Riesenmaschine

06.01.2007 | 13:56 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Everlasting Joy 6.10


Mit Matthäus-Icons! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Dass das Christentum eine OpenSource-Religion ist, darüber kann kein Zweifel obwalten. Wie im Lizenzvertrag mit dem himmlischen Urheber verbrieft, soll der Quelltext regelmässig eingesehen und unablässig weitergegeben und weiterverarbeitet werden. Die rastlose Produktivität im Bereich theologischer Publikationen legt hierfür ebenso feierliches Zeugnis ab wie die jüngste politisch korrekte Umdichtung des Quelltextes selbst. Ob letztere in der Lizenz inbegriffen ist, wird allerdings bestritten, dafür erquickt uns aber die seelengute Idee, OpenSource im OpenSource zu feiern: Ein christliches Linux – "mit verbesserten Standardeinstellungen für ein besseres christliches Erleben der Benutzeroberfläche". Und mit dem integrierten Hebräisch-Feature lassen sich auf evangelischen Kirchentagen gewiss noch viele weichgespülte Bibelübersetzungen vollbringen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Auf Kulanz zählen

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


06.01.2007 | 03:25 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Batterietheorie


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Bisher dachte man immer, die Batterie sei die kleinste Einheit des Universums. Zwar gibt es, wie im Periodensystem der Batterien festgelegt, verschieden grosse Batterien – Knopfbatterien, normale Batterien, 9-Volt-Blöcke, Autobatterien – aber jede für sich ist eben unteilbar und damit die Grundlage allen bekannten Lebens. Nun aber dieses schockierende Beweisfoto: Grössere Batterien sind doch teilbar und in ihnen befinden sich viele weitere kleinere Batterien. Und in denen geht das womöglich so weiter! Das renommierte Honzinger-Institut will sogar herausgefunden haben, dass man, "wenn man eine 12 V-Autobatterie längs durchsägt (...) 6 kleine Kammern, auch 'Zellen' genannt", vorfindet. Zellen? Sind also Batterien gar nicht die kleinste Einheit des Lebens, sondern leben selbst, als eigenständige Einzeller? Zum Glück besteht nur etwa ein Prozent des Universums aus Batterien und der grösste Teil aus Plasma. Trotzdem müssen die Forscher nun ihre Theorien umschreiben und auch der Weg zur Weltformel ist wieder ein wenig steiniger geworden. Den meisten Menschen ist das allerdings egal, sie freuen sich daran, dass die sechs in einem 9-Volt-Block befindlichen Zellen wie AAA-Batterien eingesetzt werden können und man damit sogar Geld sparen kann, wie hier beschrieben wird.


05.01.2007 | 18:24 | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Über die Anschlussfähigkeit von Kommunikation


Die E-Plus-Tarifpolitik (hier in Augsburg) ist zwar keine Schönberg-Oper, aber mindestens so hermetisch (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Man kann nicht nicht kommunizieren, ausser mit kaputten Handys. Wer aber ein neues Telefon braucht und also einen Mobilfunkvertrag abschliesst, zahlt manchmal keinen Anschlusspreis. Aber wann? Und warum dann gerade nicht? Und warum morgen dann wieder?

Die Abteilung Reverse Engineering Mobilfunkmarketing bittet um Ihre Mithilfe. Unsere Untersuchungen zeigen, dass E-Plus seit Monaten immer freitags, samstags und montags keinen Anschlusspreis verlangt (gilt auch im Internet). Dienstags, mittwochs und donnerstags hingegen muss der impulskaufende Verbraucher die 25 Euro teure Gebühr bezahlen. Warum?


05.01.2007 | 10:59 | Zeichen und Wunder

Servicehimmel Deutschland?


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Sag beim Abschied lousy Service! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Service – was für eine merkwürdig schillernde Vokabel? Obwohl Deutschland diesbezüglich in weiten Teilen der Welt immer noch als Diaspora gilt, begegnet einem das Wort doch beinahe auf Schritt und Tritt, wobei es die unterschiedlichsten Sachverhalte bezeichnet. Trotz semantischer und räumlicher Nähe meint zum Beispiel der "Videoservice" etwas ganz anderes als der "Filmservice". Kein Wunder also, dass nun auch die Evangelische Kirche sich auf ihre originären Servicequalitäten besinnt und im Zuge des liberalisierten Ladenschlusses noch einmal ihren erodierenden Wettbewerbsvorteil gegenüber dem stationären Einzelhandel marketingtechnisch voll ausspielt. Schliesslich ist Gottesdienst ja auch nur ein anderes Wort für Service – zumindest im Englischen.


05.01.2007 | 02:05 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Papierrascheln

93 Minuten


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
In ihrem Essay "Against Interpretation" von 1966 unterstellt Susan Sontag der modernen Interpretation von Kunstwerken offene Aggressivität. "Der Interpret verachtet eingestandermassen die Erscheinung, die Oberfläche des Textes." Solche Interpreten sollen zur Strafe die Oberfläche schrubben und zwar gründlich. In der Zwischenzeit beschäftigen wir uns mit einem dieser Tage erschienenen Filmbuch.

Die Herausgeber Michael Baute und Volker Pantenburg setzen darin eine Idee um, die so simpel wie grössenwahnsinnig ist. Nicht ein Autor schreibt über 93 Filme, sondern 93 schreiben über einen – über Charles Laughtons Film-Noir-Märchen The Night of the Hunter (Die Nacht des Jägers, 1955), den Jacques Rivette "den verblüffendsten Meteor der Filmgeschichte" nannte. Die Minutentexte: The Night of the Hunter versammeln so viele Autoren wie der Film Minuten hat – und jeder befasst sich mit exakt einer Filmminute. Und auch wenn das Zerhacken von Filmen in Minuten willkürlich erscheint, so gingen die meisten Autoren mit einem Zartgefühl zu Werke, auch und vor allem der Oberfläche des Films gegenüber, das die Gründlichkeit der Form komplementiert.

Die Interpreten haben jetzt genug geschrubbt, die Oberfläche des Textes ist schon ganz blank. Vielen Dank.


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