Riesenmaschine

19.10.2008 | 13:17 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

The Media is the (ehrliche) Message


Vermessenes Stück: Da war wohl jemand mit dem Zollstock vor Ort (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Graffiti gilt nun eher nicht als Subkultur mit Selbstwertproblemen. Selbst arg mittelmässige Maler fühlen sich berufen, ihre Namen und Motive ins Stadtbild zu setzen, und weder Talentlosigkeit noch Geldstrafen scheinen zu helfen. Wie erfrischend wirkt da jener Schriftzug in der Köpenicker Strasse in Berlins Mitte, der seinen Anspruch zum Ausspruch macht. Beinahe mag man hoffen, die neue Ehrlichkeit möge erst in angrenzende Jugendkulturen übergehen, um später zum allgemeinen Prinzip zu werden. Noch schöner wäre nur, wenn noch mehr Redebeiträge, in welcher Form auch immer, genau das sagen, was sie wollen. Eine Leuchtschrift "Aufmerksamkeit & Licht" (alternativ auch gerne "Leuchtschrift"). Oder noch mehr Bands, die in Liedern beschreiben, wie das Lied so wäre, wenn es wäre (während dann ja schon ist). Oder auch junge Männer, die auf Partys erklären, dass sie es schön finden, in einer Welt zu leben, in der man sich darüber unterhalten kann, dass man nicht weiss, worüber man sich unterhalten soll.


17.10.2008 | 02:51 | Berlin | Essen und Essenzielles

Leider ist dieser Text nicht von Wortmann


Kürzlich in Mexiko (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Das Wortspiel ernährt drei Berufsgruppen: moderne Lyriker, Komiker und Werbetexter, bzw. die Synthese aus allem: den Rapper. Es verführt aber auch zur "selffulfilling Standortwahl": in der Marienburger Strasse muss man einfach ein Burgerrestaurant aufmachen. Als Bestattungsunternehmen könnte man sich in der Ernst-Grube-Strasse ansiedeln, als Dealer in der Linienstrasse, als Satiriker am Eulenspiegelweg. Je intelligenter man ist, an umso schlechteren Wortspielen hat man ja Freude (während es gute Wortspiele nur für Dumme gibt.) Entsprechend muss man sich als Schornsteinfeger in Russland ansiedeln, als Fleischbeschauer in Finnland und als Jungfrau in England. Und als Bundeskanzler Frank Steinmeier muss man unbedingt einmal im Leben Frankreich erobern.


15.10.2008 | 08:55 | Alles wird schlechter | Was fehlt

Turn, baby, turn


Hat auch mal Verwirrung gestiftet und damit eine Wende ausgelöst: Günther Schabowski (Quelle) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Früher musste alles fliessen, heute muss sich alles wenden. Weil epistemic, linguistic und conceptual turn schon etwas länger her sind, besteht in der ananlytischen Philosophie dringender Bedarf nach einer neuen Wendemöglichkeit. Glücklicherweise gibt es seit geraumer Zeit X-Phi. X-Phi hat die schönen Intuitionen der Philosophie zu wichtigen Themen wie Scheunenattrappen und Kurt Gödel mit empirisch-sozialwissenschaftlichem Methodenschmutz beworfen und damit soviel Verwirrung gestiftet, dass ein turn in greifbare Nähe gerückt ist.

Unsicherheit herrschte bisher allerdings noch, welchen Namen er tragen soll: experimental turn? psychological turn? Das Erkenntnistheorie-Weblog Certain Doubts hat jetzt einen Vorschlag in die Diskussion eingebracht, der sich vermutlich durchsetzen wird: Dort nennt man die ganze Chose in Anlehnung an einen Text von Eric Schwitzgebel "genetic turn". Das Adjektiv "genetic" bezieht sich dabei nicht aufs Erbgut, sondern auf die Genese, jene junge, wilde Schönheit, die man uns schon in der Schule verboten hatte, mit ihrer etwas drögen, aber sympathischen Freundin Geltung zu verwechseln.

Die genetische Wende ist, jetzt, wo sie endlich einen Namen hat, natürlich höchstbedauerlich. Man kann ja schon kaum mehr mit Krethi und Plethi über Beziehungsprobleme oder Fussball diskutierten, ohne sich dauernd die Genese seiner Argumente vorwerfen zu lassen, geschweige denn mit Krethi- und Plethi-Poststrukturalisten. Nun fällt mit der analytischen Philosophie auch noch die letzte Bastion der Geltung. Wir flaggen Trauer, erkennen aber an, dass sich eben alles wenden muss und dass nie jemand was von "zum Guten" gesagt.


12.10.2008 | 17:48 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Schokolade hilft nicht ist eine Nachricht


Schutz vor Herzerkrankungen (Serviervorschlag).
Quelle: feastguru_kirti (Lizenz)
Zur wöchentlichen Wurst einer Wissenschaftsredaktion gehören Geschlechtsdimorphismen, niedliche aussterbende Tiere und Schokolade. Kürzlich wurde beispielsweise bejubelt, dass italienische Forscher ein niedrigeres Risiko für Herzerkrankungen durch den täglichen Genuss von 6,7 g dunkler Schokolade ausgemacht haben.

Das tendenziös, verklärte Medienecho zu Schokolade fordert eine kritische Berichterstattung zu ihrer dunklen Seite; wir tun daher unsere Pflicht zur Aufklärung im Folgenden und arbeiten die Nachrichten aus der Schokoladenforschung auf.

Sonst nimmt am Ende niemand wahr, dass die Dreingabe eines Schoko-Riegels (70% Kakao) bei norwegischen Physiotherapeuten keine Verbesserung des Rücklaufs von Fragebögen erzielte. Oder alle verpassen ihre Rolle als Auslöser von Migräne und die schockierenden Erkenntnis, dass das Verlangen nach Schokolade die geistigen Leistungen von australischen Studentinnen negativ beeinflusst.

Ergebnisse zu Trauben-Nuss liegen noch nicht vor.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Island, deine Riegel


10.10.2008 | 09:14 | Berlin | Nachtleuchtendes

Pelzgraffiti


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Angesichts der Kunsthandwerkisierung der Street Art und der Verschmelzung mit der Crafting-Bewegung (um mit Knitfiti nur ein Beispiel zu nennen) war das Auftauchen von Pelz-Graffiti nur eine Frage der Zeit. Wir geraten dementsprechend wenig aus dem Häuschen darüber, vermelden statt dessen emotionslos, ohne Ira und Studio und ausschliesslich, um unserer Chronistenpflicht genüge zu tun, die Sichtung ergiebiger Vorkommen dieser neuen Spielart mit – was sonst? – flauschigen Tiermotiven in der – wo sonst? – Auguststrasse in Berlin. Wir werden nicht wider die verwahrloste Verweichlichung der Strasse wettern. Auch den naheliegenden Vergleich mit Katzencontent im Internet verkneifen wir uns vorbildlich. Dafür bleibt uns Makrameeeulengraffiti dann aber erspart. Abgemacht?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Konservative Wände


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