Riesenmaschine

26.02.2008 | 01:44 | Berlin | Papierrascheln | In eigener Sache

Doctorow kommt


Foto: Bart Nagel
Die Riesenmaschine macht neben ihrer derzeit etwas dezenter verfolgten Kerntätigkeit als Blog auch noch andere Dinge: Sie veröffentlicht Printkolumnen, schreibt Bücher, verkauft T-Shirts, gewinnt Preise, baut Altare und veranstaltet dann und wann auch Lesungen. So etwa am 28. Februar, also Donnerstag, um 20.30 Uhr. Zu Gast ist Cory Doctorow, Blogger bei einer unserer Lieblingsquellen (Boing Boing), Digital-Rights-Aktivist und Science-Fiction-Autor, dessen Texte grösstenteils unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht wurden und dessen vorletzter Roman Backup genau wie das Riesenmaschine-Buch als PDF zum Download angeboten wird. Ausserdem ist er Kanadier! Im Mudd Club in Berlin (Grosse Hamburger Strasse 17) wird Doctorow aus seinem neuen Roman "Upload" lesen und sich anschliessend mit Philipp Albers, Holm Friebe und dem Publikum über seine Arbeit unterhalten, der Eintritt beträgt 5 Euro.


25.02.2008 | 01:58 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Geburtsfehler Umrissflagge

Nation Building ist eine schwierige Aufgabe und gewiss kein Zuckerschlecken. Alles muss man sich neu ausdenken, Verfassung, Regierungsform, Polizeiuniformen, und nachher schlagen sich die Leute doch nur wieder die Köpfe ein. Im Falle des Kosovo hätte die ganze Sache schon fast als gescheitert betrachtet werden müssen, als das Aussehen der neuen kosovarischen Staatsflagge feststand. Nicht nur dass das zugehörige vexillologische Symbol laut Wikipedia immer noch unklar ist und so Chaos und Durcheinander Tür und Tor geöffnet werden – die Umrisse des Landes aus dem Atlas ausschneiden und ein paar Sterne drüberkleben, weil man gerne in die EU möchte, so geht's natürlich sowieso nicht.

Umrisse sind schliesslich die denkbar langweiligste Art, eine Landesflagge zu gestalten: konkret, einfältig, für Kindergartenkinder schwer nachzumalen und als lustiges Ausnahmeexperiment auch schon lange an die frech im Mittelmeer herumliegende Inselrepublik Zypern vergeben, also eine klare Copyrightverletzung. Umrisse sind höchstens auf der Flagge der Vereinten Nationen angebracht, denn die Grenzen der Welt sind nicht so flüchtig wie die eines Landes – und vom Wegschmelzen bedrohte Landmassen wie die Antarktis wurden bei der Zeichnung einfach weggelassen.

Vorbild für den Kosovo hätte in dieser Frage, wie in so vielen anderen, eher Nepal sein müssen, das eine Flagge mit lustiger Doppelwimpelform und einem Hut (verkleidet als Halbmond und Stern) spazieren führt. Oder wenigstens Libyen, wo man viel Platz für eigene Ideen gelassen hat. Selbst die Vereinigten Staaten, traditionelle Verbündete der Kosovaren, haben es doch besser hingekriegt: Die Stars and Stripes können immerhin ein ausgefallenes Seitenverhältnis von 10 zu 19 und prinzipielle Upgradefähigkeit aufweisen. So macht man es, neuer Staat in unserer alten Runde! Aber du bist ja noch eine junge Nation, Kosovo, gerade erst in der Pubertät, da ist es durchaus erlaubt und geboten, Sachen auszuprobieren.


21.02.2008 | 20:38 | Alles wird besser | In eigener Sache

Normal ist, wenn man trotzdem

In der Kategorie "Texte, die wir gern selbst genau so geschrieben hätten" erreichte uns vergangene Woche ein Beitrag aus der Rubrik "Das Prinzip" im SZ-Magazin. Andreas Bernard beschreibt hier anlässlich der jüngst publik gewordenen Ankündigung von Aral, sein Normal-Benzin abzuschaffen, die schleichende Abkehr vom Prinzip Normal und stellt fest: "Vertraute Eichpunkte, Standards und Normgrössen lösen sich auf und werden von Kategorien ersetzt, die ursprünglich für einen besonderen Mehrwert, einen Überschuss standen. Wie an den Zapfsäulen nun kein 'Normal' mehr getankt werden kann, gibt es in Cafés oder Kinos die Getränkegrösse 'Medium' nicht mehr (geschweige denn die Einheit 'klein'.) Die Kaffeegrössen bei Starbucks beginnen bekanntlich bei 'tall', gefolgt von 'grande'; die Skala besteht also nur noch in Varianten von gross." Was ehemals als normal galt, kommt laut Bernard dann allerdings schon wenige Jahre später auf den Markt zurück: Gelabelt als "Classic" oder "Original".

