Riesenmaschine

26.05.2006 | 12:12 | Anderswo | Was fehlt

Wenn bei Zachodniopomorskie die rote Sonne ...

Mal abgesehen davon, dass über Slogans, die auch nur entfernt mit "Meer" und dem automatisch mitschwingenden Wortspiel mit "Mehr" operieren per se eine Art Mehltau liegt, der instantan narkotisierende Wirkung entfaltet, ferner abgesehen davon, dass angesichts der aktennotorischen Tümpeligkeit der Ostsee gerade im deutsch-polnischen Grenzgebiet der Claim "Meer der Abenteuer" als klassisches Over-Promising gelten kann – hat die aufstrebende Tourismusregion Zachodniopomorskie noch ein anderes, gravierenderes Markenproblem, das auch durch das schmissig-pastellige Logo kaum abgefangen wird. Und zwar ist das, Sie ahnen es, der Name: "Zachodniopomorskie" geht einfach nicht so gut über die Lippen wie etwa "Rügen" oder "Sylt". Vielleicht sollte das Tourismusmarketing, wo es schon mutig im Berliner Stadtraum plakatiert, hier einen radikalen Schritt erwägen und versuchen, das Kürzel "Zet-Oh" zu etablieren und in Zukunft ausschliesslich zu kommunizieren. So wie Königs Wusterhausen bei Insidern ja auch nur unter "Ka-We" läuft, und Kuala Lumpur unter "Käy-Äl". Obwohl. Andererseits. Vielleicht auch gerade eben nicht.


26.05.2006 | 05:55 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Matt ist das neue Schwarz


Schwierig zu erkennen, ist aber das superhippe mattschwarz.
Von heute an soll das Wort "Britneyspearsismus" Aussagen bezeichnen, die Offensichtliches ohne weitere Sinnebene pathosgetränkt feststellen. Fast wie ein Britneyspearsismus hört sich Folgendes an: Polizeiautos waren früher grün-weiss und sind heute blau-silber. Hinter diesem Satz stehen aber gesellschaftliche und politische Entwicklungen von kaum fassbar grossem Ausmass. Blau sind Polizeiautos, inzwischen dürfte es jeder mitbekommen haben, weil die EU blau als Polizeifarbe vorsieht. Silber sind sie, weil Autos in silber einen höheren Wiederkaufswert haben. Seit fünf Jahren ist jedes dritte neuzugelassene Auto silber-metallic. Viele Experten meinen, dass sich der Silbertrend dem Ende nähert und dass dann braun, rot, grün, weiss und solche Farben renaissancen. Was aber stattdessen passieren wird: Matt kommt. Glanzlack wird in die Reservate von Möchtegern-Angebern zurückgedrängt werden. Der Autolack der Zukunft ist matt, allen voran mattschwarz, vielleicht in Verbindung mit ungebürstetem Metall. Mattschwarz ist die beste Autofarbe, sogar noch vor gold und mattgold. Mattschwarz ist das neue Silber. Was nach mattschwarz kommen wird, ist nur insofern klar, als dass eine Farbe allein gar nicht cool genug sein kann, um mattschwarz ablösen zu können. Eventuell schafft es orange-oliv. Über das Schicksal von mattsilber hingegen ist noch nicht ausreichend nachgedacht worden, um an dieser Stelle Prognosen treffen zu können.


25.05.2006 | 17:30 | Vermutungen über die Welt

Riesenmaschine-Wohnberatung


Verlangsamt die Erdumdrehung:
Auf Gegenständen stehen
Eines Tages wird die Erde aufhören, sich zu drehen, und die Folgen werden furchtbar sein oder aber eigentlich ganz praktisch: Irgendwo auf der Welt ist es dann immer hell und Sommer, irgendwo anders (mit etwas Glück nicht bei uns, sondern in Amerika) ist es immer dunkel und kalt, und wer dort dann kein staatlich gefördertes Solarhaus hat, baut sich keines mehr. Ungeduldige können ihren Beitrag dazu leisten, diesen Zustand schneller herbeizuführen, denn ähnlich wie in der Politik ist es gar nicht so, dass der Einzelne keinen Einfluss auf das grosse Ganze hat: Die Erdumdrehung wird durch so flatterhafte Faktoren beeinflusst wie Wind, der gegen Berge bläst, Gezeiten, Erdbeben und sogar Blätter, die von den Bäumen fallen. Hängen sie nämlich oben, so dreht sich die Erde durch den Pirouetteneffekt etwas langsamer, fallen sie wieder herunter, ist es umgekehrt. Alle, denen daran gelegen ist, dass das Weltende etwas schneller heranrückt (Zeugen Jehovas, Steuerschuldner), sind also gut beraten, ihre Bücher aus den unteren Regalfächern in die oberen zu verlagern bzw. am besten gleich aus dem Parterre in den fünften Stock zu ziehen. Nur so ein Tipp!


