Riesenmaschine

08.05.2006 | 02:21 | Fakten und Figuren | Sachen kaufen

Claimjumpen jetzt ohne Schwerkraft


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

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Nur Narren werfen Spam-Mails sofort und ungelesen in den Müll. Kluge Menschen wissen, wie man auch aus dem grössten Sumpf eine essbare Schnappschildkröte angeln kann – und erfahren so von der Existenz des Gravitizers, dem vollkommen neuartigen Instrument zur Bekämpfung der Landplage Schwerkraft. Viel Leid hat sie uns auferlegt, Erhängungen und Flugzeugabstürze zum Beispiel. Schwer vorstellbar, dass der Gravitizer allein, eine Art Hocker mit Loch in der Sitzfläche, dagegen etwas ausrichten kann, stattdessen konzentriert er sich auf die Verhinderung von kleineren Schwerkraftübeln wie eingeschlafenen Gliedern. Denn: Viele kleine Übel ergeben so manchen Flugzeugabsturz. Wobei das alles letzlich nebensächlich ist, denn in der Hauptsache ermöglicht die innovative und didaktische Strahlkraft des Gravitizers die Herstellung der schönsten animierten Trickpornolehrgifs der Welt. Bildung nämlich ist viel wichtiger als bequemes Fortpflanzen! Endlich entspannt und kostenlos zusehen, wie andere flexen, trotten, prongern (oben) und hammern, beziehungsweise shaften, claimjumpen (Mitte) und lammern! Throttlen, give'n'taken (unten) und tweaken! Besser kann man so was ja gar nicht erklären.

Übrigens kann man wirklich Viagra bestellen, bei den Adressen in diesen Mails, in denen von Viagrabestellungen die Rede ist. Es kommt dann auch an, ist viel billiger als in der Apotheke und kann dasselbe (hört man so). Und wenn man an diese freundlichen, aber verzweifelten Menschen aus Nigeria und anderen westafrikanischen Staaten Geld schickt, ist es wirklich weg.


07.05.2006 | 18:48 | Anderswo

Parkpark


Kleinstpark mit Parkuhr (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
In der Stadt wohnt man ja eigentlich, um nicht auf dem Land wohnen zu müssen. Trotzdem gibt es immer wieder Bestrebungen, das, was die Stadt ausmacht (alles schön asphaltiert, aufsässige Pflanzen und Tiere werden in ihre Schranken gewiesen), zurückzudrängen, das Grillen im Park zugunsten der Errichtung innerstädtischer Taumellolch-Schutzgebiete zu untersagen und im Rahmen von Kunstprojekten Rollrasen über parkenden Autos auszurollen. Aus demselben Ungeist entspringt dieses Projekt der Künstlergruppe Rebar (gesehen bei Urban Cartography): Der Fortbestand des abgebildeten Kleinstparks wird durch regelmässiges Befüllen der Parkuhr seitens der Nutzer gesichert. Ob der Park einen Strafzettel bekommt oder abgeschleppt wird, wenn die Parkuhr (nachts zum Beispiel) abläuft? Und warum gibt es eigentlich so wenige Künstler, die auf dem Land grossstadtemulierende Installationen errichten, zum Beispiel einen U-Bahn-Eingang, eine Skylineprojektion oder eine Bar mit verstörend langen Öffnungszeiten?


07.05.2006 | 12:36 | Essen und Essenzielles

Der Fehler


Foto: nate / Lizenz
Vor langer Zeit gab es mal einen mittelmässigen und mittelerfolgreichen Musiker namens Terence Trent D'Arby, der machte einen grossen Fehler, er nannte 1993 seine Platte "Neither Fish nor Flesh", es sollte seine letzte sein, kein Mensch wollte sie kaufen, bei dem Titel.

Ähnlich verhält es sich mit einer ebenso uninteressanten Rockgruppe namens Pearl Jam, deren neueste Platte eine Avocado schmückt. Dass es keine vernünftige Hassfrucht ist, sondern nur eine wässrige Fuerte, ist dabei wohl noch der kleinste Fehler, der hier gemacht wurde. Unerfreulich an der unrockigen Fettfrucht ist ihr übergrosser, glitschiger Kern, der einem beim Entfernen durch die Küche kollert, während man feststellt, dass man wieder mal eine Mogelpackung gekauft hat. Deshalb lancierte die englische Supermarktkette Sainsbury ´s vor ca einem Jahr mit grossem Getöse die erste steinlose Avocado, die aber mittlerweile wieder verschwunden ist, die Ladenkette liess sich verkümmerte, gummiartig schmeckende Früchte andrehen, die entstehen, wenn der Baum durch Umwelteinflüsse gestresst ist und seine Samen abstösst, sie reifen zwar weiter, werden aber nie so saftig und fett wie die entspannten Früchte.

