als früher. Etwa die Hälfte der Stände ist noch unbewirtschaftet, was das ganze hübsch überschaubar hält. Neben den unvermeidlichen kunsthandwerklichen T-Shirt-Ständen fällt eine leicht signifikante Häufung von Lederjacken, grossformatigen Sonnenbrillen und Rockplatten auf. Ansonsten alles ganz normal und entspannt. Als Flohmarktalternative kommt der Rock'n Strand Markt damit absolut in Betracht. Eine neue Stammkneipe werden wir uns wohl suchen müssen.

[Update: Inzwischen (Jan. 2006) ist der Flohmarkt wohl für immer geschlossen, dafür das Neue White Trash offen]


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


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20.08.2005 | 14:19 | Berlin | Zeichen und Wunder

Backjumps Live Issue 2


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


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(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)



Phatter Andrang gestern abend bei der Eröffnung von Backjumps – The Live Issue 2 im Kreuzberger Kunstraum Bethanien. Nach dem viel beachteten Auftakt 2003 hat Backjumps-Herausgeber Adrian Nabi erneut die arrivierte und weniger arrivierte internationale Street-Art-Szene nach Berlin gelockt, Sponsoren, Dosen und legale Wände beschafft. Mit Erfolg: Im Rondell vor dem Bethanien ist eine wildwüchsige "City of Names" im Favela-Chique errichtet, die im labyrinthischen Inneren an Schwitters Merzbau erinnert. Auch die dreidimensionalen Typografien im Gang zur Gallerie spielen auf die Kunstgeschichte, Unterabteilung: Konstruktivismus an. Im Vergleich zum ersten Event fällt generell eine Hinwendung zur museumskompatiblen Hochkunst auf, einiges wirkt fast schon ein wenig artsy, was vielleicht unvermeidlich ist, wenn Street-Art ins Museum wandert. Der Crossover erstreckt sich diesmal auch auf die Happening-Kunst, wie der schlecht rappende Maskenmann auf dem Foto beweist. Für Aufregung sorgten ferner zwei hassmaskierte Brasilianer (nicht im Bild), die in einer holzvertäfelten Box randalieren. Hinterher roch es überall nach Farbe, wie sich das gehört. Ein Hauch von Rebellion. Die eigentliche Ausstellung findet aber ohnehin dezentral und ein wenig versteckt im gesamten Stadtgebiet statt, ein für 3 Euro erhältlicher Stadtplan weist den Weg zu den einzelnen Arbeiten.


19.08.2005 | 11:45 | Berlin | Alles wird schlechter

Public Private Prostitution


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


Neues von der Front "Privatisierung des öffentlichen Raumes": Im Zuge der Neuordnung der Strassennamen um den Alexanderplatz herum (die durchaus geboten erscheint, firmiert doch ein gesamter Innenstadtbereich derzeit noch unter der Adresse "Am Alexanderplatz") haben die Investoren des komplett überflüssigen, nichtsdestoweniger massiv im Entstehen begriffenen Shopping- und Erlebniscenters "Alexa" entlang der S-Bahn zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke harsch interveniert und erwirkt, dass das Strassenstück vor dem Koloss umbenannt wird in "An der Alexa". Joachim Zeller, CDU-Bürgermeister von Mitte, räumt gegenüber der Berliner Zeitung ein, dass der unsäglich beknackte Name durchaus "eine kleine Anerkennung für deren Bemühungen in der Stadt" darstelle.

Das gibt uns Gelegenheit, an Harry Rowohlts radikal-genialen Vorschlag in der Debatte zu erinnern, ob zum Gefallen des Springer-Konzerns die Kreuzberger "Lindenstrasse" in "Axel-Springer-Strasse" umgetauft werden dürfe: man solle doch gleich Nägeln mit Köpfen machen und "Unter den Linden" in "Unter den Axeln" umbenennen. Obschon unberücksichtigt, kommt dieses Szenario dem aktuellen Casus schon recht nahe, sowohl was die Unappetitlichkeit des Namens, als auch die des gesamten Procederes anbetrifft.


17.08.2005 | 19:47 | Anderswo | Alles wird besser

Claim des Jahres I: Toyota Prius

Vielleicht spricht es ja für die Angelsachsen, dass sie in ihrem Sprachschatz über ein Wort wie "sophisticated" verfügen, für das es im Deutschen keine adäquate Entsprechung gibt. Vielleicht prägt die schiere Existenz eines solchen Wortes ja das Bewusstsein bis tief in die Waren- und Werbekultur hinein. Vielleicht sorgt es dafür, dass die Amis doch noch zu Bewusstsein gelangen und ihre SUVs eintauschen gegen so hervorragende Fahrzeuge wie den hybridangetriebenen Toyota Prius, der zumindest in Kalifornien längst ein echter Verkaufserfolg ist. (Vielleicht liegt das aber auch wiederum am raffinierten Promi-Marketing, das reihenweise Hollywood-Stars dazu bringt, in dem Auto herumzukurven.) Die Anwartschaft für den Claim des Jahres hält jedenfalls der ebenso magisch-schillernde wie logisch vertrackte aktuelle Prius-Claim von der US-Website, der gleichermaßen auch für die Riesenmaschine stehen könnte:

(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


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