Riesenmaschine

21.01.2009 | 02:01 | Berlin | Zeichen und Wunder | Papierrascheln

Subliminal Killer

Sah ein Knab' ein Röslein steh'n / Röslein auf der Heide ... Eingedenk dieses Dichterwortes wollen wir einen Moment innehalten vom hektischen Treiben in der Spektakelgesellschaft und ein neues Sub-Genre der Street Art bzw. Urbanen Kalligraphie belobigen, das so subtil, subkutan, ja, subliminal daherkommt, dass es Gefahr läuft, gänzlich unbemerkt zu bleiben. Das raumgreifend Virile und Martialische, welches dem Graffiti-Urahnen noch in strenger Form zueignete, wird darin poetisch-feinfühlig ins Empfindsame transformiert. Auch begegnet man ihm gar nicht auf der Strasse, sondern im Hochregallager der Tempelhofer IKEA-Filiale, beim Zubehör für die PAX-Kleiderschränke. Dort nämlich, tief vergraben in einer Schütte mit KOMPLEMENT-Aufbewahrungsbehältern, 6er-Set, 7,99 €, hat ein gewisser AKTI3 seinen kleinen Tag-Sticker angebracht: als eine Form des homöopathischen Terrorismus im Reich der Zeichen, als konzeptuelle Miniatur über die Kunst des Verschwindens, oder aber als semiotische Flaschenpost aus dem Ghetto der Unterprivilegierten an die neobourgeois-saturierten Nestbauer, die wir sind. So geht IKEA Hacking wirklich.


Kommentar #1 von Schnauzbart:

Welche Botschaft dieser möglichen Flaschenpost hat HF denn vernommen?
Bitte weiterleiten, da Interesse an Unterprivilegierten!

21.01.2009 | 11:32

Kommentar #2 von Holm:

Die Botschaft lautet: "Wir sind auch noch da. Und wir beobachten, was ihr so macht."

21.01.2009 | 12:23

Kommentar #3 von irgendwem:

Dem stimme ich zu. Wer etwas anderes behauptet, möge es bitte beweisen.

21.01.2009 | 14:46

Kommentar #4 von Vielleicht doch eher so?:

"Herr Sämig, dekorieren se doch bitte den Zubehörbereich für die PAX-Kleiderschränke um, uns liegen verlässliche Infos vor, dass heute nachmittag der Autor Holm Friebe vorbeischaut und da soll das hier doch nich so aussehen wie Kraut und Rubens, ne?!" Dekorationsleiterin Pausewang, sonst eher Fels in der Brandung der Filiale, war sichtlich aufgedreht. Lief da etwa etwas zwischen ihr und dem Autor? Na egal, dachte Bert Sämig und machte sich an die Arbeit. Zum Schluss noch die KOMPLEMENT-Aufbewahrungsbehälter auffüllen, damit der Autor auch wirklich kein Haar in der Suppe fände. Wie waren die denn jetzt... ? Ach ja, Artikel 3, die gute Pausewang hatte ja letztens überall noch kleine Hinweisschildchen aufgeklebt, damit "et fluppt". So, schnell noch die Schildchen entfernen – fertig! Gerade noch rechtzeitig, denn justemang klingelte die Glocke der Ladentür und, begleitet von seinem Hofstadt und unter den begehrlichen Blicken von Frau Pausewang betrat niemand anderes als der Autor das Geschäft.

22.01.2009 | 10:34

Kommentar #5 von #4:

schon interessant was die jugend immer wieder hervorbringt und somit einen teil zur zeitgenöschischen und allgemein menschlichen kultur beiträgt...finde ich klasse

22.01.2009 | 11:03

Kommentar #6 von Doris Pausewang:

Kommt ihr mir nach Hause!

22.01.2009 | 13:14

Kommentar #7 von Gudrun Pausewang:

Die Benutzung meines Nachnamens kostet extra. A wie Anwalt. Sie hören von uns.
Schlitz, 22.01.09

22.01.2009 | 13:38

Kommentar #8 von AKTI3:

Wa?

27.01.2009 | 08:02

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