Riesenmaschine

27.07.2007 | 18:37 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Die Freiheit des Drecks


Kaptialistische Freiheit, die ich meine (leicht abgewandelt nach Bolz) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die unbesiegbare Kraft des Kapitalismus liegt zweifellos darin, so irrsinnig viel Quatsch zu produzieren, dass sich jeder den Privatquatsch aussuchen kann, den er für überlebenswichtig hält. Durch Nachdenken wären frühere Gesellschaftstheoretiker vermutlich nie darauf gekommen, was auch daran liegt, dass Kapitalismus kein Konzept ist, sondern eben das populistische Fehlen eines Konzepts. Dabei liegt es im Wesen, dass Produkte nicht automatisch erfolgreich sind, sondern erst der Markt, diese hirnlose Schimäre bestehend aus Mund, Auge und Greifhand, entscheidet, ob er zugreift oder nicht. Insofern ist es im Sinne des herrschenden Gesellschaftssystems vollkommen korrekt, eine CD zu produzieren mit den 20 nervigsten Songs, denn vielleicht handelt es sich dabei um exakt das Produkt, auf das die vielen Menschen dort draussen gewartet haben, ohne es zu wissen. Und wenn wir dereinst unsere Kultur verteidigen werden müssen gegen die anrennende Schar aus Extremisten, dann weiss jeder von uns, wofür er sich ins Schlachtgetümmel stürzt, nämlich für die Freiheit. Die Freiheit, so bescheuert sein zu dürfen, die 20 nervigsten Songs zu kaufen.


Kommentar #1 von wiedehopf:

Interessant, dass der Markt in deinem Bild, obwohl es sich doch wohl um eine Audio-CD handelt, kein Ohr hat. Aber das deckt sich durchaus mit meinen Beobachtungen. Bzw. das Ohr ist nur insoweit vorhanden, dass das Fehlen von akkustischem Hintergrund (Stille also) offenbar grosses Unwohlsein auslöst und deshalb möglichst rasch behoben wird.

27.07.2007 | 21:09

Kommentar #2 von Brennpeter:

Natürlich kaufen nur zwei oder drei eingeschworene Masochisten oder "bescheuerte" Libertinäre die "20 nervigsten Songs" für den Eigenbedarf – als Geschenk für den/die Ex, als autorepetitive Nachtmusik (bei gleichzeitiger eigener Abwesenheit) für den "lieben" Nachbarn oder als Standardbeigabe im CD-Player des neuen Mercedes (wird erfahrungsgemäss nur in den seltensten Fällen ausgewechselt) findet das Produkt aber bedeutend mehr Absatz!
Stellt sich die eigentliche Frage: Wer kauft heutzutage überhaupt noch CDs?

27.07.2007 | 22:59

Kommentar #3 von Frau Ahorn:

Man stelle sich eine Vollmondnacht vor. Gut so. Man stelle sich weiter vor, plötzlich aufzuwachen und nicht sofort wieder einschlafen zu können. Fertig? Gut. Weiter also. Der Wein ist alle. Die Frau heute Nacht nicht da. Der Katerkopfschmerz nicht stark genug um einen vom Denken abzuhalten. So, alles schön vorgestellt? Prima. Und dann..., ja, dann gelingt einem seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder ein kompletter zusammenhängender Nachtgedanke, und dieser Gedanke sagt einem, dass man eigentlich ganz erschreckend dumm, borniert, materialistisch und meistens viel zu laut ist. Man stelle sich das einmal vor!
Für solch krisenhafte Momente sind derartige musikalische Produkte vermutlich erschaffen worden. Noch ehe man es in einer Nacht wie der eben gerade vorgestellten auch nur ansatzweise zu einem Denkprozess kommen lässt, der diesen Namen verdient: CD in die Anlage, Kopfhörer auf und schon lullt einen der gewohnte, mit brüllendem sinnfreien Lärm erfüllte Hohlraum in den Schlaf. Bravo! Da hat doch ein Produzent die Zeichen der Zeit erkannt.
Erschüttert
Frau Ahorn

28.07.2007 | 12:12

Kommentar #4 von Lanrue:

Ach, da hat RTL also seine Ideen her!

28.07.2007 | 17:33

Kommentar #5 von Frau Ahorn:

@Lanrue
Jepp! Und dann zahlen sie auch noch wahnsinnig schlecht.

29.07.2007 | 12:31

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