Riesenmaschine

08.12.2006 | 04:49 | Berlin

Kulturraumhafen Neu-Neukölln


Hier könnte die Ölpumpe Ihrer Kinder stehen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Nutzung der mannigfaltigen Brachflächen und leeren Rohbauten in Berlin war schon länger problematisch, die Diskussionen dazu zäh und substanzlos, was sich mit der Ausserdienststellung des Flughafen Tempelhof in keine Richtung ändern dürfte. Die bisherigen Vorschläge, einfach ein bisschen Park auf den ehemaligen Weltflughafen zu setzen, scheinen umgesetzt zu werden, da mag die ulkige Allianz von FDPlern, Leuten, die gerne mit dem Fahrrad zum Flughafen fahren, Nazibaunostalgikern, Gegnern der Berliner Flughafenpolitik im Allgemeinen, von deren Anteilnahme und Position verwirrten taz-Lesern, Pushern von der Hasenheide, Anwohnern des designierten Flughafen BBI, verhinderten Bürgermeistern, Direktoren von abgeschmierten Fluglinien und ewig besorgten Bürgern noch so orangene Websites aufsetzen.

Was aber benötigt Berlin? Nach Industrieansiedelung zu rufen ist sicher eine gute Idee für den Wahlkampf, darüber hinaus darf man bestenfalls mitleidig gucken. Nein, Berlin braucht Rohstoffe. Zu diesem Zwecke empfiehlt es sich, Tempelhofer Feld und Schlossplatz auszuheben und zusammen mit dem Kanzler-U-Bahn-Fragment mit Biomasse zu befüllen, auf dass sich für spätere Generationen Öl und Kohle bildet. Biomasse produziert die Stadt ja genug: Miniermotten, Tierheimreste, Gammelfleisch. Die Zeit, die Berlin sonst mit Findung von faulen Konsensen vertut, wird endlich produktiv genutzt. Das ist Next Generation Nachhaltigkeit, wie es uns unsere Kindeskinder einst danken werden. Zum Beispiel mit der Benamung des neuen Flughafens nach dem archaischen Herrscher Kultur.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Stavros ist tot


07.12.2006 | 19:51 | Anderswo | Alles wird besser

Tumorvolle Zigarettenbildchen


Neue Bilder für Singapur
Nachdem im dreisprachigen Belgien jüngst beschlossen wurde, im kommenden Jahr die Text-Warnungen auf Zigarettenschachteln durch abschreckende Bilder zu ersetzen, wird nun auch in Deutschland immer häufiger der Wunsch geäussert, dieses zu tun, unter anderem, um auch nichtdeutschsprachige Parallelgesellschaften auf die Gefahren des Rauchens hinzuweisen.

Machte das zweisprachige Kanada bereits 2001 den Anfang, zogen Länder mit hoher Analphabetenrate nach und visualisierten, passend zu den Primärängsten ihrer Bewohner, Beischlafstörungen (Brasilien) oder Vanitas-Botschaften im Fantasy-Look (Thailand). Das viersprachige Sündenbabel Singapur, immer schon Freund schwarzer Pädagogik, nahm diese Idee ebenfalls vor geraumer Zeit auf. Als man dort jedoch merkte, dass die Bildchen gar nichts brachten und geraucht wurde wie schon immer, gab es für Singapur nur eine Möglichkeit: Es musste alles noch viel blutiger, fleischiger und tiefgehender dargestellt werden. Seit kurzem gibt es daher eine neue Bilderstaffel mit rot-violett-eingefärbten offenen Geschwüren, Raucherbeinstümpfen und entgegengestreckten tumorösen Zungen in einem so endmässigen Endstadium, dass zartbesaitete Gemüter etwas brauchen werden, bis sie sich, daran gewöhnt, wie gewohnt die Nächste anstecken.

Wenn in Belgien, und vielleicht auch Deutschland, demnächst also die ersten Bildchen gedruckt werden, wird Singapur vielleicht schon Phase drei einläuten, bei deren Visualisierung es eigentlich nur noch die eine Steigerung geben kann: Endlich Raucher!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Völkermord in der Schweiz!

