Riesenmaschine

30.05.2006 | 03:20 | Supertiere | Alles wird besser

Manchmal rennen und springen sie wieder


Diese Bildunterschrift steht
hier nur aus Layoutgründen
Wenn schon so ein Unsinn wie Turnschuhe zum Selberanmalen und Neonfarben wieder zum Leben erweckt wird, dann doch bitte auch die tollen Errungenschaften aus den 80ern, wie 2D-Jump'n'Runs. Denkt man sich so, und siehe da: Schon veröffentlicht Nintendo für das DS sein wunderbar oldschooliges New Super Mario Bros, während Sony mit der hochgelobten Eigenentwicklung LocoRoco entzückt, das auf der Fachmesse E³ mal eben für drei Game Critics Awards nominiert wurde.

Zu Recht, möchte man meinen, denn wo gibt es heute bitte noch Spiele, die mit gerade mal drei Tasten auskommen? Und die mit diesen Mitteln auch noch eine nie dagewesene Steuermethode erfinden? Die sonderbaren Spielfiguren können von sich aus nämlich bloss nach oben springen – um voran zu kommen, muss man deshalb die gesamte Landschaft kippen, auf dass die Wesen vor und zurück rollen (kann man hier ausprobieren). Und zu allem Überfluss sieht das Spiel auch noch so aus, als hätte man die Zeichner von Yellow Submarine und Barbapapa zusammen mit ein paar flasherfahrenen Grafikdesignern und den Leuten von Cute Overload in einen Raum eingesperrt und ihnen exakt die richtige Kombination aus Drogen und Süssigkeiten gegeben.


29.05.2006 | 16:57 | Essen und Essenzielles

Die Bratwurst verkneifen

Während der Ameisenigel schlürft und die Schlange schlingt, können die Hunde, die Kühe und die Menschen kauen, egal ob auf einem Pantoffel, auf Hochgewürgtem oder wie Peter Handke auf Worten. Deshalb können wir uns wohl auch besser Telefonummern merken, denn Kauen macht klug. Andererseits sollte man es auch nicht übertreiben, denn wer zuviel kaut, bleibt 2,4 Millionen Jahre doof, wie die Affen, die seinerzeit nicht wie der Mensch Gebiss gegen Gehirn getauscht haben.

Kauen kann ein Krebsrisiko minimieren und zum Nichtraucher machen, schlank machen aber auch, wer nämlich ein Jahr lang ununterbrochen Kaugummi kaut, kann fünf Kilo Körperfett wegkauen und "sich die Sahnetorte oder die Bratwurst leichter verkneifen". Selbst Kaupantomimik erzielt noch schlankmachende Erfolge, warum joggen, wenn man kauen kann? Und man muss nicht mal mit dem Kauen aufhören: Wenn man zwischendurch vielleicht mal seine Zähne pflegen möchte, dann backt man sich leckere Zahnputzkekse oder zieht sich aus dem Automaten Fuzzybrush, die Zahnbürste zum Kauen. Stellt sich eigentlich noch die Frage, warum die Kühe eigentlich nicht schlanker sind.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


29.05.2006 | 11:56 | Alles wird besser | Sachen anziehen

IQ im Schuh


Was man nicht im Kopf hat – Hoffnung für viele
"Forschung ist die beste Medizin" ist die Headline einer aktuellen Kampagne des kaum bekannten Verbands forschender Arzneimittelhersteller, einer der grössten Lobbygruppen in Deutschland, die mit einem von Experten neunstellig geschätzten Jahresetat sicher letztlich nur Gutes tut. Aber wer sind diese famosen Menschen hinter der hochgelobten Forschung, diese Forscher, von denen man in letzter Zeit soviel hört? Die Antwort fällt leicht: Es sind Menschen, deren höchstes Ziel ist, dass nach ihnen ein Satz, eine Formel oder sogar ein Problem benannt wird. Einer, der es wirklich geschafft hat in diesen Forscherkreisen, ist James R. Flynn: Nach ihm ist ein echter Effekt benannt. Der Flynn-Effekt beschreibt, dass die Menschen immer klüger werden, oder eigentlich, dass die IQ-Testergebnisse immer besser werden. Der Flynn-Effekt war eigentlich nur für Menschen gedacht, aber inzwischen müsste man ihn auch auf Dinge anwenden, denn die Dinge werden ebenfalls immer klüger. Die hier beschriebenen Schuhe der Firma adidas zum Beispiel, deren prozessorgesteuerte Sensoren feststellen, was der Träger so tut und vorhat und dementsprechend über ein mehr oder weniger gespanntes Kabel die Sohlen elastischer machen oder eben nicht. Es fehlt der Schuhwelt nicht mehr viel an Intelligenz, um selbst in die Forschung einzusteigen.


