Riesenmaschine

21.04.2006 | 03:25 | Sachen kaufen

Back-Radkappen

Wenn man schon aus Kichererbsen Bier machen kann und aus Romanesco eine Lampe, dann – und nur dann – wird man ja umgekehrt aus so etwas Ähnlichem wie Radkappen eine Kuchenform machen dürfen. Gesagt und getan haben das nun die Designer Hrafnkell Bigisson und Sebastian Summa. Nach einem Rundgang durch das alte Metallwarenlager der Berliner Manufaktur Hugo Bräuer müssen die beiden jedenfalls den Eindruck gehabt haben, dass die Tiegel, Deckel, Kappen, Näpfe und Lampenschirme, die sie dort fanden, zu weit mehr als zum Rumliegen taugen. Zum Beispiel zum Teigreinfüllen. Vorausgesetzt, man hat das richtige Rezept dafür. Sechs Formen wurden kurzerhand zur Serie Tools You Bake umgewidmet, sechs Rezepte geschrieben. Die Formen erhielten Namen wie Bessy, Collatz oder Stubbak und fanden ihren Weg in Edelläden, Berliner Läden und sogar ausser Landes. Die Dummen bei diesem Bäumchen-wechsle-dich-Spiel sind leider wieder einmal die Autofahrer, die Hunde und die Inneneinrichter.

Jörg Meyerhoff | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


20.04.2006 | 18:45 | Alles wird schlechter | Was fehlt

Google: Was fehlt

Dass deutsche Google-Nutzer anhand ihrer IP-Adresse erkannt und nach google.de umgeleitet werden, und dass google.de die Suchergebnisse immerhin nicht ganz so stark zensiert wie Getreideerntelied, ist schon lange bekannt. Etwas weniger bekannt ist diese Liste der Electronic Frontier Foundation, aus der hervorgeht, dass über drei Viertel der seit September 2005 bei Google eingegangenen Unterlassungsanordnungen aus Deutschland stammen. Höchste Zeit also, im Firefox-Such-Plugin-Feld rechts oben das nicht zensierende ANONGoogle (gibt es bei mycroft.mozdev.org) einzufügen. Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich ungeliebte Suchmaschinen mit Hilfe des Search Plugin Hack oder von Hand entfernen, damit mehr Platz für neue, nützliche Such-Plugins (a.a.O.) bleibt. Und dann vielleicht mal mit der Suche nach einem neuen Land beginnen.


20.04.2006 | 12:39 | Zeichen und Wunder | Papierrascheln

Popetown II

Eigentlich häuften sich gestern die Meldungen, MTV wolle einen Schritt auf das klagevorbereitende Erzbistum München zugehen und irgendwie um die Sendung Popetown verhandeln. Heute aber müssen wir feststellen, dass nicht nur die letzte Anzeige zurückgezogen wurde – sondern auch eine neue geschaltet worden ist, nämlich die nebenstehende in den Zeitschriften Sonic Seducer und RockHard. Offenbar ist mit dem Entgegenkommen auf die Christenschaft gemeint, dass Jesus wenigstens wieder am Kreuz hängt. Weil er aber Popetown keinesfalls sehen möchte, hält er sich die Augen zu, und zwar mit den blutigen Händen, in denen noch die Nägel stecken. Die für die Kampagne veranwortliche Agentur Roxy Munich erklärte auf Nachfrage, sich nicht erklären zu können, wie das Motiv in die Zeitschriften gekommen sei, eventuell habe man bei MTV versehentlich geschaltet.

Die Grenzen des guten Geschmacks scheinen weit überschritten, hier werden religiöse Empfindungen mit Händen genagelt Füssen getreten, und so hatte ich es mir beim Ausdenken ja auch gedacht. Leise Zweifel mehren sich, ob die werbliche Rückführung des Heiland ans Kreuz geeignet ist, MTV aus der Schusslinie derer zu ziehen, die Meinungsfreiheit nur dann fordern, wenn andere angegriffen werden.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Popetown


20.04.2006 | 04:35 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Creamy Caramel


Around-the-world-Pretzeln
Muss man tatsächlich erst nach Japan fahren, um dort den wohl ursprünglich einmal aus Deutschland in die USA importierten Pretzel Pieces Snack von Snyders of Hanover (American Pretzel Bakery since 1909) nicht nur in der Eurotrash-Langweiler- Geschmacksrichtung Cheddar Cheese zu erhalten, sondern in der weitaus aufregender klingenden Variante "Creamy Caramel"? Anscheinend. Und nur um dort festzustellen, dass nicht jeder mutwillige und tabubrecherische Übertritt über die Süss-Salzig-Schranke mit einem positiven Geschmackserlebnis belohnt wird. Kaum vorzustellen, dass diese für europäische Geschmacksknospen schlichtweg widerwärtige Aromen-Kakophonie fernöstlichen Zungen zusagt, es sei denn unter der Exotik-Massgabe, dass sie es für typisch deutsch-amerikanisch halten und schon deshalb gut finden müssen. In den USA selbst sucht man die Creamy Caramel Pieces trotz weitaus grösserer Auswahl übrigens anscheinend ebenfalls vergeblich. Der einsame Spitzengeschmack bleibt allerdings bis auf weiteres sowieso Honey Mustard & Onion. Warum gibt es den so selten in heimischen Supermärkten? Wie kann Gott das zulassen? Gibt es überhaupt einen Gott?


19.04.2006 | 17:46 | Alles wird besser

Mehr vergessen

Schere im Leib des Patienten vergessen, in einem früheren Leben mal an Wiedergeburt geglaubt haben, beide Beine von Krokodilen abgefressen bekommen, gewisse Google-Ergebnisse: Auf viele Erinnerungen würde man gern verzichten. Das geht zwar nach wie vor nicht, aber immerhin kann man neuerdings mit Hilfe des blutdrucksenkenden Wirkstoffs Propranolol – in Deutschland z.B. als propra-ratiopharm im Handel – auch Jahre nach dem traumatischen Ereignis die Erinnerung daran lindern. Dabei wird die Erinnerung ans Tageslicht gezerrt und unter Propranolol-Einfluss editiert, bis sie geniessbar erscheint. Am Ende der Prozedur weiss man auch nicht mehr so genau, warum man im Irak einmarschiert ist, und kann sich als Begründung einfach irgendwas ausdenken.


2 3 4 5 6 [7] 8 9 10 11 12 ...

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Elftausend Truthähne erwürgen

- Baby-Sprotte

- Fahnen (Druck-)

- Bärenklau

*  SO NICHT:

- Schweden

- ein Teig wie jeder andere

- Teenage-Spritti

- Fahnen (Alkohol-)


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Slumdog Millionaire", Danny Boyle (2008)

Plus: 12, 65
Minus: 1, 13, 93, 96, 147, 149
Gesamt: -4 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV