Riesenmaschine

25.06.2009 | 10:18 | Anderswo | Papierrascheln | In eigener Sache

Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine 2009 – Tag 1

Dieser Beitrag wird nach jeder Lesung aktualisiert. Auf übersehene oder falsch vergebene Punkte bitte in den Kommentaren hinweisen. Kriterienliste.

Was bisher geschah:
Der Preis erklärt (2008)
2008, Tag 1
2008, Tag 2
2008, Preisverleihung

#1: Lorenz Langenegger, "Der Mann mit der Uhr"
Plus: 1, 2, 7, 11, 17, 22, 41, 64
Minus: 7, 10 doppelt, 16, 63 doppelt, 75, 85 einfach
Gesamt: 0 Punkte
(Pluspunkt 64 nachgetragen, siehe Soprans Blog)

#2: Philipp Weiss, "Blätterliebe"
Plus: 1, 2, 7, 12, 37
Minus: 3, 12, 18 einfach, 19, 24 einfach, 38, 72, 73, 79 einfach, 93, 105
Gesamt: -5 Punkte
(Minuspunkte 12 und 18 nachgetragen)

#3: Karsten Krampitz, "Heimgehen"
Plus: 1, 2, 10 einfach, 26 doppelt, 37
Minus: 10 doppelt, 15, 70 einfach, 85 einfach, 116
Gesamt: 0 Punkte
(Minuspunkt 39 gelöscht, war Missverständnis, Pluspunkt 10 eingefügt, nachdem wir beim Abendessen von Karsten Krampitz über seine Ausbildungen in Betriebswirtschaft, Statistik und Geschichte informiert wurden.)

#4: Bruno Preisendörfer, "Fifty Blues"
Plus: 1, 2, 7, 12, 20
Minus: 24 einfach, 57, 90, 95 doppelt
Gesamt: 0 Punkte

#5: Christiane Neudecker, "Wo viel Licht ist"
Plus: 1, 7, 10 doppelt
Minus: 12, 24 einfach, 29, 38, 44, 49, 63 doppelt, 93, 96
Gesamt: -7 Punkte

Kathrin Passig, Angela Leinen, Ira Strübel | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


23.06.2009 | 18:16 | Anderswo

Frakseen und -inseln


Fraktaalsee (Foto: NASA via Wikipedia)
Offenbar entschieden hat sich vor kurzem das vielbeachtete geographische Wettrüsten zwischen Kanada und den Philippinen um das fraktalste Alleinstellungsmerkmal der Welt. Nachdem Kanada mit seinem Paradepferd Manitoulin Island mehrfach in Führung lag, und zwar mit der grössten Insel in einem See, dem grössten See auf einer Insel in einem See und der grössten Insel in einem See auf einer Insel in einem See, zog es dann doch den Kürzeren, als die Philippinen ihren Supertrumpf, den Taalsee, ausspielte, und damit nicht nur den grössten See auf einer Insel in einem See auf einer Insel, sondern vor allem die grösste Insel in einem See auf einer Insel in einem See auf einer Insel aufzuweisen hatten.

Das ist natürlich schwer zu kontern. Kanada könnte ein grosses Loch in eine seiner Schachtelinseln sprengen oder aber in einem gewagten Schachzug sich selbst zur dann grössten Insel der Welt erklären. Experten halten diese Schritte jedoch für rechtlich nicht durchsetzbar.

(Quelle, via @quintic)


22.06.2009 | 00:21 | Alles wird schlechter

Obszöne Geste der Zukunft


Coco irgendwie krank (Foto: Christian Y. Schmidt)

Die Modeschöpferin Coco Chanel rauchte fünfzig Zigaretten am Tag, damit sie besser Mode schöpfen konnte. Deshalb gibt es kaum ein Foto von ihr, das sie ohne Zigarette zeigt. Nur in dieser Anzeige, die am letzten Wochenende in der Hongkonger South China Morning Post erschien, raucht sie keine. Das Bild ist allerdings nicht echt. Erst mal ist das hier gar nicht Coco Chanel, sondern Audrey Tautou, die in dem gerade in Hongkong angelaufenenen Film "Coco before Chanel" (Deutschlandstart: 13. August als
"Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft"
) die Titelrolle spielt. Und zweitens rauchte zunächst auch Tautou auf diesem Foto ganz Chanel-like. Die Zigarette aber wurde weggephotoshopt, weil die Hongkonger Gesetze Werbung mit Zigaretten drin oder drauf verbietet. Dasselbe ist übrigens auch in Frankreich strikt untersagt, weshalb hier beim Filmstart im April dieses Jahres gleich sämtliche Plakate mit demselben Motiv aus den Aushängen in der Metro verschwanden.

Was allerdings nach dem Eingriff auf dem Foto bleibt, ist eine zwar irgendwie verkrüppelt wirkende, aber dennoch erkennbare Geste des brennende-Zigaretten-Haltens. Damit wird natürlich auch aufs Rauchen verwiesen, wahrscheinlich sogar stärker, als wäre die Zigarette noch zu sehen. Über kurz oder lang wird also deshalb auch diese Geste zunächst in der Werbung und später dann im Leben als obszön geächtet werden. Die aufmüpfige Jugend von 2068 aber kann sich jetzt schon freuen, denn in den nächsten 60 Jahren wird sich ein grosser Batzen bizarrer gesellschaftlicher Normen und Verboten ansammeln, gegen die man dann wieder herrlich rebellieren kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: No smoking in hell

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


19.06.2009 | 03:39 | Berlin | Anderswo | Alles wird besser

Legotopie


Foto: Kathleen Waak
Das holländische Designkollektiv Platform21 hat vor einigen Monaten das Repair Manifesto veröffentlicht, einen Appell gegen die Wegwerf- und Austauschgesellschaft. Zu den Sympathisanten gehört unter anderem der Künstler Jan Vormann, der das Reparier-Thema in seinem Werk Dispatchwork Berlin verwurstet hat. In einer street-art-nahen Performance füllte er hierbei Anfang Mai Löcher und Scharten in Berliner Wänden – u.a. bei der Humboldt-Universität und beim Hamburger Bahnhof – mit Legosteinen. Ähnliche Aktionen hatte es auch schon in Tel Aviv und Bocchignano gegeben, am Freitag ist zudem ein von Platform21 und Vormann veranstalteter Workshop in Amsterdam geplant.

Noch ist es nur Kunst. Aber das waren Dosensuppen auch mal. Vielleicht wurde durch Vormann erst jetzt das wahre Potenzial, die wahre Bestimmung von Lego zu Tage gebracht. Vielleicht ist Lego auf dem besten Weg, den Allesgeräten des Reparierbusiness – Heisskleber und Gaffer-Tape – den Rang abzulaufen und schon bald werden wir unsere Socken, Fahrradreifen und Kessel mit Lego flicken, Autobatterien mit Legokabeln überbrücken und abgebrochene Fahrradreflektoren mit einer Ummantelung aus Lego fixieren. In der Folge wird sich Lego dann als allgemeiner Überwerkstoff durchsetzen und auf das Beton- das Legozeitalter folgen. Alles wird aus Lego gefertigt sein und wenn etwas kaputt geht, kann man einfach ein paar Steine aus einer leeren Milchtüte brechen und es reparieren. Dänemark wird das reichste Land der Welt sein und alle Menschen glücklich.

Problematisch wird es nur werden, wenn man nach Australien, Ostasien, in die USA oder in die Schweiz reist, weil sich dort keine Original-Legosteine, sondern andere Standards von Konkurrenzanbietern, mit im Millimeterbereich differierendem Lochabständen, durchsetzen werden. Dort muss man dann teure Adaptersteine verwenden.


14.06.2009 | 12:47 | Berlin | Alles wird besser

Schultrend Trendschule


Foto und Idee: Hazel via Sarer (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Während um uns herum ganze Wirtschaftszweige in Schutt und Asche gelegt werden, verzeichnet das Trendbusiness seit Jahren konstant zweistellige Wachstumsraten und ist ein wichtiger Motor der deutschen Exportwirtschaft. Doch wieder einmal zeigt sich, wie verfehlt die Bildungspolitik der letzten 20 Jahre war: Schon jetzt gibt es zu wenig ausgebildete Trendscouts, ein Engpass, der sich noch verschärfen wird. Um weiterhin auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben, wirbt das Arbeitsministerium bereits in Trendnationen wie Finnland, Island, Estland und der Schweiz hochqualifizierte Fachkräfte an.

Kluge Trendhasen schreiben sich also noch heute für die Wintersemesterkurse der TREND-SCHULE ein, an der schon Matthias Horx das kleine Trend-ABC lernte. Schon der Name nimmt einen bisher nur Supertrendsettern bewussten Supertrend der Zukunft vorweg: Die Renaissance der Grossbuchstaben und Bindestriche (frühere Namen der Schule: TrendSchule, trendschule, Tr@ndschule, Trend:Schule).

Ein Auszug aus dem Vorlesungsverzeichnis: "Was ist das neue Schwarz?" (Mo, 16-18 Uhr), "Neues aus der Wording- und Namingbranche" (Mi, 10-12 Uhr), "Wie hebe ich eine Lebensmittelgruppe ins Luxussegment? Case Study: Wasser" (Mi, 14-16 Uhr), "Gefährliche Godot Trends" (Ringvorlesung, Do, 18-20 Uhr, u.a. mit dem Erfinder des Jetpacks als Gastdozent). Ausserdem auf dem Stundenplan: Computerkurse, denn was viele heute noch nicht ahnen: ein Grossteil der Trends von morgen findet im Internet statt. Also: Jetzt anmelden! Sie sind nur wenige Mausklicks von Ihrem Ziel entfernt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Slowenien war die neue Schweiz


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"Iron Man", Jon Favreau (2008)

Plus: 25, 75, 80, 93, 96, 97
Minus: 99, 116
Gesamt: 4 Punkte


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