Riesenmaschine

29.09.2005 | 17:04 | Supertiere | Alles wird besser

Genom, Sprache, Perspektiven für die Jugend


Foto: mogun23 / Lizenz
Dass Drosophilae von Genforschern gerne mal jovial "Cheap Date" genannt werden, wenn sie keinen Alkohol vertragen oder "klaut bei Aldi" heissen, nur weil man ihnen das Portemonnaie weggezüchtet hat, ist ja nichts Neues. Dass allerdings mit dem Schwinden der ersten Euphorie für Biotech-Aktien auch die fortschrittliche Namensgebungstechnik schwer gelitten hat, bestätigt sich in einer in den Proceedings of the National Academy of Sciences publizierten Studie des Kennedy Krieger Institutes.

Schockiert erfahren wir darin, dass das dort untersuchte Haarlosigkeits-Gen einfach als "Hairless" bezeichnet wird. Und dass dies möglicherweise sogar sein Gutes hat. Denn wie Fotos belegen, konnte die Molekularbiologin Catherine C. Thompson in ihrer Studie durch den kombinierten Einsatz ausgesprochen fantasielos benannter Proteine ("Hairless", "Wise") kahle Mäuse ohne Umweg über Sozialarbeit und Pädagogengequatsche direkt vom Skinhead zum Hippie langweilen. Respekt!

Ira Struebel | Dauerhafter Link


28.09.2005 | 21:31 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Sie sind am Flughafen

"Sie sind am Flughafen", so steht es auf ansonsten weissen Plakaten am Flughafen Berlin-Tegel zu lesen. Der werbegestählte Leser erkennt: Hier konnte eine Werbefläche nicht vermietet werden. So wird sie stattdessen dazu genutzt, die Vorteile von Plakatwerbung – in diesem Fall: Kontextsensitive Ansprache des Verbrauchers – zu verdeutlichen. Studiert man das Kleingedruckte, stellt sich allerdings heraus, dass das Plakat für eine Organisation wirbt, die sich der Alzheimer-Krankheit widmet. Das wirft natürlich Fragen auf: Wenn es schon dem gesunden Betrachter nicht gelingt, dieses Plakat korrekt zu dekodieren, welche Schlüsse wird dann erst eine demente Zielgruppe daraus ziehen? Und macht das Plakat seinen Nutzen für Alzheimer-Patienten nicht womöglich durch den Schaden zunichte, den es bei Paranoikern ("Verdammt! Jetzt haben sie mich!") anrichtet? Es ist nicht immer einfach mit den Werbezielgruppen.

Eine Abbildung zu diesem Beitrag fehlt, da die Feldforscherin der Riesenmaschine zwar durchaus wusste, dass sie sich am Flughafen befand und sogar den Grund dafür erinnerte, jedoch vergass, das Plakat zu fotografieren.


28.09.2005 | 20:31 | Anderswo | Fakten und Figuren

Sport möglicherweise gesund

Wie der Wissenschaftsbüttel fürs Volk, Scientific American, neulich zu berichten wusste, verzeichneten die Notfallambulanzen rund um Boston in der Spielsaison 2004 um so weniger Notfälle, je besser die Red Sox spielten. Während der erfolgversprechendsten und demzufolge beliebtesten Spiele der Baseballmannschaft war die Zahl der Emergency Room-Konsultationen sogar um rund 15% niedriger, als aufgrund historischer Vergleichsdaten zu erwarten gewesen wäre.

Rechnet man das um beziehungsweise rüber beziehungsweise hoch auf Fussball und Deutschland, wird klar, wer 2006 das nationale Gesundheitssystem wirklich entlasten kann. Für den – selbstverständlich völlig unwahrscheinlichen – Fall, dass die deutsche Mannschaft schon im Halbfinale ausscheiden sollte, empfehlen wir jedenfalls für Herbst 2006 schon mal eine Beitragserhöhung ("Klinsmann XI") der Krankenkassen mit einzuplanen – oder doch zumindest einen Verbandskasten stets griffbereit zu halten.

