Riesenmaschine

19.01.2006 | 19:04 | Berlin | Alles wird besser

Jodeldiplom für die Grille


Berlin im Sommer
Während andere Städte ameisengleich Vorräte für den Winter anlegen, aktive Standortpolitik betreiben, Industrie ansiedeln und "die Wirtschaft ankurbeln", verbringt man in Berlin den Sommer mit Grillen im Park. Nebenher denkt man sich die hundertste Variante der DJ-Tasche aus, schneidert, bedruckt und bestickt T-Shirts und Longsleeves oder eifert dem niedlichen Japan-Trash nach. Wenn der kalte Winter hereinbricht, behilft man sich mit originellen Filzmützen und -hüten. Von heute an darf Berlin offiziell und für die Dauer eines Jahres den Titel Hauptstadt des Designs tragen und ist damit neben Buenos Aires, Santa Fé und Popayan erste Deutsche Stadt im Creative Cities Network der UNESCO. Na, immerhin.


19.01.2006 | 11:00 | Was fehlt

Tiny Auseinandersetzung


Dialoge als Kulturtechnik haben sich bewährt
Für URLs, die zu lang sind, um sie beispielsweise problemlos mit der Mail zu verschicken, gibt es seit vielen Jahren den praktischen Service tinyurl, der aus sperrigen URLs kleine, handliche macht, und tippfaule Web-Nutzer können mit YubNub das Tippen von fast allem einsparen. Anders sieht es im zwischenmenschlichen Bereich aus: Wie oft sieht man sich hier mit schnell gemachten Vorwürfen konfrontiert, die in der vorhandenen Zeit kaum zu beantworten sind. Wir brauchen daher Abkürzungen für langwierige Argumentationen, etwa so:

1.
Mutter mit Kind: "Es ist ROT!"
Passant: "Egal*!"
* "Ich kann Ihr erzieherisches Konzept, Ihr Kind vor allen schädlichen Einflüssen schützen zu wollen, nicht gutheissen. Kinder sind daran gewöhnt, dass Erwachsene vieles tun, was sie selbst nicht dürfen. Da Sie nicht zeitlebens verhindern können, dass Ihr Kind schlechte Vorbilder zu sehen bekommt, wäre es doch sinnvoller, dem Kind einen vernünftigen Umgang damit beizubringen. Und überhaupt ist es in manchen Ländern gar nicht verboten, bei Rot über die Ampel zu gehen."

2.
Autofahrer: "Es ist ROT!"
Fahrradfahrer: "Aufsmaul*!"
* "Wenn ich nicht Ihretwegen hätte bremsen müssen, hätte ich die Strasse noch einwandfrei bei Grün überqueren können."

3.
Korrekter Herr: "Nehmen Sie doch bitte die Füsse von der Bank, das ist ja unhygienisch."
Nicht ganz so korrekter Herr: "Ach gar nicht*."
* "Bedenken Sie doch, lieber Herr, in einer ruhigen Minute den kategorischen Imperativ. Wollen wir lieber eine Welt, in der auch mal die Füsse auf die Bank gelegt werden, oder wollen wir eine Welt, in der erwachsene Menschen einander gegenseitig ungefragt zurechtweisen, weil ihnen irgendwas am anderen nicht passt? Na also."


18.01.2006 | 20:26 | Anderswo

imm cologne Workaround

Schade, eigentlich, dass wir aus logistischen Gründen nicht aus erster Hand von der derzeit laufenden Möbelmesse imm cologne in Köln berichten können, etwa über die wie von Spinnen auf Kaffee geflochten wirkenden Möbel von Konstantin Grcic für das Stylepark-Atrium. Als probate Alternative im Sinne der Teichoskopie oder, wenn man so will, Beobachtung 2. Ordnung empfehlen wir das Messeblog von Poloxygen, das quasi mit Liveberichterstattung aufwartet. Besonders gut gefällt uns übrigens dieser metaphorisch merkwürdige Sarg in Zäpfchenform von Uono.


18.01.2006 | 17:03 | Anderswo | Alles wird besser | Listen

Fastfremdwörter-Lexikon

Das Problem: Ein Österreicher im Freundeskreis. Die Lösung: Droppen. Das Problem: Eine Österreicherin im näheren bis sehr, sehr nahen Freundeskreis. Die Lösung: In unregelmässigen Abständen nicken und sagen "Eh klar". Das Problem: Längerer Aufenthalt in Österreich. Die Lösung bisher: Alkoholismus, Selbstmord, wenn das nicht half, Umzug in Regionen, die verständlicher mit Sprache umgehen (West-Zongo, Japan). Die Lösung in Zukunft: Ostarrichi.org, eine Website, auf der viele, nämlich 2.500 spezielle österreichische Worte und Wendungen und die deutsche Übersetzung dafür zu finden sind. Obwohl um den Alkoholismus für Nichtmuttersprachler in dem kleinen, lustigen Land mit den vielen Depressiven kein Weg führen wird, denn selbst wenn man die Worte kennt, heisst das ja noch nicht, dass man sie auch gesprochen versteht.


18.01.2006 | 14:18 | Nachtleuchtendes | Supertiere | Alles wird besser

Glühschwein


Hier fehlt dieses rechtebehaftete Bild.
Weil es sonst keiner erledigt, sei hier nach einem halben Jahr ungeduldigem Schweigen nochmals darauf hingewiesen, dass es technisch möglich ist, alles im Dunkeln leuchten zu lassen, und zwar mit Hilfe von Qualleneiweiss. Den Anlass für diese Ermahnung liefern taiwanesische Schweinehirten, die mit der sensationellen Neuigkeit angeben, sie hätten leuchtende Schweine hergestellt. Das Beweisfoto zeigt allerdings bedenklich glanzloses Herumdrängeln am Futtertrog, und auch die Erklärung, dass das Schwein "von innen" leuchtet, hilft nicht weiter. Wer möchte schon ein leuchtendes Schnitzel essen! Obwohl, auch das wäre sicherlich im Dunkeln ganz praktisch, wie überhaupt, was wenig bekannt ist, leuchtende Dinge das Leben im Dunkeln ungemein erleichtern, zum Beispiel, wenn man sich mit Verbrechensbekämpfung, Herumirren oder Stromsparen befasst. Es ist so ermüdend, das Offensichtliche wieder und wieder hinzuschreiben, aber es muss einfach viel mehr davon geben, das geht alles zu langsam, wie oft muss man denn noch darum betteln, dass alle Embryonen standardmässig mit Qualleneiweiss befüllt werden. Dunkel war es jetzt schliesslich lange genug.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Vorsicht, nachtleuchtendes Reh

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