25.05.2006 | 11:28 | Anderswo | Fakten und Figuren

Der Ball ist klein


Im Fahrwasser der grossen Feldfussball-WM, und daher/aber dennoch vom ganz grossen Medieninteresse verschont geblieben, beginnt heute die erste offizielle Tischfussball-Mannschafts-WM in Hamburg. Spieler aus 20 Ländern, ausgestattet mit Silikonöl und Spezialhandschuhen, kämpfen hier um den Titel, die Favoriten sind Belgien, Österreich und die USA. Angeblich wurden bereits 1.000 Tickets verkauft – da sich so viele Leute aber auch mit viel gutem Willen nicht um einen Tischfussballtisch stellen und was vom Spiel mitkriegen können, werden grosse Leinwände aufgestellt, auf denen die Besucher die Spiele live verfolgen können.

Für alle, die es nicht nach Hamburg schaffen, gilt beim Kickern übrigens das gleiche wie beim grossen Fussball: Die bestmöglichste Rezeptionsform ist das Radio. Die Höhepunkte der viertägigen WM können deshalb im TableSports Radio verfolgt werden. Eine Tischfussballlivereportage ist nämlich, so hört man, noch spannender als die Radioübertragung eines Feuerwerks. Und wer dadurch Lust auf mehr bekommen hat, kann während der Feldfussball-WM in den DB-Lounges der Bahnhöfe von einigen der WM-Städte gegen den Tischfussballroboter StarKick (s. Bild) antreten – oder so ähnlich, die genauen Informationen finden sich in dieser klar verfassten Pressemitteilung. Ein weiterer Star Kick steht übrigens auch auf der MS Wissenschaft, hier steht, wo die bis zum 18. September überall anlegt.


25.05.2006 | 01:58 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Fleisch trifft Pommes

Manche Produktinnovationen ergeben sich einfach durch die ingeniöse Rekombination zweier Komponenten, die für sich genommen zum unspektakulären Inventar des Lebens zählen. Man mus halt nur drauf kommen. Und zack, Raum trifft Kraft, Samen trifft Zeit, findet eine neue Urzeugung statt, eine kalte Kernfusion an deren Ende ein neues, nie da gewesenes Produkt steht, das allen den Stecker rauszieht. Zack: Pullover + Mütze = Hoodie. Zack: Sportwagen + Jeep = Cayenne. Zack: Bier + Limonade = Alsterwasser. Genau so ist es bei "Servet's KebabBag" nicht, den es seit Neuestem (0 Googletreffer, Stand heute) am Hackeschen Markt zum Mark-up-Preis von 3 Euro zu beziehen gibt. Genauer gesagt: Es passiert gar nichts. Dönerfleisch und Pommes mit Mayo und Ketchup liegen unversöhnlich Seite an Seite in der Papiertüte, von einander abgewandt, wie ein altes Ehepaar, das schon seit Äonen keinen Sex mehr hatte. Geschmacklich: Keine spontane Kettenreaktion, nicht mal ein Amalgam entsteht, vielmehr eine unbefriedigende Emulsion aus laffen Pommes- und laffen Döneraromen, eben so, als hätte noch jemand Öl aufs Fett gegossen und nicht aufs Feuer. Nur die Sauce suppt unten aus der Spitze der Tüte aufs Hemd und macht den "KebabBag" alles in allem zum grössten Dreck, den sich die Branche seit dem Dönerburger ausgedacht hat.


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"Ghostbusters", Paul Feig (2016)

Plus: 37, 75, 76, 80, 96, 108, 117, 122, 125, 126, 140, 142
Minus: 46, 99, 113, 155, 192
Gesamt: 7 Punkte


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