Riesenmaschine

29.08.2005 | 02:57 | Was fehlt | Listen

Wo zu wohnen sey


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Immer noch fehlt es an brauchbaren Richtlinien zur Wahl des Wohnortes. So arbeitet die oft zitierte Studie von Mercer HR mit völlig ungeeigneten Kriterien zur Ermittlung der Lebensqualität von Städten. Die Dichte von Sporteinrichtungen z. B. hat mit Lebensqualität wenig zu tun, denn wer möchte sich von Hallenbadbenutzern vorschreiben lassen, wo man am besten wohnt? Auch die Kriminalitätsrate ist zunächst mal unerheblich, solange man nicht im Mittel einmal pro Jahr erschossen wird. Wenn man das Problem derart falsch angeht, muss man sich nicht wundern, wenn Genf den Wettbewerb 2005 gewinnt und Frankfurt als beste deutsche Stadt auf Platz fünf landet. Eine repräsentative Umfrage unter Riesenmaschinenautoren ergab, dass 0% der Befragten lieber in Frankfurt als in Berlin (Platz 14) leben möchten. Das sind erschreckende Zustände – muss man also doch monatelang in allen möglichen Städten der Welt probewohnen, bevor man sich für einen Wohnort entscheidet? Weil ab September die Datenerhebung für 2006 beginnt, soll hier eine vorläufige Liste von Maßzahlen zur verlässlichen Bestimmung der Lebensqualität von Städten vorgestellt werden:

A) Anzahl der blöden Bemerkungen, die man sich innerhalb von 10 Minuten anhören muss, nur weil man in der U-Bahn auf dem Kopf steht
B) Anzahl der Verbotsschilder pro Quadratkilometer mal Anteil der Bewohner, die Verbotsschilder beachten, mal Anteil der Polizisten, die Verbotsschilder beachten
C) Anzahl der seltsamen Blicke, die man erntet, wenn man, sagen wir, mit einer großen Krokodilkopfmaske aus Gummi durch die Straßen läuft
D) Stunden, die durchschnittliche Läden für Produkte des täglichen Bedarfs pro Woche geschlossen sind
E) Summe aus der Entfernung zum nächsten Hochgebirge und zum nächsten größeren Gewässer
F) Verhältnis aus der Anzahl der Pantomimen in der Fußgängerzone zur Anzahl lustiger Tiere in den Grünanlagen

Addition von A bis F (irgendwie gewichtet vermutlich) ergibt den "Life Quality Index" (LQI), der natürlich möglichst klein sein sollte. Im Bild der seltene Ausnahmefall Vancouver – sowohl bei Mercer als auch laut LQI zuverlässig unter den besten Städten der Welt.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


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