05.04.2011 | 09:46 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Sachen anziehen | In eigener Sache
 Dieses T-Shirt kann man nicht kaufen. Es existiert nicht mehr.Wenn den Inhaber eines englischen Landsitzes im frühen 20. Jahrhundert der Wunsch ankam, am nächsten Tag zu golfen oder Cricket zu spielen, mussten alle 20 Hausangestellten im Morgengrauen aufstehen und mit Nagelscheren den Rasen trimmen, ein für fast alle Beteiligten unschöner Zustand, der sich erst durch die Erfindung des Rasenmähers änderte.
Heute sitzen teuer ausgebildete Grafiker an teuren Designertischen in teuren Büros, nur um den ganzen Tag "I Herz Gelsenkirchen", Regenbögen und Bandnamen auf T-Shirts anzuordnen. Nach Feierabend müssen sie teure Getränke gegen den Kummer einnehmen, und nachts träumen sie in Comic Sans davon, dass Sumsen buper ist. Aber auch dieser quasi vorindustrielle Zustand hat jetzt ein Ende. Mitarbeitern der Riesenmaschine ist es gelungen, die Herstellung zeitgenössischer T-Shirt-Motive vollständig zu automatisieren. Die Zufallsshirt-Maschine erzeugt mechanisch aus einer zufälligen Kombination von Zufallsbild und Zufallstext in Zufallsschrift und Zufallsfarben ein nur ein einziges Mal existierendes Zufallsmotiv, das ebenso vollautomatisch von der Leipziger Firma Spreadshirt auf ein Kleidungsstück gestempelt und zugestellt wird. Nur beim Tragen ist noch der Einsatz von Menschen erforderlich. Die so erzielten Einsparungen werden direkt an die Käufer weitergegeben!
Die Auswahl von Zufallsshirt umfasst unendlich viele T-Shirts, das ist mehr, als in die meisten Kleiderschränke passt. Politik, Poesie, Abendgestaltung, nonkonformistische Provokation und süsse Tiere, die Maschine deckt alle wichtigen Shirtaussagenbereiche des 21. Jahrhunderts ab. Die Grafiker atmen auf und können sich nun ungestört dem Layouten von Flyern, Konzertplakaten und grossformatigen Büchern über Flyer und Konzertplakate hingeben. Ein paar Tage noch, bis jemand eine Flyermaschine, eine Konzertplakatmaschine und eine Designbuchmaschine auf den Markt wirft.
18.09.2010 | 00:18 | Nachtleuchtendes | Supertiere | Papierrascheln | In eigener Sache
 Erstaunliches BuchDieses Buch hat, wie man deutlich sieht, ein Kaninchen auf dem Cover, mithin fast ein Nagetier. Es stammt aus dem daoistischen Dong Yue Tempel im Osten Pekings, der dem Gott des heiligen Bergs Taishan gewidmet ist, der wiederum mit dem Unterweltgott Yama identisch sein soll. Das etwa ein Meter siebzig grosse Kaninchen steht in einer der siebzig Hallen, die sich um den Haupttempel gruppieren und in denen Szenen aus der chinesischen Hölle nachgestellt sind. Was das Kaninchen in der Hölle soll, ist nicht exakt herauszukriegen. Wahrscheinlich wird es der vom Herrn der Unterwelt ernannte Kaninchengott Tu Er Shen sein, der im daoistischen Götterkosmos die Liebesbeziehungen zwischen homosexuellen Männern verwaltet.
Und so spricht das soeben erschienene Buch bisher in erster Linie schwule daoistische thanatophile Kaninchenanbeter an, die es auch ohne weitere Aufforderung kaufen. Da diese Gruppe allerdings zu klein ist, um nur die Druckkosten wieder einzuspielen, muss das Buch für andere Käuferschichten ganz platt und deutlich beworben werden. Also: Zum ersten Mal tot wurde auch speziell für Riesenmaschinenleser geschrieben. Es handelt nämlich nur von extrem wichtigen Innovationen, und zwar im Leben des Riesenmaschinenautors Christian Y. Schmidt: Der ersten Ratlosigkeit, dem ersten Sex, der ersten Droge, der ersten Tracht Prügel, der ersten Reue und dem ersten Aufenthalt in der echten Hölle. Das Buch ist ganz gut und darf in keiner Innovationsfreakbibliothek fehlen. Ergo: Kaufen Sie's!