Menno Aden | Dauerhafter Link


07.12.2006 | 12:13 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Altes, totes Brot


Das Brot (Foto: Christian Y. Schmidt)

Nein, das hier (hinten links) (Foto: Christian Y. Schmidt)
Tote Tiere hat China praktisch nicht aufzuweisen, da diese sofort verzehrt werden. Dafür ist man hier sehr stolz auf ein paar hundert gut erhaltene, bis zu viertausend Jahre alte, tote Menschen, vulgo Mumien, die hauptsächlich in den letzten Jahrzehnten in den Wüsten der Wunderprovinz – Überraschung – Xinjiang ausgegraben wurden. Die Mumien sind grösstenteils im Museum des Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, Urumqi, zu besichtigen. Hier wird auch ein 2800 Jahre altes, ebenfalls sehr totes Brot ausgestellt, das 1985 auf dem Zaghinluq-Friedhof in Qiemo gefunden wurde. Das klingt verdammt alt für ein Brot, ist es aber gar nicht.

Wesentlich älteres Brot – es soll rund 5.500 Jahre alt sein – wurde 1999 in Yarnton, Oxfordshire, entdeckt. Das liegt natürlich in England, wo man gerne altes Zeugs – Stonehenge, Queen – aufbewahrt. Der älteste bekannte Kanten Brot der Welt stammt allerdings aus Montmirail in der Schweiz. Nach jahrelanger Forschungsarbeit konnte der Berner Brotforscher Max Währen den Brotrest auf 3700 vor Christus datieren, was der Schweizerische Bäcker-Konditorenmeister-Verband 1997 mit diesen Worten feierte: "Max Währen hat die Schweiz zum «Paradies» der uralten Brote gemacht. Unser Land besitzt die meisten urgeschichtlichen Brote der ganzen Welt." Forscher der ZIA konzentrieren sich jetzt auf die Suche nach der ältesten Butter dieses Planeten. Sie wird im Kühlschrank eines Bloggers im Wedding vermutet, einem Berliner Stadtteil, der Gerüchten zufolge als das "Paradies der uralten Brotaufstriche" gilt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Stavros ist tot

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


07.12.2006 | 05:28 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Das zweite Mooresche Gesetz


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Zahl der Transistoren pro Fläche alle 18 Monate verdoppelt. Das bisher unbekannte zweite Mooresche Gesetz besagt, dass veröffentlichte Artikel über das erste Mooresche Gesetz im gleichen Mass kürzer werden wie Speicherchips kleiner. Es gibt also noch Hoffnung für die IT-Berichterstattung.


06.12.2006 | 20:00 | Supertiere

Theke mit den Toten


"Tote Tiere leuchten ein" (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Diskotiere, auf eine Art (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Flexibilität ist ein Anspruch, der nicht allein an den Mensch gestellt werden muss. Auch Freund Tier, wahlweise treuer Gefährte oder erbitterter Gegner des Homo Sapiens Sapiens, ist dem neoliberalen Zeitgeist unterworfen und muss die eigene Verwertbarkeit nach Möglichkeit optimieren. Sogar nach dem eigenen Ableben – schliesslich veröffentlichen Tupac Shakur und Johnny Cash auch posthum noch Platten. Der grosse Vorteil der Tiere allerdings liegt in ihrer vielfachen Einsetzbarkeit nach dem Tode. Nicht allein als Wurst, Ikone, Von-Hagens-Scheibchen, Mythos oder Marke stehen sie zur Verfügung. Sondern Custom Creature Taxidermy sei Dank – auch als "wahnsinnig süsse" Nachtischlampe oder "irre niedlicher" Dekanter. Das Nutztier macht seinem Namen alle Ehre. Und fast nebenbei erweitert es das Konzept "Zweitverwertung" in ganz neue Bereiche, auf eine Weise ergibt der Begriff "Verwurstung" damit auch ohne Fleischwolf Sinn.

Das wird nicht folgenlos bleiben. Bis zu dem Tage an dem die Grossmutter als schweigender Butler oder Boxsack im Leben präsent bleibt, sind es nur noch einige, wenige moralische Handgriffe.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Stavros ist tot, Nachts leuchten die Ratten doch und Was darf Taxidermie?


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