Ira Struebel | Dauerhafter Link


28.09.2005 | 17:43 | Berlin | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

Sch(m)erzhaft

Bei Lesern, die unvorbereitet die Riesenmaschine aufgeschlagen haben und aus dem Nichts mit der sehr ekeligen Überschrift konfrontiert wurden, möchten wir uns entschuldigen. Das Klammerwortspiel aber ist Symbol für den Trend in Werbung und Medien, auch noch das schlechteste Wortspiel mitzunehmen. Selbst, wenn es überhaupt nicht passt. Es ist sowieso schon fragwürdig, ob eine stark fischorientierte Fast Food-Kette eine Kooperation mit einem Waffeleis unter dem Namensdach "2 Höhepunkte" eingehen sollte. Dann aber auch noch "fisch verliebt" dazuzuschreiben, ist nicht nur eine verbale Zumutung, sondern erklärt auch die schlechte Qualität des Fotos (Augenkrämpfe).

Das Deutschlandradio lässt von einem höheren Niveau aus ähnlichen Scheiss fallen: "Über Beuys. Über Girls. Überall." Man hört förmlich durch, wie in der Präsentation der Werbeagentur die Rede war von der "entertainy-intellektuellen Wirkung der Homophonie Beuys-Boys" und vom "Dreisprung, der das 'Über' fast antifreudianisch zur Vorsilbe degradiert". Dazu die "Brand Values Kultur (Beuys), Menschliches (Girls), empfangbar in ganz Deutschland (Überall)". Toll.

Der eigentliche Auslöser der sch(m)erzhaften Überschrift aber liegt in einer Gaststätte im Berliner Zoo und ist eine Serviette. Darauf steht "GastZoonomie", eine Wortspielstilblüte in voller Pracht, die wie der Ton einer 20 cm entfernten Schiffshupe auch dann noch wehtut, wenn die Ursache entfernt wurde. Schlimmer als alle schlechten Wortspiele selbst ist aber, dass ihre Verwendung notorischen Kulturpessimisten Material in Hülle und Fülle gibt, auf dass sie ihre weinerlichen Feuilletons zum Meckermekka (argh!) ausbauen können.


28.09.2005 | 11:02 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Jetzt geht's rund

Neues von der Front virtueller Welten. Bei LiveScience entdecken wir eine Kugel, die den Simulatormarkt mit voller Wucht ins Herz treffen dürfte. VirtuSphere ist eigentlich ein 360°-Hamsterrad, das sich in alle Richtungen drehen kann und so insbesondere Kampfsimulationen für die moderne Infanterie ermöglicht. In der üblichen Monitorbrille werden die üblichen Polygone auf übliche Art und Weise zu den üblichen Schlachtfeldern zusammengesetzt, auf denen der Soldat dann wie üblich umbringen üben kann. Die kriegswichtigen Anwendungen sind aber trotz der leichten Überpräsenz soldatischer Models auf der Website von VirtuSphere nicht die einzige Anwendung. Vielmehr ist geplant, auch in den Spielemarkt einzudringen, die stets zu allem E-Quatsch bereiten Fitness-Studios nicht zu vergessen und auch Museen mit virtuellen Ausstellungen zu versorgen, in denen man trotzdem rumlaufen muss. Wir wissen nicht, ob die VirtuSphere ausreichend gut funktioniert, da man uns trotz freundlicher Bitte kein Rezensionsexemplar zusandte. Wenn das aber der Fall ist, dann würde es sich um den ersten ernstzunehmenden Angriff auf das Holodeck-Monopol der Firma Star Trek handeln. Grundsätzlich gegen Monopole aller Art eingestellt, weil sie die Weiterentwicklung hemmen, wünschen wir dabei natürlich Glück.


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"Martyrs", Pascal Laugier (2008)

Plus: 3, 12, 24, 42, 45, 55, 72, 80, 89, 97, 102, 113, 117
Minus: 3, 134
Gesamt: 11 Punkte


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