Nicht mehr ganz so taufrisch ist die Idee, Riesenmaschinenautoren ihre eigenen Bücher in der Riesenmaschine selbst bepreisen zu lassen. Darum ist es auch nicht mehr ganz so peinlich. Sollten Sie mich allerdings eines Tages dabei erwischen, wie ich Leserbriefe an Tageszeitungen verfasse: siehe hier: 1. Absatz, 9. Zeile!
21.06.2010 | 00:54 | Anderswo | Papierrascheln | In eigener Sache
 Links: Der attraktive Riesenmaschine-Preis. Rechts: Glücklicher Gewinner. (Klagenfurt, Wörtherseestrand, Foto Riesenmaschine)Am Mittwoch, den 23. Juni, beginnt eins der vier wichtigen Feste im Riesenmaschine-Jahr: die Klagenfurter Tage der deutschsprachigen Literatur. Wie schon 2008 und 2009 werden wir wieder den mit 500 Euro dotierten Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine verleihen. Die aktualisierte Kriterienliste steht für den diesjährigen Bewerb fest und kann erst für 2011 wieder geändert werden; Vorschläge bitte wie immer in den Kommentaren einreichen.
Während der Lesungen steht die punktvergebende Riesenmaschine-Jury vor Ort erfahrungsgemäss unter Stress, Zeitdruck und Badewunsch, nicht jedes in den Texten vorkommende Nagetier wird immer sofort entdeckt und gewürdigt. Wir bitten um Verständnis für den Fall, dass die vergebenen Punkte eventuell im Laufe der Lesetage noch nach oben oder unten korrigiert werden müssen, und werden diese Korrekturen in diesem Jahr transparenter als in den Vorjahren zu machen versuchen. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Verfahren frei von jeder Willkür, das jeder Interessierte anhand des Kriterienkatalogs selbst nachvollziehen kann.
In Klagenfurt lesende Riesenmaschineautoren – diesmal: Aleks Scholz – sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Ergänzend zur Punktevergabe in der Riesenmaschine werden auf dem Schwesterschiff Lesemaschine lesevorbereitende und -begleitende Dienste geleistet.
14.05.2010 | 16:36 | Anderswo | Zeichen und Wunder | In eigener Sache
 So spielt man mit Studenten. (Foto: Helico, Lizenz)Teil zwei der Reihe "Die Zentrale Intelligenz Agentur entdeckt totgeglaubte Kulturformen": Nachdem die ZIA 2008 das Radio gerettet hat, wird 2010, genauer: am Dienstag, dem 18. Mai um 20 Uhr, am Nationaltheater Mannheim die szenische Lesung des ersten ZIA-Theaterstücks "Warten mit Godot" stattfinden. Ein rasanter Ritt durch 2.000 Jahre Bühnengeschichte, gerade theaterfernen Schichten zu empfehlen.
"Es ist noch niemand so weit gegangen. 'Warten mit Godot' ist so sehr allem bis anhin Gesehenen voraus, dass es streng genommen unmöglich ist, ihm mit deutenden oder auch nur beschreibenden Worten nachzukommen. Eine Küche, ein Kartenspiel, das ist die ganze Szenerie von Anfang bis Ende. Vier Personen verbringen hier die Zeit – mit nichts. Sie heissen Godot, Bernd, Bernd und Bernd. Godot ist eigentlich mit den beiden Landstreichern Wladimir und Estragon verabredet, irgendwo auf einer Landstrasse an einem Baum. Aber die geschwätzigen Bernds und das auf ewige Fortsetzung drängende Kartenspiel erschweren seinen Aufbruch. Zwischendurch taucht Kasimir Blanko auf, ein reicher, blühend selbstgefälliger Herr, der einen Vortrag voll kluger Prophezeiungen verfassen muss. Währenddessen geht das Spiel weiter seinen Gang und man ahnt, Godot wird sich niemals losreissen können.
