Riesenmaschine

27.04.2006 | 14:28 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Volk jetzt mit Raum


Die ortlose Riesenmaschine von oben
Hurra! Der Aufruf, den wir im Juli 2005 veröffentlichten, hat seinen Zweck nicht verfehlt: Endlich gibt es – nur kurze Zeit nach Google Moon, Google Mars und Google hakenkreuzförmige Gebäude – auch Google Maps Deutschland. Das Satellitenkartenmaterial ist zwar nicht direkt neu, aber so lange wir selbst noch anhand von Stadtplänen navigieren, auf denen die Berliner Mauer eingezeichnet ist, wollen wir nicht nörgeln. Unter Google Maps Mania kann man nachlesen, wie gross der Vorsprung der USA im Ersinnen von Google-Maps-Anwendungen in der Zwischenzeit geworden ist. Aber die Amerikaner haben ja auch die Demokratie erfunden, und heute können wir sie besser, es gibt also Hoffnung. An die Arbeit, Mash-upper!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Google Maps für fast alles


27.04.2006 | 11:21 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Abbildungsreligion Daoismus


Dao-Gott Schultze

Dao-Gott Flint
Noch vor ein paar Jahren war die diffuse chinesische Philosophiereligion Daoismus auf dem Religionsmarkt das nächste grosse Ding. Schriftsteller wie Klabund, Alfred Döblin oder Bertolt Brecht liessen sich von daoistischen Ideen inspirieren; später entdeckten Dichter der Beatgeneration und die Hippies den etwas anderen Glauben. In den achtziger Jahren wurde Dao dann von der New-Age-Bewegung verwurstet; besonders den Daoismusableger Zen drehte man durch den Wolf. Seitdem malen sich vorzugsweise unterforderte Hausfrauen innen mit etwas Instant-Dao aus.

Das ist schade, denn eigentlich hat der Daoismus auch dem Popkulturinteressierten was zu bieten. Das fiel der Riesenmaschine im Tempel des Shanghaier Stadtgottes Qin Yubo auf. Besonders sticht hier Dao-Gott 1 ins Auge, der mit Bowler-Hut und Spazierstock entfernt an Dupont oder Dupond bzw. Schultze oder Schulze bzw. doch wohl eher an 杜本(Dùběn) oder 杜朋 (Dùpéng) aus Hergés Comic-Klassiker Tintin erinnert. Nach Dao-Gott 2 aber hat sich anscheinend Prodigy-Sänger
Keith Flint
modelliert. Mag allerdings auch sein, dass es umgekehrt war, denn "das Dao ist eine Wellenbewegung" (Uni Bonn), so dass man nicht weiss, wer hier Henne ist oder wer Ei.

Auf jeden Fall kennt der Daoismus kein Abbildungs- oder Karikaturverbot seiner Götter, im Gegenteil. Auch sonst können Selbstmordattentäter, Fahnenverbrenner und Popetown-Eiferer einiges vom Daoismus lernen. Das Ideal des daoistischen Weisen, so lehrt die heilige Schrift, sei "Gleichmut, Rückzug von weltlichen Angelegenheiten und Relativierung von Wertvorstellungen, sowie Natürlichkeit, Spontaneität und Nicht-Eingreifen". Beherzigen Sie diese Maximen doch bitte auch beim Verfassen Ihrer Kommentare, selbst wenn Ihnen die Grösse Ihrer Sexualorgane Kopfzerbrechen bereiten sollte.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Popetown II

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (16)


27.04.2006 | 05:19 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Amerika schüttelt sich


