Riesenmaschine

28.06.2009 | 07:34 | Anderswo | Papierrascheln | In eigener Sache

Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine für Karl-Gustav Ruch


Preisträger Karl-Gustav Ruch
Foto: Angela Leinen
Anderthalb Jahre hatten Autoren und 3sat-Autorenporträt-Teams Zeit, sich mit den öffentlich einsehbaren Kriterien der Automatischen Literaturkritik auseinanderzusetzen. Anderthalb Jahre, in denen offenbar vor allem darüber nachgedacht wurde, wie sich die Minuspunkte der Liste möglichst zahlreich abarbeiten lassen – an sich ein ehrenwertes Verfahren, vergleichbar etwa mit Josef Škvoreckýs "Sins for Father Knox", in dem der Autor mutwillig gegen die zehn von Ronald Knox aufgestellten Regeln für einen fairen Kriminalroman verstösst.

So konnte allein der Minuspunkt "Spiegel, Spiegelungen. Zwei Punkte für zerbrochene Spiegel, Brillengläser etc. (im Text oder im Porträt)" sechs Mal vergeben werden, davon einmal doppelt. Gleichauf lag Minuspunkt 93, "Paarbeziehungsthematik", dicht gefolgt vom fünf Mal fälligen Punkt 95, "Eltern-Kind-Thematik". Der Alison-Bechdel-Pluspunkt ("1. Zwei oder mehr Frauen, die 2. miteinander reden und zwar 3. nicht über einen Mann.") blieb – wie übrigens auch seit Jahren in der Automatischen Filmkritik der Riesenmaschine – ungenutzt.

Aber der Automatische Literaturkritik Preis wird nicht für sportliche Fingerübungen im Ansammeln von Minuspunkten vergeben, auch wenn Wolfgang Herrndorf vorschlug, 2010 vorzeichenunabhängig den höchsten absoluten Punktwert zu prämieren. Der mit 500 Euro und einer schönen Urkunde dotierte Preis geht daher um 10:45 an Karl-Gustav Ruch für seine Erzählung "Hinter der Wand", die mit zwei Pluspunkten den Bewerb für sich entschied. Gegen dieses Ergebnis ist umso weniger einzuwenden, als Ruch einer von nur zwei Autoren ist, die durch Erwähnung von Nagetieren den begehrten Pluspunkt 36 erlangen konnten. Zu Ehren des Autors ergänzt die Redaktion den Kriterienkatalog für 2010 um einen Karl-Gustav-Ruch-Pluspunkt für uncoole Einrichtungsgegenstände im Autorenporträt (hier: Hometrainer).

Knapp abgeschlagen hinter Ruch liegt Ralf Bönt mit 1 Punkt, gefolgt von Caterina Satanik, Andreas Schäfer, Lorenz Langenegger, Karsten Krampitz und Bruno Preisendörfer (je 0 Punkte). Alle Texte sind unter bachmannpreis.eu nachzulesen. Herzlichen Glückwunsch, Karl-Gustav Ruch!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine für Tilman Rammstedt


Kommentar #1 von Kathrin:

Nachtrag: Anders als im letzten Jahr gingen Jurymeinung und Literaturkritikautomatenmeinung auseinander.
Karl-Gustav Ruch: TDDL: Gar kein Preis / RM: Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine
Jens Petersen: TDDL: 1. Platz (Bachmannpreis) / RM: -1 Punkt
Ralf Bönt: TDDL: 2. Platz (3sat-Preis) / RM: 1 Punkt
Gregor Sander: TDDL: 3. Platz (Kelag-Preis) / RM: -5 Punkte
Katharina Born: TDDL: 4. Platz (Ernst-Willner-Preis) / RM: -11 Punkte
Karsten Krampitz: TDDL: Publikumspreis / RM: 0 Punkte

28.06.2009 | 11:32

Kommentar #2 von Spait:

Was wäre eigentlich bei Punktegleichstand geschehen, und was uneigentlich?

28.06.2009 | 14:16

Kommentar #3 von irgendwem:

Ein schönes Bild.

28.06.2009 | 14:40

Kommentar #4 von Sopran:

@spait Dann hätten wir noch länger gerechnet. Oder ein Stechen veranstaltet. Oder geteilt.

28.06.2009 | 16:08

Kommentar #5 von irgendwem:

Selten ein Foto gesehen, wo beide Parteien so glücklich wirken.

29.06.2009 | 03:17

Kommentar #6 von Fritz Brett:

Sehr schön. Immer drauf auf die verschmockten Poeten, die stilistisch noch nicht mal bei Arno Schmidt angekommen sind. Die wollen Schaum schlagen und können nicht mal Buletten braten. Das deutsche Sprachgebiet ist ja Exportweltmeister für Schmockerei-Produkte, speziell Österreich neigt zu erhabenen Sonderbarkeiten. Wäre schön, wenn zur Buchmesse eine Aktualisierung erschiene, in der die aktuellen Kritiker-Hits (messbar per qcm Kritik pro Buch) bewertet würden. Liesse sich das eventuell einrichten? Und liesse sich es sich eventuell bewerkstelligen, einen entsprechend automatisierten Kritikerpreis zu vergeben? Tja, ich weiss, als wenn man sonst nichts zu tun hätte ... eventuell im 5-Jahresrhythmus, würde ja reichen ...

29.06.2009 | 14:39

Kommentar #7 von irgendwem:

Eitle Trinkpausen sollten natürlich weiterhin verboten bleiben, dafür das nervöse Wasserverschütten, bzw. Gegenstände runterschmeissen, ausdrücklich erlaubt werden. Meine Meinung.

02.07.2009 | 04:50

Kommentar #8 von jens:

Warum gibt es 65 Pluspunkte, aber fast doppelt so viele Minuspunkte? Ist es leichter, etwas falsch zu machen? Warum wird das Richtige dann aber nicht höher bewertet? Müsste es nicht eine gleichmässige Verteilung von Plus- und Minuspunkten geben?
Warum ist linear gut, nonliniear schlecht?
Ist es nicht auch ein Minuspunkt, wenn man schon mal am Bachmannpreis teilgenommen und etwas gewonnen hat und dann noch einmal antritt, weil man noch mehr gewinnen will? (s. Open Mike Teilnahme, s. Bönt.)

03.07.2009 | 14:58

Kommentar #9 von 9001:

Ich will den Preis mal sehen. Und das Bild von Kathrin grösser!

03.07.2009 | 16:27

Kommentar #10 von Kathrin:

Es gibt mehr Minuspunkte als Pluspunkte, weil alle schlechten Texte einander gleichen, jeder gute Text aber auf seine eigene Weise gut ist. (Tolstoi) Das Schlechte ist daher leichter vom Literaturkritikautomaten zu erfassen. Und die Abwesenheit des Schlechten ist zwar noch nicht automatisch das Gute, aber doch dessen Voraussetzung.

03.07.2009 | 17:02

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"Drum Bun", Robert Ralston (2004)

Plus: 31, 41, 80
Minus: 1, 8, 13, 126, 127
Gesamt: -2 Punkte


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