Riesenmaschine

25.11.2006 | 00:53 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Glück im Beutel


Wochenration

Ein Kinderspiel ist es, Produktverherrlichungsbeiträge über Gadgets zu schreiben, die mit Design, USB, Solarstrom, Open Source, extrahellen LEDs und neuen, herrlichen Möglichkeiten zur Zeitverschwendung daherkommen. Schwieriger wird es schon, wenn man einem Tee huldigen will, einem hippiesk angehauchten und illustrierten Tee aus Boulder, Colorado noch dazu, den man nur im Ökoladen kaufen kann und dessen Hersteller auf seiner Website unter "Our Mission" erklärt, seine Tees seien sowohl "beautifully artistic" als auch "philosophically inspiring". Und trotzdem muss es gehen, denn "Bengal Spice" von Celestial Seasonings ist der beste Tee, der je erfunden wurde, ein Trinklebkuchen aus Zimt, Ingwer, Kardamom, Nelken, Pfeffer und Muskatnuss. Er süsst sich – eventuell durch die eingebaute Zichorie und/oder das Johannisbrot – selbst, enthält keine künstlichen Aromastoffe, wirbt nicht mit albernen Gesundheitsvorteilen und wird immer besser, je länger er gezogen hat. Ausserdem steckt er in viereckigen Teebeuteln ohne Inkompetenzdemonstrationselement aus Heftklammer, Faden und Etikett, das bei jedem nicht zwanghaft veranlagten Menschen sofort in der Kanne versinkt. Im Vergleich zu Bengal Spice sind alle anderen Tees auf dem Dachboden zusammengefegter Staub. Vielleicht verschickt man die kostenlosen Probepackungen aus guter weltverbessernder Gesinnung ja sogar bis nach Deutschland, denn das Riech- oder Schmeckinternet wird leider erst morgen erfunden. Die vermutlich mehrwöchige Wartezeit lässt sich mit dem Ausmalen der Bengal-Spice-Illustration überbrücken. Oder mit dem Zusammenfegen von Staub auf dem Dachboden.


24.11.2006 | 19:55 | Anderswo | Alles wird schlechter

Arme kranke Sofas


Infiziertes Hotelsofa in Kashgar

VIP-Sofas im Bahnhof Urumqi mit infizierter Vase

Sofas in der Softsleeperklasse mit nicht entführtem Kind
Alle tollen neuen Krankheitsinnovationen wie Vogelgrippe oder Sars kommen heutzutage aus China. Die allerneueste Seuche ist eine Abart der Elephantiasis, die bisher noch keine Menschen oder Tiere, sondern nur Möbel und hier besonders Sofas befällt. Massiv ist die neue Plage bisher in der chinesischen Provinz Xinjiang aufgetreten, wo fast alle Sofas in Hotelfoyers Elephantiasissymptome aufweisen. Einen Seuchenschwerpunkt bildet auch der neue Bahnhof von Urumqi. Hier wesen in gleich drei Wartesälen des Todes infizierte Riesensofas vor sich hin, wobei gilt, je höher die Warteklasse, desto infizierter das Möbel. Wie man sieht, hat das spielende Kind in Moment noch nichts von dem kranken Sofa zu befürchten; es wurde leider auch immer noch nicht entführt. Was allerdings morgen sein wird, weiss mal wieder keiner, aber vielleicht ist es das oder, eventuell noch infizierter, dieses.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


24.11.2006 | 13:02 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Untenrum verschwört


Foto: rusty.grass / Lizenz
In der Fachpresse lesen wir gerade, dass endlich auch Frauen, nicht nur Männer, durch langanhaltendes Radfahren wissenschaftlich belegte Schäden in ihrer Genitalgefühlswelt davontragen, jedenfalls mehr als beim Laufen. Nur kurz jedoch währt die Freude über soviel Gerechtigkeit, obwohl in der Zusammenfassung der Arbeit die bemerkenswerte Zusatzinformation lauert, dass Radfahrerinnen im Vergleich zu Läuferinnen sexuell aktiver und facettenreicher in ihrer sexuellen Orientierung sind. Dies jedoch wundert kaum, wurden die Läuferinnen doch im Jahr 2003 in Internetforen rekrutiert, und das kennt man ja. Der eigentlich krude Gedanke drängt sich jedoch viel später auf: Warum hat die "International Police Mountainbike Association" schon auf ihrer Tagung 2003 von den brisanten Ergebnissen erfahren? Warum wurden die Ergebnisse also drei Jahre lang in Polizeischubladen geheimgehalten? Sind sie zu fahrradkritisch und würden daher die Machtverhältnisse im Land (Mann, Fahrrad, Polizistin, Frau) ordentlich durcheinandergebringen? Erscheinen sie jetzt, weil die Republikaner die Wahlen sowieso schon verloren haben? Oder weil man die solcherart genitalgeschädigten Frauen ohnehin nicht mehr wie früher gegen wertvolle Drogen in Afghanistan eintauschen kann, jetzt wo Drogen billig überall auf der Strasse liegen? Wissen wir natürlich auch nicht.


24.11.2006 | 01:44 | Berlin | Fakten und Figuren

Kurze Geschichte des Witzes für Arme


"Acht Arme für Sie"
Vielleicht fing alles mit "helft den armen vögeln" an, vielleicht aber auch viel früher, nämlich als Jesus das Brot brach und unter den Armen verteilte. Im Englischen ist Homonymie, Homophonie und ähnliches Zeug die Grundlage unzähliger Witze, im Deutschen geht das nicht ganz so einfach, wir müssen also möglichst oft recyceln, was wir haben. "Jung von Matt für Arme" war einst auf einem Fake-Tattoo der Werbeagentur zu lesen, und "HipHop für Arme – HipHop für Beine" hiess es bei Fischmob. Einen neuen Dreh hat in den Zeiten des Ein-Euro-Jobs die Installateursfirma BRIZ gefunden, wobei sich in der Praxis dann doch wieder herausstellt, dass es sich bei den Mitarbeitern gar nicht um acht Arme, sondern um zwei angesichts der Stundensätze vermutlich recht Wohlhabende handelt.


23.11.2006 | 18:24 | Fakten und Figuren | Papierrascheln

Zeigt her eure Handschuhe


Runde Sache (Foto: raffid / Lizenz)
Domainnamen wie myjove.com riechen streng nach meterweise Werbung, Mashups und irgendwas mit Individualisierung durch Knöpfedrücken. Tatsächlich handelt es sich um die Heimstatt des Journal of Visualized Experiments, einer neuen wissenschaftlichen Zeitschrift im weiteren Sinne, die statt Textwüsten ansehnliches Videomaterial für die Biowissenschaften veröffentlicht. Bisher fanden sich bewegte Bilder bestenfalls im Online-Anhang von Publikationen, dort finden sich nun die Protokolle zum Nachkochen als Beigabe zum Video. Der interessierte Laie kann ebenfalls mitansehen, wie embryonale Stammzellen aufgetaut werden oder das zentrale Nervensystem einer Fliegenlarve präpariert wird. Vielleicht kann er sich, wenn es darauf ankommt, erinnern, dass man das Angstverhalten von Mäusen besser nicht durch laute Geräusche testet, sondern durch die Messung des freiwilligen Aufenthalts in dunklen und beleuchteten Käfigen. Hoffen wir, dass bald nicht nur experimentelle Methoden, sondern auch Forschungsergebnisse professionell als Filmchen veröffentlicht werden. "Hallo, meine Name ist Torben Malik, Sie kennen mich bereits aus Publikationen wie 'Die Rolle der Enolase in der synthetischen Systembiologie' und 'Das humane Genom – jetzt aber wirklich'."


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"Dead Man Down", Niels Arden Oplev (2013)

Plus: 24, 38, 42, 52, 143
Minus: 36, 43, 88, 99, 100, 102, 116, 117, 135, 142, 202
Gesamt: -6 Punkte


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