Luftbild von Grossdänemark
Noch tausend Tage wird George W. Bush an der Macht sein, und unwillig bäumt sich das Land jetzt schon auf: In den letzten Monaten zuckt Amerika unter schweren Erschütterungen, die irritierenderweise weder durch Erdbeben noch durch sonst irgendeine einfache Erklärung erklärt werden können. Zum letzten Mal geschah es in San Diego, dass Betten, Garagentore und schwere Stadtteile herumwackelten, genauer gesagt am 4. April um neun Uhr morgens, aber Ort und Zeit haben wahrscheinlich gar nichts zu bedeuten. Luftfahrt, Militär und Weltraumbehörden lehnen jede Verantwortung ab (kluge Entscheidung), selbst UFO-Experten sind ratlos und verwirrt: "UFOs erzeugen nie Schockwellen, sie beschleunigen so schnell, dass sie ein Vakuum im Himmel hinterlassen, so ähnlich wie Blitze." Blitze, interessant. Oder aber nur das Zähneknirschen des Planeten in Vorbereitung auf den gerade überstandenen World Earth Day? Vielleicht springen aber auch ein paar tausend Amerikaner gleichzeitig vom Küchtentisch, nur um einen Punkt zu machen. Was es auch sei, anscheinend macht die sympathische Grossmacht gerade eine Phase der Neuorientierung durch, eventuell um die Aggressionen der Dänen in Schach zu halten, die sich zunächst über alle lustig machen und dann in einer seltsamen Verdrehung von Geschichte mit Fellmützen und Wikingerschiffen schon bis Grönland vorgedrungen sind. Irgendwie war Amerika früher einfacher zu verstehen, damals, als die Erde noch eine Scheibe war.


26.04.2006 | 19:47 | Vermutungen über die Welt

Wann werden wir das Wasser verstanden haben?


Foto: s_fox / Lizenz
Jetzt zu Beginn der Badesaison stellt sich wieder die Frage: Was macht eigentlich das Wasser so momentan, was tut sich, gibt's was Neues, was geht? Darf man schwimmen wo vorher tote Schwäne schwammen? Kann man es so machen wie in Mittweida, wo man gleich den ganzen Schwanenteich einfach ablaufen liess, also quasi das Kind mit dem Bade ausschütten? Aber die Umweltministerien geben allenorts Entwarnung, zu gross für eine zünftige Vogelgrippe-Ansteckung sei die Verdünnung des Wassers. Aber was ist mit den anderen Fragen an das Wasser, wann werden sie beantwortet? Warum schmerzt eine Arschbombe mehr im warmen als im kalten Wasser? Warum ist Wasser eher als andere Stoffe bereit sich zusammendrücken zu lassen, warum dehnt es sich aber aus, wenn es kalt wird, wieso existieren eigentlich zwei Wasser nebeneinander, und wieso verschmieren sie sich manchmal zu eineinhalb Wassern? Und wann wird endlich der Staubsaugerfabrikant die Flüsse zurück zur Quelle zwingen, damit die Lachse sich nicht so quälen müssen, wenn sie zu ihren eigenen Friedhöfen reisen? Diesen Fragen sollte man schon mal nachgehen vorm nächsten Badeausflug, wenn die Kinderchen zu sehr nerven wegen Dursts. Durst ist zwar schlimmer als Heimweh, aber Wasser kann so ein schönes Hobby sein.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kaltes klares Wasser

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


26.04.2006 | 14:55 | Berlin | Zeichen und Wunder

Markenworkshop


Viele herzliche Grüsse ... sendet ...
Darüber, dass man mit Briefmarken nicht nur Post umhersenden, sondern auch allerlei Fortschritt bestreiten und Eulenspiegeleien anstellen kann, berichtete unlängst Kollege Brake. Nun zeigt sich: Briefmarken sind offenbar das Medium der Stunde.
James Cauty, ehemals bei The KLF (deren Backkatalog Cauty gemeinsam mit Bill Drummond komplett löschte), hat nach Jahren mit übergrossen Kunstformaten die Briefmarke als geeigeneten Bedeutungs- und Kunstträger entdeckt.
Auf seinen grob DIN A4-grossen "National Postal Disservice"-Marken wird der 11. September in London neu aufgeführt, brennen die Beatles, während sie die Abbey Road überqueren, trägt die Queen eine Gasmaske oder wird ganz durch einen Affen ersetzt. Ehrensache, dass die englischen Konservativen und die "Royal Mail" einigermassen "Not amused" sind. Andererseits endlich mal wieder eine Briefmarkensammlung, die jemand unter 70 tatsächlich sehen will.

Die Ausstellung "A Stamp Collector's Guide To World Domination" ist vom 6. Mai bis zum 3. Juni im Ausstellungsraum The Aquarium, der Dependance der Londoner Aquarium Gallery, in der Falckensteinstrasse 35 in Berlin zu sehen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Markenentwicklung


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Gesamt: 6 Punkte


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