28.05.2006 | 23:22 | Anderswo | Sachen anziehen | Papierrascheln

Fatwa und Emel

Nicht jeder hat es so einfach wie unsere Leser, die hier bequem Antworten auf fast alle wichtigen Fragen des täglichen Lebens bekommen. Für gläubige Muslime etwa ist es deutlich schwieriger, ihr Leben gemäss den Gesetzen des Korans zu organisieren. Dieser hat ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel und bei seiner Entstehung waren so wichtige Dinge wie Fussball, Haartransplantationen oder Audiokassetten noch praktisch unbekannt.
Deshalb erlassen Muftis sogenannte Fatawa, also Rechtsgutachten, in verwirrend grosser Zahl. Alleine der Grossmufti von Ägypten, Ali Gomaa, und sein Mitarbeiterstab sollen jeden Monat gegen 7.000 erlassen (Quelle: NZZ vom 26.05.2006).

Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Vorurteil rufen die Fatwas aber keineswegs ständig zum Töten von Salman Rushdie auf, sie sind auch nicht immer verbindlich, und wer mit einer Fatwa nicht zufrieden ist, kann durchaus eine Zweitfatwa einholen. Heutige Fatwas, die man etwa hier oder auch hier auf deutsch nachlesen kann, beschäftigen sich schon mal mit Fragen wie "Darf Parfum, das Alkohol enthält, benutzt werden" (Ja), "Darf man bei Haarausfall Haare verpflanzen" (Nein), "Darf man im Internet Ehepartner suchen?" (eher nicht) oder "Dürfen Heiratsverträge auf Audio-Kassetten gespeichert werden?" (Nein). Eine Fatwa, deren Echtheit allerdings nicht unumstritten ist, beantwortet die Frage, ob Fussball gespielt werden darf, mit "Ja", allerdings soll auf die vier Linien auf dem Platz, die von Gottlosen erfunden wurden, verzichtet werden.

Muslimische Lebenshilfe der etwas weltlicheren Art gibt es aber seit einiger Zeit zumindest in England auch an jedem gut sortierten Kiosk im emel. Das "muslim lifestyle magazine" stellt Modestrecken zwar konsequent kopflos dar, um die leidige Kopftuchfrage zu umgehen, ist aber trotzdem oder gerade deswegen schön gestaltet und soll auch sehr lesenswert sein. Wie die iranische Fussballmannschaft allerdings mit derjenigen Fatwa umgehen soll, die vorschreibt, dass Vergehen im Fussball nicht nach den Regeln der FIFA, sondern nach den Gesetzen der Scharia geahndet werden sollen, wird auch dort nicht erklärt.


28.05.2006 | 14:33 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Ünd mörgen die gänze Welt


Trittbrettfahrer: Finnische Punkbänd
Schon länger bekannt ist die merkwürdige Vorliebe der in dieser Hinsicht schlecht bestückten Angelsachsen für deutsche Umlaute. In einer Erweiterung dieses Ansatzes und in Fortführung des legendären Fahrvergnügen-Experiments aus dem Jahr 1989 besinnt man sich in letzter Zeit auf dem nordamerikanischen Automarkt wieder auf deutsche Tugenden. VW wirbt mit "Fast as schnell", "Mach schnell" und "Das ist good event" sowie mit German engineers (hier, hier und hier bei youTube, wobei der German engineer vom Schweden Peter Stormare dargestellt wird). Deutsche Sprache wird hier offenbar eingesetzt als transzendentale Fortführung deutscher Wertarbeit.

Im Gegenzug beziehungsweise fast zeitgleich setzt Konkurrent Mercedes-Benz beim Bewerben der B-Klasse in Kanada mit überadventure, übersafe, überblast, übernormous und überkewl weiterhin auf den bewährten Umlaut, hier jedoch mit der nietzschesken Über-Anspielung, die im englischen Sprachraum seit Jahren nicht aus der Mode zu kommen scheint. Dem Frankokanadier übrigens, obwohl selbst ganz gut mit diakritischen Zeichen ausgerüstet, will man das Umlautvergnügen trotzdem nicht vorenthalten, und bewirbt in Québec das überaventure Mercedes konsequent als übersécuritaire, überfantastik und überénorme – eine echte Überübersetzung, bzw. eben gerade nicht.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Essen Sie meine Ünterhosen


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