Riesenmaschine

17.08.2005 | 10:25 | Vermutungen über die Welt

Elephantiasis Design


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Angelegentlich ihres 100. Geburtstages befragte die holländische Firma arco zwölf einheimische Designer, wie sie sich die Möbel der Zukunft vorstellten. Janneke Hooymans und Frank Tjepkema nahmen die extrapolierte Entwicklung der hypertrophen westlichen Konsumkultur zum Ausgangspunkt für ihren "XXLChair". Zum Glück haben sie sich keine Couchgarnitur vorgenommen. Gesehen bei Designboom.


15.08.2005 | 13:49 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Hypertrend Hygienia


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Die Freunde von Trendwatching.com haben sich für den Spätsommer etwas ganz Besonderes ausgedacht. Und zwar einen Trend, der fast alle von trendwatching.com bisher ausgerufenen Trends wie Massclusivity, Mass Class oder No Frills Chic überragt, überwölbt und in sich aufnehmen kann, wie Speers Ruhmeshalle des Deutschen Volkes den Kölner Dom und den Eiffelturm. Hygienia heißt das Ungetüm, das gleichzeitig ein leicht verunglücktes Wortspielungetüm ist (vermutlich irgendwie aus "Genie" und "Hygiene" zusammengesetzt, so ganz haben wir es aber nicht verstanden). Man muss sich etwas einlesen, um zu kapieren, worum es geht. In eigenen Worten wiedergegeben, bezeichnet Hygienia über alle Branchen und Preissegmente hinweg eine Art vorbildlicher Praxis, den elaborierten Konsumbedürfnissen einer medienschlauen globalen Konsumgesellschaft gerecht zu werden; so etwas wie einen superioren Hygienestandard in der Art und Weise, wie Produkte und Dienstleistungen konfektioniert, gebündelt und in Geschäften präsentiert werden – eine Metaphysik des "Alles-richtig-Machens", quasi. Es sei schwer, den Finger darauf zu legen, aber man bemerke intuitiv im Augenblick, da man das Geschäft eines Hygienia-Anbieters betritt oder mit seinem Produkt in Berührung kommt, dass es sich dabei um ein solches handelt. Gerade wenn man sich vor Augen führe, wie dasselbe Geschäft oder Produkt noch vor zehn, fünfzehn Jahren ausgesehen habe ... "Worauf das letztlich alles hinausläuft", resümieren die Autoren, "ist kreative Zerstörung". Damit drängt sich uns nun allerdings stark intuitiv auf, das ganze mit Joseph Schumpeter zu fassen und als "Fortschritt" ins Deutsche zu übertragen. FORTSCHRITT! Ein schöner neuer Trend, dem wir uns gern anschließen, und den wir bis auf weiteres im Auge behalten wollen.


12.08.2005 | 15:38 | Anderswo | Selbstversuche

Designhotels


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Während in Madrid mit dem Hotel Puerta América gerade die Mutter aller Designhotels eröffnet hat, nachdem sich in den unterschiedlichen Bauabschnitten und Etagen Sir Norman Foster, Zaha Hadid, Marc Newson, Ron Arad, Jean Nouvel und wer sonst noch so dazugehört die platinierten Klinken und fraktalen Wasserhähne in die Hand gegeben haben (vielleicht hätten sie auch mal jemand Zurechnungsfähigen an die Website lassen sollen), entsteht am anderen Ende Europas, im norwegischen Nesna, quasi ein extrem runtergedubter Gegenentwurf. Der Künstler Carsten Höller hat im Rahmen des Land Art-Projekts "Art in Nordland" mit
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Hotel Room ein nur aus einem kristallinen Raum bestehendes Hotel konzipiert, das inmitten eines Sees nur über einen Steg zu erreichen ist. Die halbdurchsichtige Skulptur wird mit allen Features eines Hotelzimmers ausgestattet sein, und das Nesna Vacation Centre hat bereits Interesse an der Bewirtschaftung angemeldet. Und wir hiermit Interesse an der Belegung im Mai 2006.


