Gebbisch dir korräkt 5 Jahr Garantie. Keine Thema, ichschwöre. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Tatsächlich wenig läge uns ferner, als uns über originelle orthographische oder grammatikalische Neuschöpfungen innerhalb der deutschen Sprache zu mokieren. Mögen doch senile Sprachverweser in ihren Professorenzimmern und Redaktionsstuben geifernd das BinnenInitial verteufeln und auf ihren zerfledderten Wahrig pochend wilde Flüche ausstossen gegen jeden, der es wagt, sich an ihrem heiligen Amtshochdeutsch zu versündigen. Auch würden wir schon aus schierem Lokalpatriotismus niemals Askania, der einzigen Uhrenmanufaktur in Berlin, in den Rücken fallen. Handelt es sich dabei doch um eine der wenigen hiesigen Institutionen, wo überhaupt noch mit ehrlicher Hände Arbeit Werte geschaffen werden (anstatt mittels staatlicher Transferleistungen oder sogenannter "Kreativität" ein parasitäres Dasein zu fristen). Und der tümelige Slogan, mit dem derzeit auf Citylight-Plakaten geworben wird, "Macht nicht arm, aber sexy", ist ja auch gar nicht so misslungen, selbst das Komma sitzt richtig. Aber "5 Jahr Garantie" – das ist dann doch zu viel Lokalkolorit für unsere Pidgindeutsch-geprüften Nerven. Zumal es sich bei dem beworbenen Modell um den Chronographen "Tempelhof" handelt; bei "Kreuzberg", "Neukölln" oder "Wedding" hätten wir vermutlich noch nicht einmal etwas gesagt.
Glimmender Fortschritt (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Nach elektronischen Lichterketten für den künstlichen Weihnachtsbaum und Roboterrobben in Altenheimen war es bei Kerzenlicht besehen nur eine Frage der Zeit, bis die Automatisierung das Teelicht erreicht. Für den Primärzweck der Tee-Warmhaltung im Stövchen zwar nicht geeignet, erfüllt das künstliche Teelicht mit LED doch den mittlerweile dominanten Sekundärnutzen der heimelige Ambient-Beleuchtung umso tadelloser – Flackern inklusive. Der Wirt der Yes-Bar, wo dieses erste Exemplar in freier Wildbahn gesichtet wurde, musste sie noch aus Griechenland importieren. Seit dem 5. Dezember sind sie aber auch bei uns über Amazon bestellbar. Update: In der Yes-Bar hingegen sind sie mittlerweile schon wieder verschwunden und gegen analoge Teelichte ausgetauscht. Diejenigen, die nicht von selbst kaputt gegangen sind, wurden geklaut. Das nennt man wohl Fortschrittsdialektik.
Zweifel an der Cremigkeit werden im Keim erstickt (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Handelsmarken sind den "echten" Konsumgüter-Markenartiklern dicht auf den Fersen, wie das Marktforschungsinstitut Seissmo bereits 2005 herausgefunden hat, indem es gelbe Säcke aufgeschnitten und im Müll von Privathaushalten herumgewühlt hat (PPT-Download). Auch ins Segment der Blauschimmelkäse hagelt es mächtig rein, seitdem die Haus- und Handelsmarken sich den Markenartiklern in Produktsensorik und Verpackungsdesign immer weiter anverwandeln. Eine echten Befreiungsschlag hat deshalb jetzt der Altsasse und Platzhirsch Castello unternommen und die "Garantiert-Cremig-Wochen" ausgerufen, die noch bis zum Dezember andauern. "Sollten sie mit der Cremigkeit nicht zufrieden sein, schicken Sie einfach die geleerte Packung zusammen mit dem Originalkaufbeleg und einer kurzen Begründung ausreichend frankiert an die unten stehende Adresse," heisst es in der Verpackung. Zwar ist über den Erfolg der Aktion, der sich ja wohl in geringer Beteiligung niederschlüge, bislang nichts verlautet. Wir gehen aber von einem summasummarum positiven Verlauf aus, denn ganz ehrlich hatte ja im Vorfeld auch niemand jemals die Cremigkeit des Castello wirklich in Zweifel gezogen. Als wahrscheinlich darf ferner gelten, dass das Beispiel Nachahmer finden wird. Wir freuen uns auf die "Garantiert-Fettig-Wochen" bei Rama und die "Garantiert-Salzig-Wochen" bei Bad Reichenhaller.
Eine bewegliche Sache wird herrenlos, wenn der Eigentümer ... (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Man kann die Sprache nicht reglementieren und in ein Korsett zwingen, heisst es immer, ebenso wenig wie man den Wind einsperren oder einen Fluss begradigen kann. Aber spätestens beim Fluss zeigt sich, dass es eventuell doch gehen könnte, schliesslich wurde es schon gemacht, auch wenn der Fluss anschliessend häufiger über die Ufer tritt. Und es wäre ja nicht das erste Mal, dass Verwaltungsakte im politischen Überbau einen Wandel der Sprache an der gesellschaftlichen Basis nach sich ziehen. Verwiesen sei an dieser Stelle nur auf die Neuköllner Kopftuchmädels und -jungs, die als Berufsziel Hartz IV angeben (wobei es sich bei Licht besehen dabei doch wohl eher um ein hartnäckiges Hirngespinst gutbürgerlicher Journalisten handelt). Von daher ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der Vorschlag, den uns der Frankfurter Flughafen jetzt als sexy aufgepimpte Alternative für das profane "wegwerfen" (ugs. "in die Tonne kloppen") unterbreitet, seinen Weg in die Alltagssprache nimmt: "Ey, das Ding ist im Arsch, das kannst du voll Eigentumsaufgabe nach § 959 BGB!" Dochdoch, das hat was. Das hat Potenzial.
Es ist äusserst selten, dass auf dem Feld der Kultur jemandem eine wirklich genresprengende Basisinnovation gelingt – wie Brechts "V-Effekt" oder Michael Jacksons "Moonwalk". Dass auf dem jahrhundertelang ausgeforschten Feld der Fotografie noch einmal eine neue – noch dazu analoge – Technik unsere Wahrnehmung puzzelt und unsere Synapsen knirschend neu verdrahtet, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Kein Wunder von daher, dass der Finne Miklos Gaal mit seiner verblüffend simplen Methode, Szenerien wie Modellbaulandschaften aussehen zu lassen, binnen kurzem zum internationalen Star der Fotokunst aufgestiegen ist. (Nicht zu verwecheln mit dem Street-Artist Slinkachu.) Schon vor über zwei Jahren wiesen wir darauf hin, dass die "Tilt-Shift" genannte Methode auch im Amateursegment starken Zuspruch erfährt, spätestens, seit sie alternativ zur teuren Hardware auch mittels eines simplen Photoshop-Filters zu haben ist. Entsprechend durchwachsen sind allerdings auch oft die Resultate.
Nun ist der Effekt endgültig im Mainstream, genauer gesagt: bei der Deutschen Telekom angekommen, die ihn für ihre Kampagne "Millionen fangen an" in Spots und Anzeigenmotiven benutzt – um nicht zu sagen: ausschlachtet. Bis wir uns endgültig an belebten H0-Landschaften, Mini-Fussballstadien und Liliput-Strassenszenen sattgesehen haben, schnell noch ein paarandere Tilt-Shift-Videos.