Was aber schon in einer solchen Zusammenfassung unmittelbar ins Auge springt, das ist die grosse Einfachheit und Reinheit der dramatischen Struktur. Die klassische Einheit von Ort, Zeit und Handlung wird gewahrt. Was aber hat Godot mit diesen Bernds zu tun und wer ist er? Keine einzige der möglichen Deutungen ist ihm erspart geblieben. Es hiess, er sei Gott, wie es ja die erste Silbe seines Namens sage. Es hiess auch, er bedeute den Tod – aber man würde mit gleichem Recht auch sagen, er bedeute das Leben. Von all dem kommt jedoch im Spiel nichts zur Sprache, es bleibt wunderbar konkret wie ein Kasperletheater für Kinder: Godot ist und bleibt ein Wesen, das zwei Vaganten an einem Strassenrand erwarten und das aber lieber mit den Bernds beim Kartenspiel in der Küche abhängt.
Das Drama ist, dass die Zeit vergehen muss und dass man wach bleiben sollte. Und alles, was sich auf der Bühne zuträgt, das sind die Formen dieses Wachseins – Karten spielen, Bier trinken, über Dinge reden. Und darum ist das Stück lustig, ja man möchte es sogar ein Meisterwerk des Humors nennen. Der Humor der ZIA bleibt nicht auf die belanglosen Bezirke des Lebens beschränkt, sondern durchläuft den ganzen Raum von Leben und Tod, und er tut dies nicht als eine Beigabe, vielmehr als die unmittelbare Gegenseite des Tragischen."
(Gerda Zeltner in der Neuen Zürcher Zeitung vom 10. März 1953)
12.04.2010 | 14:56 | Berlin | In eigener Sache
 Debattierclub trifft EchtzeitwebNach Powerpoint-Karaoke und Domain Name Scrabble bringt die ZIA am 15. April die Mutter aller Improvisationsformate auf die re:publica-Bühne: Der Laberflashmob ist eine Live Lecture Battle, bei der mehrere Teams gegeneinander antreten und jeweils zu einem Zufallsthema kollaborativ in einem Skype-Gruppenchat einen Vortrag schreiben. Dieser wird zeitgleich mit dem Schreibprozess auf der Bühne von einem Team-Mitglied dem Publikum als Lecture vorgetragen – wie das aussehen kann, zeigt unser Telepronto-Vortrag aus dem letzten Oktober. Eine hochkompetente Jury beurteilt gnadenlos Kohärenz der Argumentation, sprachliche Eloquenz und Gesamtperformance, kürt am Ende des Abends den Sieger und verteilt tolle Preise. Ein bunter Spass für fingerschnelle Netzviecher, moderiert von Holm Friebe, dem Peter Frankenfeld des Improformatzirkus!
Anmeldung Die Anmeldung erfolgt vorab per Mail an mail@riesenmaschine.de – first come, first serve, wir bestätigen schnellstmöglich, ob ihr dabei oder auf der Warteliste seid. Es werden ein Teamname und die Namen der Teammitglieder (mindestens vier plus Sprecher) benötigt. Vor Ort anwesend muss nur der Sprecher sein – der Rest des Teams kann irgendwo in der Weltgeschichte rumsitzen.
Ablauf Ein Vortrag dauert minimal 10, maximal 15 Minuten, danach gibt es Feedback von der Jury. Die Themen werden eine halbe Stunde vor dem Vortrag an die Teams verschickt. Es wird empfohlen, einen eigenen Laptop mitzubringen (VGA-Adapter nicht vergessen!). Notfalls kann aber auch unser Notebook, mit unserer Skype-Version und -Konfiguration, genutzt werden.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Unterer Letten
- Induktion
- Erfundene Fremdworte (Pliasmen)
- wilde Spekulationen
SO NICHT:
- RAZR V3 (hallo Software?)
- gedeckelter Buckelpokal
- unter Letten (und nur Deutsch sprechen)
- Deduktion
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"No one lives", Ryuhei Kitamura (2012)
Plus: 32, 35, 42, 48, 80, 96, 101, 104, 135, 143, 144 Minus: 209 Gesamt: 10 Punkte
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