12.08.2005 | 14:10 | Sachen kaufen | Papierrascheln

Gamble-Pricing


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Professionelles Glücksspiel bleibt in Deutschland zwar auch weiterhin verboten, als Komponente der Preisgestaltung hat es die Taz jetzt aber in ihre Abo-Konditionen eingeschummelt. Wer sich für das Taz-Neuwahl-Abo entscheidet, erhält bis zum Wahltermin am 18. September die Taz zum Einheitspreis von 50 Euro. Danach verlängert sich das Abo automatisch für ein Jahr, entweder als "schwarzes", "Koalitions-" oder "Wunder-Abo". Der Preis richtet sich dann nach dem Wahlausgang und der anschließenden Regierungskoalition. Sollte der Fall eintreten, und Rot-Grün weiterregieren, beträgt er sage und schreibe 0 Euro, was darauf hindeutet, dass die Taz dieser Konstellation eher geringe Chancen einräumt. Bislang kannten wir diese Gambling-Komponente beim Pricing nur von der Schülerdisco im Jugendclub, wo der Eintrittspreis an der Kasse ausgewürfelt wurde. Dabei liegt das innovative Potential für einen verschnarchten strategischen Sektor auf der Hand, wo Yield-Management bislang als der Weisheit letzter Schluss galt. Ein Supermarktpreis für ein Kilo Kassler, der sich nach der Wettervorhersage richtet; Bierpreise in der Kneipe, die von den Bundesligaergebnissen abhängen – her damit!


11.08.2005 | 14:56 | Sachen anziehen | Vermutungen über die Welt

Godot Trends II: Wearables


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Ähnlich wie das elektronische Papier gehören die sogenannten "Wearables" zu jener Sorte Godot-Trends, die wie untote Zombies seit Jahren von der Industrie versprochen dazu verdammt sind, im ewigen Konzeptstudien- oder Prototypstadium zu verharren, ohne jemals das Licht der Marktreife zu erblicken. Die annoncierte Verschmelzung von Textilien und Technik zu sogenannter "intelligenter Kleidung" gehört zu den hartnäckigsten Desideraten der Trendforschung und ist – wie ihr Siamesischer Zwilling, das "intelligente Haus" – bislang auch durch den triftigen Einwand nicht tot zu kriegen gewesen, dass beiderlei Gattungen ja doch unterschiedliche Verwendungsmuster, Lebensdauern und Anfälligkeiten aufweisen und letzlich mit einer mutwilligen Verschmelzung nicht das Allermeiste gewonnen wäre.
Anfang August traf sich erneut ein Grüppchen Unverzagter zur alljährlichen "Cyberfashion"-Show Siggraph in Los Angeles. Neben durchaus pragmatischen Ideen wie jener Handtasche des MIT, die einen davor bewahrt, ohne Schlüssel das Haus zu verlassen, gab es auch an der "Wearable"-Front mal wieder allerlei Abwegiges zu besichtigen. Am verstiegendsten dabei erwartungsgemäß die Japaner, sprich, das Advanced Institute of Wearable Environmental Information Networks (WIN). Unter dem Label "Aware Wear" wurde neben einem Exoskelett für Kleinkinder, das es diesen ermöglichen soll, ihre Gefühle gegenüber den Eltern auszudrücken (ging vorher nicht), und einem tragbaren Fitnesscenter, mit "Report Wear" ein Outfit für die großstadtnomadische Reporterin angedroht und wohl auch vorgestellt, zu dem unter anderem ein mit zehn Kameras ausgestatter Trenchcoat zählt. Im "reich Swarowski-verzierten" Display laufen die Bilder zusammen und werden per WLAN auf einen Server gebeamt ... Und wer soll das dann alles anschauen? Die selben Leute vermutlich, die sich Modeschauen für "Wearables" und "Cyberfashion" antun.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Textile Displays


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