Riesenmaschine

23.05.2006 | 07:07 | Anderswo | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Volk ohne Zwischenraum


Viel wichtiger, als man glaubt: Zwischenräume
Bei Garmisch-Partenkirchen gibt es einen Bären, in Kanada ungefähr 327.000-341.000 Schwarzbären und 22.000 Grizzlybären. Aus der Tatsache, dass die Kanadier im Unterschied zu den Garmisch-Partenkirchenern mit Aussagen wie "Kein Mensch kann seines Lebens mehr sicher sein" zurückhaltend umgehen, ergibt sich ohne weitere Umstände, dass Oberbayern nicht etwa weniger Bären, sondern mehr braucht, viel mehr.

Und das gilt nicht nur für Bären: 15 von 30 Millionen Kanadiern verglichen mit 7 von 80 Millionen Deutschen haben einen Migrationshintergrund, das sind verbraucherfreundlich umgerechnet 50% auf der einen und knapp 10% auf der anderen Seite. Angenommen, es liegt an diesen Zahlen, dass die Angehörigen der 34 ethnischen Gruppen in Kanada nur so selten auf die Nuss bekommen, dann ergibt sich daraus, ach, den Schluss können unsere klugen Leser jetzt sicher auch alleine ziehen. Vielleicht liegt aber alles auch nur daran, dass in Kanada zwischen den Bären, den gebürtigen Kanadiern und den Immigranten viel mehr Zwischenraum gelassen wird. Wir sollten doch bald mal wieder zart in Polen anklopfen und fragen, ob dort noch Platz ist.


22.05.2006 | 19:35 | Supertiere | Vermutungen über die Welt

Meister der Gräser

Gleichwarme Tiere werden grösser, wenn ihre Umgebung kälter wird, weil sich durch Grösserwerden das Verhältnis von Körperoberfläche zu Volumen verkleinert, was das Warmhalten des Organismus erleichtert. Diese sogenannte Bergmann-Regel erklärt unter anderem, warum Eisbären grösser sind als alle anderen Bären, und möglicherweise auch, warum Säugetiere im allgemeinen immer grösser zu werden scheinen. Wobei es seltsam ist, dass Schildkröten und Weichtiere, also wechselwarme oder gar nicht warme Tiere offenbar denselben Trend mitmachen – irgendwie gibt es da wohl noch einen bisher unbekannten, tieferen Vergrösserungsdrang. Aus Kanada, wo es kälter ist als in vielen anderen Ländern, erreichen uns jetzt verstärkt Hinweise, wonach diese temperaturregulierte Selbstaufblähung möglicherweise sogar in unbelebter Materie vorkommt: Zum Beispiel hat der durchschnittliche kanadische Kleinwagen das Format eines deutschen Mehrfamilienhauses. Auch einfache Kinderkaugummikugeln sind in der Nähe der kalten Hudson-Bay mittlerweile auf die Grösse eines Schimpansengehirns angewachsen.

So weit, so gut. Einzig die Nagetiere machen wieder, was sie wollen, und entwickeln tief im angenehm temperierten Südamerika das gigantische Riesenmeerschwein Capybara, das in etwa den Durchmesser eines Hausschweins hat, ihm aber ansonsten überhaupt gar nicht ähnelt. Entweder kennen Nagetiere die Bergmann-Regel nicht, oder sie haben sie erfunden.


22.05.2006 | 13:15 | Was fehlt

Dreck

Häufig ist der Mensch dem Affen oder dem Uhu weniger nah als etwa dem Mangalitzaschwein. Ebenso wie es liebt er das, so paradox es klingen mag, reinigende Bad im Schlamm und Dreck. Deshalb liegt es auf der Hand, dass eine Mensch-Schwein-Chimäre bereits in der Entwicklung ist. Schwer ist es aber mitunter mit ungeübtem Auge auszumachen, was sie in den Dreck treibt, ist es nur das reinigende Bad oder etwas anderes, wie bei den Anhängern der Carstuckgirls und Fans des Damenschlammfussballs? Heisst das, dass das und das in Llanwrtyd Wells alljährlich stattfindende Schlammschnorcheln ("Sicht gleich null") eines Tages olympisch werden könnte? Mit 60 Tonnen desinfiziertem und dadurch dreckigem Dreck muss sich gerade die fangoaffine Künstlergruppe Gelitin herumplagen, weil das Desinfektionsmittel Sondermüll ist und deshalb nicht ungereinigt zurück in den Dreckkreislauf darf. Mit diesem Problem bleiben sie garantiert alleine, denn wer will schon mit diesen Schmuddelkindern, die so respektlos mit Dreck umgehen, in die Suhle?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Jetzt gehts dem Wollschwein an den Kragen

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


22.05.2006 | 07:13 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Wege im Dunklen