Ein Püree aus matschigen, schwarzen Bananen und vergammelten Avocados empfiehlt Hollywood Friseurin Joanne Harris gegen trockene Haare, damit sie wieder schön fettglänzend sind, und das ist vermutlich die Botschaft der Butterbirne auf dem Cover.


07.05.2006 | 00:06 | Alles wird besser

Lachen endlich verboten (zum Weltlachtag 2006)

Während dem ersten Mai ja nach wie vor jedes Jahr eine grosse Medienpräsenz zuteil wird, obwohl die damit verbundene Gefährdung des Einzelnen mittlerweile fast vernachlässigbar klein ist, wird der Weltlachtag von heute, Sonntag, dem 7.Mai, in der Presse so gut wie totgeschwiegen. Dabei ist die Gefahr, unversehens in eine der vielen weltweit und öffentlich durchgeführten Lachveranstaltungen zu geraten, nicht zu unterschätzen. Unzählige Lachklubs gehen heute auch in Deutschland, wo "das regnerische Wetter und die Übellaunigkeit der Menschen häufiger von Gästen und Einwanderern beklagt wird" (Wikipedia), aggressiv gegen Nichtlacher und Denker ("Wer denkt, lacht nicht; wer lacht, denkt nicht", wie unter www.hoho-haha.de nachzulesen ist) vor. Eine düstere Ahnung, was heute zu erwarten ist, gibt möglicherweise die im Februar in Bern durchgeführte "fröhliche Aktion mit Lachsack".

Lachbefürworter, die wissenschaftlich über das Lachen nachdenken (wann nur?) und schreiben, wissen zu berichten, dass sich die Bewegung in Indien konstituiert und von dort über die ganze Welt verbreitet habe. Die Lachbewegung wird dabei gerne in die Nähe fernöstlicher Dinge wie Yoga oder Qi-Gong gerückt, dessen bekanntesten Ausprägungen wiederum der Daoismus und die Falun-Gong-Bewegung sind. Wer jetzt denkt, "China, du hast es gut", der denkt falsch. Das für seinen Mut ausdrücklich zu lobende Amtsgericht Recklinghausen nämlich hat kürzlich in einer einstweiligen Verfügung das therapeutische Lachen verboten, zumindest einem gewissen Joachim B. auf öffentlichen Parkplätzen. Das ist immerhin ein Anfang und heute kann man ja auch einfach mal zu Hause bleiben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Morgen ist auch noch ein Tag


06.05.2006 | 16:13 | Berlin | Sachen anziehen

adimonochrom


Als hätte ihm niemand übers Haar gestreichelt (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
An der belebten Berliner Oranienburger Strasse, Ecke Tucholskystrasse, unweit des Ortes, wo kürzlich erst ein von einem Eisklotz-Meteoriten mit darin eingeschlossenen Wrangler-Jeans getroffenes Auto parkte, steht seit einigen Tagen ein weisser Schreibtischstuhl, angekettet an ein Strassenschild. "adicolor" steht darauf und entlarvt das obskure Objekt als fadenscheinige Guerilla-Marketing-Aktivität von adidas, die im Zuge ihrer stoischen Abarbeitung vergangener Dekaden den gleichnamigen Sneaker zum Selbstbemalen, jene schlimme Verirrung aus den 80ern, wieder aufgelegt haben und mit einigem Werbedruck der jungen Generation, die die 80er nicht aktiv miterleben musste, ans Herz zu legen versuchen. Aber während rundherum die ausdifferenzierte Streetart tobt und fröhliche Urständ feiert, bleibt der Stuhl jungfräulich weiss und unangetastet, als läge ein eigentümliches Schutzfeld aus Überdruss und Desinteresse um ihn herum. Und wird damit zum manifesten Menetekel für den kapitalen Flop der doofen weissen Schuhe, die im unweit gelegenen adidas Original Store mählich vor sich hin verstauben, ungetröstet und trostlos. Kein Mensch will sie haben, nicht mal Handwerker würden sie tragen. Kein Geistlicher wird ihren Untergang begleiten.


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