Mit diesem beklagenswerten Niedergang der Mittelmässigkeit beschäftigt sich auch "Gut genug", die erste Folge eines neuen Kulturformates der ZIA: Der Radioreihe Folge 137, die 2008 alle zwei Monate auf Deutschlandradio Kultur zu hören sein wird. Jede Ausgabe ist jeweils die 137. Folge einer Sendung für gesellschaftliche Grossgruppen ohne eigenes Sendungsbewusstsein. Gut genug wird dabei auf ausreichend okaye Weise die Freuden und Sorgen einer untergehenden Mittendringruppe wiederspiegeln: Der Reisereporter berichtet aus dem beschaulichen Molpe, der "matten Perle im Moor", der Haus-Lyriker lobt das lauwarme Wasser und der Wissenschaftskorrespondent beklagt die Erkenntnis, dass durchschittliche Gesichter nun doch nicht die schönsten seien, was aber letztendlich okay sei, denn extreme Schönheit schade ohnehin. Ausgestrahlt wird Gut genug in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 0.05 Uhr – nicht die optimale Sendezeit, aber hey. Der Link zum Podcast wird dann am Montag in den Kommentaren nachgereicht, einen schnell zusammengeschraubten Teaser kann man bereits hier hören:


20.02.2008 | 02:57 | Supertiere | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Die Frühjahrsfiguren 2008 sind da


Quelle: Leonhart

Lange erwartet, ist sie nun endlich auf dem Markt: Die neue Kickerfigurenkollektion vom Traditionshersteller Leonhart. Während die Fachwelt über die Füsse diskutiert ("Ist die Breitseite des Fusses ein bisschen dicker? Wäre ja schön für Tick-Tack"), interessiert uns vor allem die markant veränderte Gesichtsgestaltung. Es ist die Lust an der Simplifizierung, die die Leonhart-Designabteilung trieb, und damit eine Tendenz, die schon beim Übergang von der dritten zur vierten Generation sichtbar wurde, fortsetzt – ausschlaggebend für diese Entscheidung dürfte das höhere Identifikationspotential mit den neuen Figuren sein (vgl. Scott McCloud/Ligne Claire). Ansonsten sind diverse zeitgenössische Einflüsse unübersehbar, die zugleich auf einen breit gefassten Kulturbegriff im Hause Leonhart schliessen lassen: Viel Bob the Builder, eine Portion Ness, ein klarer Einfluss aus der Emoticon-Ecke und alles verfeinert nach dem Kawaii-Prinzip – so sieht Tischfussball im 21. Jahrhundert aus. Und das sagen die Experten zum neuen Design: "Die Mütze scheint höher (runder) zu werden – was bei hochgestellten Figuren nicht ganz so toll ist, weil der Ball dann noch leichter an den Köpfen hängen bleibt." So kann man es natürlich auch sehen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Der Ball ist klein


18.02.2008 | 11:54 | Anderswo | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Alpenkräuter-Vending Machine

Man muss es leider so sagen: Der Alpenkräuter-Automat der SAH Alpenkräuter AG, als touristische Hauptattraktion der Gemeinde Weissenburg-Därstetten schon weit vor dem Ortseingang auf Schildern angekündigt, ist eine Enttäuschung. Anders als bei Maden, Würmern oder Schweinesperma handelt es sich bei den feilgebotenen Alpenkräutern in Varianten von "Bio Alpen-Chili" bis "Bio Himalaya Salz pikant" (sic!) nicht um Frischware, sondern um Trockengut in Glas und Tüten (was angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit noch zu entschuldigen wäre). Zudem sind fast die Hälfte der Slots leer. Ein Glas "Alpenkräutertee gross" hat sich hartnäckig im Ausgabeschacht verkeilt. Werte Eidgenossen: So lieblos wird das nichts mit der automatisierten Revolution im Einzelhandel.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Instantwurst


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"Krabat", Marco Kreuzpaintner (2008)

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