Riesenmaschine

15.03.2006 | 05:43 | Anderswo | Fakten und Figuren

Minstrel 2006


Minstrel, früher (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Minstrel nennt sich eine eigentümliche und zutiefst rassistische Kulturform, die im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert vor allem in den USA sehr populär war. Dabei schminkten sich Weisse im Blackface-Stil als Schwarze und boten Tanz-, Musik- und Varietéeinlagen, natürlich unter Zuhilfnahme aller verfügbaren Nigger-Klischees. Das positivste an Minstrels war noch, dass sie erstmals auch schwarzen Künstlern Auftritte ermöglichten, sofern diese bereit waren, sich ebenfalls im Blackface-Stil zu verkleiden.

Der Einfluss der Minstrels auf die US-amerikanische Populärkultur ist enorm: Namhafte Entertainer wie Al Jolson, Bing Crosby oder Bob Hope performten im Blackface-Stil. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die BBC mit The Black and White Minstrel Show noch 20 Jahre lang hohe Quoten und gewann 1961 die Goldene Rose von Montreux. Es gibt natürlich auch kritische Referenzen: Spike Lee erzählt in der Mediensatire Bamboozled (2000) vom schwarzen Mitarbeiter eines TV-Senders, der seinem weissen Chef ein Minstrel-Show-Konzept vorlegt, um den eigenen Rausschmiss zu provozieren und mit ansehen muss, wie das Konzept umgesetzt wird und auch noch höchst erfolgreich ist. Und im Video zu Public Enemies Burn Hollywood Burn von 1990 sieht man Ice Cube und Chuck D Minstrels gucken, woraufhin die beiden das dazugehörige Kino anzünden.

Ebenjener Ice Cube ist nun Co-Produzent der Reality-Show Black. White., die seit 8. März auf dem US-amerikanischen Fox-Ableger FX Networks läuft. Auch hier werden weisse Menschen zu Unterhaltungszwecken schwarz geschminkt, dieses Mal allerdings im Rahmen einer Art politisch korrekten Sozialstudie: In sechs Folgen tauschen eine schwarze und eine weisse Familie die Hautfarbe, um zu erfahren, wie sich der Alltag und die Behandlung durch andere Menschen dadurch verändert. Ob das Konzept Erfolg hat und vielleicht, in welcher Form auch immer, sogar nach Deutschland kommt, wird sich zeigen. Die Leistung der Maskenbildner ist aber auf jeden Fall schon mal ziemlich beeindruckend (wie diese Vorher-Nachher-Galerie zeigt.


Kommentar #1 von Michael:


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Noch was am Rande: Zu den ersten 150 Pokémon zählte auch Rougela, die stark an die Blackface-Karikaturen erinnert. Nach Protesten aus den USA bekam Rougela in späteren Editionen eine andere Hautfarbe.

15.03.2006 | 12:23

Kommentar #2 von irgendwem:

"...vom schwarzen Mitarbeiter eines TV-Senders, der seinem weissen Chef ein Minstrel-Show-Konzept vorlegt, um den eigenen Rausschmiss zu provozieren und mit ansehen muss, wie das Konzept umgesetzt wird und auch noch höchst erfolgreich ist."
was macht eigentlich chappelle von der chappelle-show?

16.03.2006 | 16:55

Kommentar schreiben

Name:

Vorgefertigte Meinungsangebote:
"Ihr wärt früher Befürworter der Inquisition gewesen."
"Wenn du Gulaschsuppe kochst und schüttest die Gulaschsuppe in den Abtritt, nimmst den gleichen Topf und kochst darin Erbsensuppe, dann kannst du die Erbsensuppe auch nicht als Gulaschsuppe verkaufen, nur weil du sie in einem Topf zubereitet hast in welchem du vorher Gulaschsuppe gekocht hast. Ferner spreche ich den Verantwortlichen von Riesenmaschine.org keinerlei Intelligenz zu, und das hier auch die letzten beiden Alben von Grishfuck totgeschwiegen wurden beruht wohl kaum auf der Tatsache daß diese Alben früher unter dem Namen "Burzum" erschienen sind."
"Ist Tex Rubinowitz jetzt endgültig aus der Maschine ausgestiegen?"

Eigene Meinung:

HTML geht aus Sicherheitsgründen gar nicht.
Links werden aus Spamgründen nicht automatisch in anklickbare Links umgewandelt.
Fett geht [b]so[/b], kursiv [i]so[/i] und durchgestrichen [strike]so[/strike].

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Baby Puder (auf der Tanzfläche)

- grundlose Philantropie

- Stahlgewitter

- Fußpflegerlehre beginnen (mit 34)

*  SO NICHT:

- Schweizermesser mit null Werkzeugen

- Totschlagargument Ellipse

- Kranzgeld fordern (überholt)

- Plüschgewitter


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Rhinoceros Eyes", Aaron Woodley (2003)

Plus: 8, 10, 25, 34, 44, 55
Minus: 18, 32, 39, 109
Gesamt: 2 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV