Riesenmaschine

21.11.2006 | 18:28 | Anderswo | Sachen anziehen

Die besten vollgerotzten Ärmel aller Zeiten

Genauso wie Tausendfüssler nur in feuchten Ritzen stecken, findet man Satire normalerweise nur an bestimmten Orten, die man mit etwas Gespür leicht erkennt. Klo-Innenwand? Ja. Sarg-Innenwand? Nein. FIFA-Tagung? Ja. Astronomen-Tagung? Nein. Ein wenig paradiesisches Biotop für satirische Botschaften sind gemeinhin auch Volksbildungsmassnahmen der Stadtverwaltung Toronto, weswegen das nebenstehende Plakat, gefunden unter anderem in der örtlichen U-Bahn, vermutlich ernst gemeint ist, und einen verzweifelten Versuch darstellt, die Wege von Mikroorganismen (wir reden nicht von Tausendfüsslern) in eine bestimmte Richtung zu lenken. Sucht man nach der Quelle der ingeniösen Ärmelniesidee, so stösst man ohne grosse Umstände auf die Familie Lounsbury aus Ann Arbor (Michigan), die zur Promotion des Ärmelniesens unter dem Label Lounsburgology ein spektakuläres Lehrvideo vertreibt, das mittlerweile in zahlreichen Kinos von Nebraska bis Maine läuft, aber zum Glück auch auf jedem modernen Rechner. Im Internet vertriebene Filme, die Menschen bei albernen Verrichtungen zeigen, das ist schon eher eine Umgebung für Satire, und daher weiss niemand so recht, ob sowohl die Stadtverwaltung Torontos als auch die "Centers for Disease Control" zahlreicher Staaten der USA auf einen Scharlatan hereingefallen sind. Aber solange es zu einem Paradigmenwechsel in der Nieschoreographie führt, soll es uns recht sein. Paradigmenwechsel können nie schaden.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


21.11.2006 | 10:42 | Anderswo | Papierrascheln

Volk ohne Daum?

Fast täglich meldet China Daily auf der ersten Seite, wie sehr die chinesische Wirtschaft brummt. Die Spitzenmeldung von heute z. B. lautet, dass die Börse von Shanghai gestern ein Fünf-Jahres-Hoch erreichte – noch besser ging es nur der Börse von Shenzhen. Ganz, ganz selten schafft es auch eine Meldung aus Deutschland auf die Titelseite. Heute war es wieder so weit. Eine gute Sache, denn besser als viele Worte, die in dicken Büchern stehen, gibt uns diese Kombination von Meldungen Auskunft über den aktuellen Zustand der Welt: China gehört die Zukunft, Deutschland hat Christoph Daum. Was nun besser ist, mag jeder für sich entscheiden. Die Chinesen jedenfalls scheinen Daum zu bewundern, insgeheim zumindest, siehe Bildbetextung. Das heisst, irgendwann in ein paar Jahren haben sie ihn nachgebaut. Dann hat Deutschland gar nichts mehr. Auch daran könnte man vielleicht mal denken, wenn man über China spricht. Oder über Christoph Daum.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (7)


21.11.2006 | 04:22 | Anderswo

Second Life Business Plan Contest

Dass man in Second Life Geschäfte machen und sogar richtiges First-Life-Geld verdienen kann, ist mittlerweile allgemein bekannt, so sehr, dass es auch der Letzte verstanden hat. Dabei befindet sich Second Life derzeit noch in einer Phase des ungezügelten Kapitalismus, was sich aber bald ändern könnte – unverwirklichte Geschäftsideen sollte man also zur Sicherheit bald umsetzen, und wem bisher das Startkapital fehlte, der macht einfach beim Second Life Business Plan Contest der Electric Sheep Company mit. Bis zum 20. Dezember können Exposés mit gewinnversprechenden Geschäftsideen eingereicht werden, der Gewinner erhält 350.000 Linden-Dollar für die Umsetzung. Tipp von uns: Die Gründung eines Dixiekloverleihs, eines Taxiunternehmens, einer Landvermessungsfirma, eines Internetcafés, eines Krankenhauses oder eines Botox-Studios, sowie Ideen, die auf einer Beschäftigung als Kunst- oder Kirchenrestaurateur, Fluffer, Staubsaugervertreter, Putzfrau, Hot-Dog-Verkäufer, Minensucher oder Physiotherapeut hinauslaufen, dürften keine besonders hohen Siegchancen haben.


20.11.2006 | 18:08 | Anderswo | Alles wird besser

Widerstand zwecklos


Hier das leider nicht legal einbaubare Bild zum Beitrag
Was für eine grundpositive Woche. Erst kommt eine Nachricht von übermorgen an, dann fallen die Ladenschlusszeiten, dann wird eine Nachricht an vorgestern versendet, und dann erfinden die Chinesen auch noch einen robotischen Wachmann. Wie man im Science-Fiction-Wurmloch Technovelgy erfährt, konnte man bei China View bereits vor einigen Tagen Bilder eines kleinen Roboters sehen, der laut brüllend und mit den kleinen Rädern stampfend nachts durch die Gänge der Geheimlabors marschieren wird, um feindliche Drecksäcke erst einzuschüchtern, dann zu melden und anschliessend vorsorglich umzunieten. Vermutlich hat man dem kleinen Ding das Gewissen weggezüchtet und die Zunge rausgeschnitten, damit es nicht verrät, wer hinter dem ganzen Blödsinn steckt. Und wie es fröhlich mit den Ärmchen wedelt! (Die mit Y und N beschrifteten Kanonen unterm Kühlergrill können übrigens Geheimcodes in Boolscher Algebra in des Gegners Leib schiessen.)

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


20.11.2006 | 13:01 | Berlin | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Reise ans Ende der Nacht


Die zweitschönsten Worte in jeder Sprache der Welt (gleich nach "Es ist gutartig")
Wer in Berlin bisher nicht rechtzeitig, also bis acht Uhr abends, vorgesorgt hatte, der musste sich des Nachts von Alkohol und Drogen ernähren. War auch nicht schlecht, schlecht aber war, dass man beim Besuch anderer Länder immer so unglücklich wurde angesichts von 24-Stunden-Supermärkten. Nicht so unglücklich wie ein sudanesischer schwuler Atheist im Hollandurlaub, aber für ein, zwei Auswanderungsgedanken reichte es.

Dürre Worte genügen daher kaum, unser Glück darüber zu schildern, dass sich seit Freitag die Abschaffung der Berliner Ladenschlusszeiten in die grossen weltverbessernden Momente der letzten Jahrzehnte einreiht (neben Einführung von Homoehe, Internet, 10-Euro-Friseur, Callabike, Packstation, Kreuzberger Bügel, Internettelefonie, Ökostrom, Rechtsabbiegen bei Rot, Club Mate, LED, Euro, Digitalkamera, Telefon an der Person statt an der Wohnung, Künstlersozialkasse, MP3, DivX, etwas vernünftigere Drogenpolitik und Abschaffung von DDR, Bademützenpflicht und mechanischen Anrufbeantwortern). Ab sofort darf jeder Berliner Einzelhändler so lange öffnen, wie er will (ausser sonntags, das wäre zu einfach). Wer jetzt noch sehr jung ist, wird sich später nicht einmal mehr daran erinnern können, dass es einmal ein Ladenschlussgesetz gab, und falls er in der Schule davon erfährt, wird er die Information mental irgendwo zwischen Hexenverfolgung und 5-1/4-Zoll-Diskette abheften. Es wird eine neue, schönere Welt sein, in der es weder Not noch Hunger gibt. Zumindest in Berlin und nachts.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Durchgehend gelogen


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