Riesenmaschine

14.09.2005 | 13:06 | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Langnese Familienblock


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wo sonst die werbetreibende Industrie kein noch so schales Wortspiel auslässt, wurde hier seitens der Stadionbetreiber und ihrer Kooperationspartner weit, aber nicht weit genug gedacht. Die abgebildete Bandenwerbung zwingt uns förmlich die Vorstellung hunderter aufgebrachter Eltern auf, die in den Supermärkten des Landes stehen und den neuen Langnese Familienblock erwerben möchten, "am besten Vanille". Die Lehre daraus: Wenn man schon in große Buchstaben investiert, dann doch sinnvollerweise in solche, die etwas bedeuten, bzw. in diesem Fall auch zu kaufen sind (wir erinnern an dieser Stelle an den ursprünglichen Zweck von Werbung). Kostenlos und ohne Hintergedanken winken wir daher mit dem Riesenzaunpfahl unverbindlich in Richtung der sich geradezu aufdrängenden Kooperationen mit "Ambre Solaire Sunblock", "Zwilling Messerblock", "Asics Gel Block" und "Varta 9-Volt-Block". Freikarten werden jederzeit gern entgegengenommen.


14.09.2005 | 12:54 | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

VWUSB & MBPCMCIA


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Eine der ohrenfälligsten Veränderungen des Sprachgebrauchs ist die seit etwa 20 Jahren fast exponentiell ansteigende Flut der Akronyme und Abkürzungen. Schon längst gibt es Abkürzungen, die ihrerseits Abkürzungen beherbergen, etwa DDR, das in seiner Siebtbedeutung DASD Dump and Restore heisst, wobei DASD für Direct Access Storage Device steht. Zwei der großen Treiber der Abbreviaturwelle waren bisher die Autoindustrie mit ihren Klassikern von ABS bis ASR und natürlich die Elektronikkonzerne, die neue Abkürzungen im Wochenrhythmus auf den Markt rotzen. In einer neuen, aber erwartbaren Entwicklung wachsen diese beiden Abkürzungsmonster zusammen. Die neue S-Klasse hat serienmäßig einen PCMCIA-Slot eingebaut; oben zu sehen ist eine Zusatzausstattung für mehrere neue VWs, nämlich ein USB-Anschluss in der MK (auch über Gizmodo). Der USB-Anschluss eröffnet dem Autobesitzer endlich die Möglichkeit, 12 Milliarden verschiedene Sitzpositionen mit jeweils verschiedenen Klimabedingungen abzuspeichern und stets mit sich herumzutragen. Falls das Auto geklaut wird, sind wenigstens nicht die Daten verloren! Abgesehen davon kann man wohl auch Musik drauf speichern. Was die beginnende Fusion der Abkürzungskolosse sprachlich bringen wird, ist noch nicht abzusehen. Auf jeden Fall aber wird eine Menge Arbeit auf die AAAAA zukommen, die American Association against Acronym Abuse.


13.09.2005 | 15:43 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Handelsmarkenmagie


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Handelsmarken, sogenannte Private Labels, sind eine faszinierende Sache voller metaphysischer Mucken: Zum einen sind sie komplett gesichts- und geschichtslos, ausgedacht und am Reißbrett entstanden – die letzte und nachrangigste Stufe in einem Prozess des Copy & Paste, der phantasielosen Imitation und Standardisierung von Produktionsabläufen. Zum anderen zehren sie vom Nimbus und der Magie etablierter Marken, versuchen durch phonetische Allusion und mimetische Anverwandlung einen Teil jenes Fluidums, das traditionsreiche Marken mittels Qualität, Sorgfalt und immensem Marketingaufwand aufgebaut haben, abzuzweigen und in die eigenen Kanäle zu lenken. Sie stehlen die Aura, um uns zu täuschen und von der charakterlosen Handelsware zum Desiderat für Ahnungslose und Unachtsame zu werden. Sie spiegeln uns unsere irrationale Anfälligkeit für Marken als Farce zurück. Selten jedoch gelingt das in so einem Geniestreich wie bei den "Cityhemden" mit "New Kent-Kragen" in "reiner Baumwolle", die zum "Jubelpreis" von 25 Euro im aktuellen Werbeflyer der "Galeria Kaufhof" feilgeboten werden – und zwar unter dem Label "ARMADA", dessen Anmutung uns an "ARMANI", dessen Typografie jedoch an "PRADA" gemahnt und das uns in dieser ingeniösen Kombination andächtig sprachlos macht.


13.09.2005 | 15:29 | Alles wird besser

Klingeltöne für Erwachsene


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Sich über Handyklingeltöne oder Handyklingeltonwerbung zu mokieren, ist mittlerweile so avantgardistisch wie die CDU scheisse zu finden oder zu Flugzeug Flieger zu sagen. Daraus folgt, logisch, Handyklingeltöne runterladen is the new Handyklingeltöne verachten. Also schnell einen Trend aus dem Antitrend gemacht und die Seite mit den wahrscheinlich uncoolsten – und natürlich gerade deshalb so entzückenden – Klingeltönen dieser Welt angeklickt: Auf der Website der Deutschen Wildtierstiftung findet der geneigte Mittdreissiger Klingeltöne von nahezu manufactischer Qualität: zartes Grillengezirp (perfekt für die Weckfunktion), charmantes Spechtgeschrei und kerniges Rotwildgeröhr. Parallel dazu kann man schon einmal Familienplanung üben und einen Spechtbaum als Patenkind erwerben.


13.09.2005 | 15:06 | Alles wird schlechter | Fakten und Figuren

Umleiten und abkassieren


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dass man ohne Festnetzanschluss angenehmer (fast kein Telemarketing mehr) und billiger lebt, ist eine Einsicht, zu der in den letzten Jahren nicht wenige Haushalte gelangt sind. 2004 hatten in Italien und Frankreich jeweils 17% der Haushalte keinen Festnetzanschluss mehr, in Deutschland waren es zur selben Zeit in den Haushalten der Unter-25-Jährigen bereits 25%.

In Mordor der Privatkundenabteilung der T-Com werden daher neue Mittel und Wege getestet, die Kunden an der Abkehr vom Festnetz zu hindern. Ergebnis: Die "Switch&Profit"-Rufumleitung. "Mit Switch&Profit können Sie Anrufe, die vom T-Com-Festnetz auf Ihrem Handy eingehen (der Anrufer zahlt grundsätzlich den Preis für eine Verbindung ins Mobilnetz), bequem und kostenlos auf Ihr Festnetztelefon umleiten. Pro umgeleitete Gesprächsminute werden Ihnen dann auf Ihrer Telekom Rechnung 2,59 Cent gutgeschrieben ..."

Man kann nun einwenden, dass dabei niemandem geschadet, sondern lediglich manchen (der T-Com, dem Angerufenen) genützt wird. Trotzdem sind einer nichtrepräsentativen Kurzumfrage im Riesenmaschinenumfeld zufolge 100% der Befragten davon überzeugt, dass die Verantwortlichen sowohl für die Idee als auch ihren Untertitel "Umleiten und abkassieren" pfeilgrad in der Hölle landen werden. Es wird also wahrscheinlich der klassische Festnetzanschluss doch über kurz oder lang aussterben, was auch gut und richtig so ist. Nur so kann schließlich der mittelalterliche Irrglaube aus der Welt geschafft werden, es hätte irgendeinen Sinn, eine Wohnung anzurufen, wenn man einen Menschen sprechen möchte.


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