Nur 100 Mio. Lichtjahre entfernt
Harter Schlag für Google Maps: Zwei Astronomenteams präsentieren gleichzeitig, aber unabhängig voneinander, die bisher allerbesten Karten des Universums. Basierend auf den Daten des Sloan Digital Sky Survey, erfasst der neue Weltatlas etwa 600.000 Galaxien, jede mit einer sieben- bis achtstelligen Zahl an Sternen, in einem Volumen von cirka 130 Milliarden Kubiklichtjahren, also alles von hier bis in eine Entfernung von 2,3 Milliarden Lichtjahren. Das ist etwa ein Drittel des prinzipiell heute von uns einsehbaren Universums, und mit den verwirrend grossen Zahlen soll jeder gefälligst alleine klarkommen. Interessanterweise ist das Universum keinesfalls langweilig so im Ganzen betrachtet, sondern bildet wellenförmige Strukturen mit einer Ausdehnung von 450 Millionen Lichtjahren, vergleichbar etwa mit den Falten, die man morgens im Bettlaken findet (nur grösser). Die exakte dreidimensionale Kartierung dieser Strukturen ist keinesfalls eine akademische Übung, denn es wäre höchst unangenehm, nach mehreren hundert Millionen Jahren des Herumreisens am falschen Ort anzukommen, und verirren möchte man sich so tief im Dunkeln schliesslich auch nicht. (Brotkrumen ausstreuen ist ja auch nutzlos.)


21.05.2006 | 17:31 | Berlin | Nachtleuchtendes

Designmai 2006: Erster alles

Jaja, Finnland. Wir haben es ja vorher gesagt, dass die Visual-Kei- und Ork-inspirierten Polarkreisbewohner den gesamten Softeis-Schlagermüll wegfegen werden wie seinerzeit Rommel die ... dummerweise haben wir es nur in kleinem Kreis gesagt und nicht protokolliert. Deshalb zu etwas völlig anderem: Dem Berliner Designmai, jene "insgesamt erschreckend peinliche Veranstaltung" (Peter Richter heute in der FAS), die nun zu Ende geht. Die "Lordi" des Designmai, wenn man so will, waren eine frisch formierte Formation namens Erstererster, "eine motivierte Gruppe von 12 Designern, die alle am grossen Block Erstererster formen." Und zwar taten sie das buchstäblich mit der Performance-Installation "60 m³ Spielraum". Hinter einer weissen Gaze-Verkleidung konnte man am Samstag in der zentralen "Designcity"-Halle schemenhaft eine Gruppe Menschen erkennen, die sich wie besessen in einen gewaltigen Styroporwürfel hineingruben. Gegen Nachmittag konnte dann das Resultat besichtigt werden, eine weisse Höhle, nicht ganz unähnlich der persönlichen Schmerzhöhle aus "Fight Club". Aus dem entnommenen Material sollen neue Einrichtungsgegenstände entstehen. Wir müssen uns Sisyphos als Berliner Designer vorstellen. Natürlich ist das kompletter Unfug, aber auch nicht viel unsinniger als viele andere akribisch ausgearbeitete Entwürfe zum diesjährigen Überthema Stadt und so, die immer noch der fixen Idee folgen, die zukünftige Grossstadt würde von postmodernen Nomaden in paramilitärischer Schutzkleidung durchstreift, die ihre portablen Schneckenhäuser stets mit sich führen oder zur Not in nomadischen Pop-up-Hotels absteigen. Archigram mit ihrer Parasitären Architektur waren da schon mal weiter. Ein Prinzip übrigens, das sich im charmanten Studentenentwurf eines "parasitären Stuhls", der an andere Stühle andockt, in der Koje des Royal College of Arts wiederfindet. Was war sonst noch bemerkenswert? Redesigndeutschland haben ihren verstrahlten Bauhausansatz nun auch auf das Feld des Spirituellen ausgedehnt, und schlagen als Ersatz für alle Religionen und ihre Bauwerke und säkularisierten Orte der inneren Einkehr ein "Spiritual Zentrum" bestehend aus 105 Neonröhren vor. Den Segen der Riesenmaschine hat das, auch wenn der Preis mit 300.000 Euro ein wenig hoch gegriffen erscheint. Ansonsten bliebe nur noch eine Idee zu erwähnen, deren Zeit offensichtlich so gekommen ist, dass sie gleich zweimal verwirklicht wurde. Und zwar ist das die der Klebrigen Schatten, die in Ermangelung anständiger Geotagging-Tools hier noch analog-akustisch umgesetzt wurde. Sowohl Felix Harmood Becks Soundbombs, als auch das "Acoustic Graffiti" am Stand von POG Design verfolgen den Gedanken, visuelles durch verbales Graffiti zu ersetzen. Wie so oft beim Thema Design: Mal sehen, ob da die Strasse mitspielt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Es ist ein Modul und es sieht gut aus


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