Riesenmaschine

05.07.2006 | 09:50 | Vermutungen über die Welt

Assoziationskettenmassaker: Pimp my Scholastik


von innen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

von aussen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

und überhaupt nicht beseelt (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Bei dem Versuch, plastische Chirurgie abzulehnen, begibt man sich auf schwieriges Gelände. Eine klare Abgrenzung zu Kosmetik und Hygiene ist praktisch unmöglich. Der graduelle Unterschied zwischen Lippenstift, Zahnspange, Ohren anlegen, Fett absaugen und Brust vergrössern ist so schwer auszumachen, wie sich die Frage beantworten lässt, wer alles eine unsterbliche Seele hat. Auch hier kämpfte die Scholastik vergebens. Wenn der Mensch eine unsterbliche Seele hat, warum nicht auch der doch ganz bauplanähnliche Affe? Im Sinne der Evolution ist da kein Unterschied zu erkennen. Auch niedliche Hunde und Pferde würde man in diesem Fall nicht ausnehmen dürfen. Doch leider gilt fürs Tierreich: je kleiner, desto hmpf. Der Hamster geht vielleicht noch hin ("oooch, guck mal, wie der schaut!"), die Springmaus und das Hörnchen. Was aber ist mit Stichling oder Stubenfliege? Warum fällt uns die Vorstellung, Assel, Regenwurm und Wanze hätten eine unsterbliche Seele, so schwer? Und zuletzt: das Bakterium. Biologisch gesehen existiert keine klare Trennlinie. Und selbst wenn man dem Bakterium die unsterbliche Seele geben möchte, weil man sie dem Affen nicht verweigern wollte, sollte dann nicht auch das Virus eingemeindet werden, das Eiweiss und das Prion? Denn interessant: Objektiv betrachtet sind die Prionen der Unsterblichkeit tatsächlich am nähesten. Insofern klares Ja zur Silikonbrust.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Assoziationskettenmassaker


Kommentar #1 von CFB:

Die gleichen Probleme gibt es wohl in der Elektrotechnik auch. Da wird dem einen Kabel eine
Seele zugestanden, dem anderen wieder nicht. Die mit Seele reagieren auf äussere Einflüsse wohl auch weniger, wenn nicht sogar gar nicht.
Der Mensch hingegen lässt sich ja ganz gerne mal beeinflussen; hat er also dann etwa doch keine?
Und wenn die Prionen objektiv betrachtet der Unsterblichkeit am nähesten sind, würden gerade die doch von einer unsterblichen Seele am wenigsten profitieren.

05.07.2006 | 12:02

Kommentar #2 von einem geneigten Leser:

Ein sehr schöner Artikel zum Thema Unsterblichkeit. Leider kann ich den Bezug zur Überschrift "Assoziationskettenmassaker" nicht so recht erkennen. So handelte es sich hier doch um eine Kette von maximal zwei Gliedern: Plastische Chirurgie -> Seele.
Weiter üben.

05.07.2006 | 12:38

Kommentar #3 von irgendwem:

Bestimmte Spezialdrahtseile haben, wie ich niemals müde werde zu predigen, Seelen aus silikonähnlichem Material,naja, zumindest aus Kunststoff. Das macht sie flexibler, stabiler und darum länger haltbar, also insgesamt besser (ist ja auch beim Menschen so,siehe Mutter Teresa). Kriegten wir deiesen Silikonseelentrick in Serie, könnten wir einander mächtig gute Seelen implantieren und – schwupps pardauz – die Welt wäre nicht nur ein Ort von beachtlicher Auslage sondern auch voller Suppenküchen. Andererseits spielte solchermassen erhöhte seelische Biegsamkeit vielleicht auch nur die Hauptrolle in einer Reihe neoliberaler Effizienzpornos, man weiss es nicht genau. So oder so ist es ganz einfach: In ein Bakterium passt einfach die Seele nicht hinein, weil sie mindestens so gross (und übrigens auch so krümelig) ist wie ein Berliner, nicht Kennedy jetzt sondern das Gebäck mit der Füllung. Weshalb auch in der Pferdebremse und im Yorkshire Terrier recht wenig Seele ist, im Orang Utan aber mehr und in Otfried Fischer – da staunt man nicht schlecht – am meisten.

05.07.2006 | 12:41

Kommentar #4 von E. A. Doelle:

Eckhard Henscheid hat das Seele-bei-Tieren-Thema sehr umfassend erörtert in: "Welche Tiere und warum das Himmelreich erlangen können. Neue theologische Studien". Ganz schlecht sieht es demnach für den Nacktmull aus...

05.07.2006 | 13:47

Kommentar #5 von irgendwem:

Viel brennender scheint mir die Frage: wohin mit all den unsterblichen Seelen? Alleine die unsterblichen Seelen aller Eintagsfliegen seit Anbeginn der Welt würden nicht nur das Universum aus den Nähten platzen lassen, sondern auch die sämtlicher Parallelwelten – und das auch noch bis in alle Ewigkeit. Von dieser Warte aus betrachtet scheint mir der Fokus auf die Seele des Menschen als einzig solide Lösung. Pech gehabt, Fliegen und anderes Geschmeiss.

05.07.2006 | 14:33

Kommentar #6 von 54807493:

neinnein, irgendwer: sie zirkulieren doch, die unsterblichen Seelen. Es entstehen eigentlich keine neuen.

06.07.2006 | 08:11

Kommentar #7 von tanja:

Sublim verlorene Körper:
http://www.awfulplasticsurgery.com/

06.07.2006 | 14:14

Kommentar #8 von irgendwem:

Ist ja eigentlich kein Problem, das mit den Seelen: Die Spezies, die es schafft, sich darüber Gedanken zu machen, die hat auch eine. Die anderen nicht.

06.07.2006 | 15:46

Kommentar #9 von einem Scholastiker:

Die Scholastik lehrt mit grosser Einigkeit: Anima humana non oritur neque per emanationem a substantia divina, neque per generationem a parentibus, sed per creationem a Deo. Anima humana et corpus uniuntur ad constituendam unam naturam ed unam substantiam, anima est forma substantialis corporis, ita quidem, ut sit actus eius substantialis simpliciter primus (Iosephus Gredt: Elementa Philosophiae Aristotelico-Thomisticae, Editio Nona, Thesis XLII-XLVII).
Biologische Argumente sind hier eine ignoratio elenchi.

07.07.2006 | 10:58

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