Riesenmaschine

30.06.2007 | 11:40 | Anderswo | Alles wird schlechter

Kinderwunsch

Das Konzept Kind kann man schlicht und einfach subsumieren auf ein einziges, alles bestimmendes Paradoxon. Je kleiner die Person, desto grösser die Wünsche. Und der grösste Wunsch ist es, grösser zu sein. Alles muss riesig sein, und sehnsüchtig wartet man auf den fernen Tag, an dem man Dinge machen kann, die die Grossen offenbar antreiben, aus denen sie Kraft und Freude gewinnen. Für diese scheinbar unendlich lange Wartezeit gibt man den Kleinen Versprechungen wie Schokoladezigaretten und Spielzeugautos.
Japanische Kinder bekommen nun auch noch ihren eigenen Rotwein, Champagner und ein Mädchen- und ein Bubenbier (Bild), eins das richtig gelb ist, und von dem man einen echten Bierbart bekommt (hier im Filmchen). Der hohe Zuckeranteil in dem Gebräu kann die Kleinen bei einem Übermass an Konsum genauso aufdrehen, schunkeln und lallend machen wie die richtigen Menschen.

In Österreich, Wassermanipulationsweltmeister, hat nun die Firma Vöslauer ebenfalls eine Erwachsenendomäne aufgeweicht, Mineralwasser für Kinder, Vöslauer junior, denn "Mineralstoffe brauchen Kinder beim Spielen oder bei langen Autofahrten" und "in Österreichs Schulen wird tendenziell zu wenig getrunken". Allerdings droht und dräut hier der bekannte Komaeffekt, allerdings durch Mineralschock, denn Kinder können, wie man weiss, den Hals ja nie voll genug kriegen, vor allem wenn sie angehalten sind, sich bereits in der Schule vollaufen zu lassen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Marula, warum?

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


29.06.2007 | 11:08 | Vermutungen über die Welt

Endlich: Motu proprio


Papst Benedikt XVI.: Elegantia, per favore!
Alle forderten es, Harald Schmidt forderte es, Eckhard Henscheid forderte es und Ludwig Wittgenstein, und auch wir haben an anderer Stelle verlangt, dass die lateinische Sprache umgehend abgestaubt, restauriert und rehabilitiert werden muss. Wenigstens in Rom wurde der Ruf gehört und Papst Benedikt XVI. reagierte nach italienischen Verhältnissen postwendend und hat die Heilige Messe nach dem alten lateinischen Ritus wieder freigeschaltet. Hoffnung keimt, dass sich die älteste Institution der Welt wieder auf ihre noblen Formen besinnt und einsieht, wieviel Schmerz und Leid nach der Liturgiereform durch selbstgestrickte, auf der Ökogitarre hingeklampfte Knuddelgottesdienste verursacht wurde.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (7)


29.06.2007 | 01:40 | Supertiere | Alles wird besser

Zebrafinksexen


Keine Reittiere, keine Lasttiere: es handelt sich um konvergente Evolution.
(Foto: 28481088@N00) (Lizenz)
Zebrafinken wird übel mitgespielt. Nicht nur, dass man sie oft fälschlich für gestreifte Pferdefinken hält, auch die bisherige Methode der Geschlechtsbestimmung, bei der der Fink mit Bier vollgemacht und danach belauscht wurde, war nicht nur entwürdigend, sondern ausserdem auch noch unzuverlässig. Jetzt gibt es endlich eine einfache Methode, bei der ein degenerierter Primer aus einem winzigen Tropfen Finkenbluts PCR-verstärkt wird, was immer das heisst. Das effektive und vogelfreundliche Verfahren zur Zebrafinkensexung, auf das die Zebrafinkensexende Industrie seit Jahren gewartet hat, mit anderen Worten. Das Morgen kann kommen.


28.06.2007 | 11:10 | Alles wird schlechter

Fast as a sand castle


Sandburgen: Verschüttungsgefahr unterschätzt (Foto: sandcastlematt) (Lizenz)
OK, Mladen Petric ist ein furchtloser und gefährlicher Stürmer auf dem Fussballplatz, trägt einem das Internet aus Basel zu. Und er hat einen vernünftigen Sinn für PR, denn er kann seine Angst vor Haien zwar nicht abschütteln (nicht einmal beim Jetski!), aber in Szene setzen.
Doch lange wird er nicht mehr damit durchkommen, denn es nähern sich Zeichen, dass dem Menschen am Strand ganz andere Gefahren auflauern – Bakterien einerseits, aber die sind ja praktisch überall. Dramatischer aber titeln Maron, Haas und Maron im heiteren Ärzteblog New England Journal of Medicine mit "Sudden Death from Collapsing Sand Holes". In der Arbeit untersuchen sie die tragischen Fälle, in denen Leute am Strand in die Gruben gefallen sind, die sie sich überwiegend selbst gegraben haben, um Baumaterial für die Sandburg zu gewinnen. In den USA haben die 16 Fälle seit 1990 die 12 tödlichen Haiattacken jedenfalls hinter sich gelassen, von der Ostsee ganz zu schweigen. Aber was ist wohl besser, von einem dummen Tier aufgegessen oder von klugen Silikaten dezent aus dem Blickfeld entfernt werden?


27.06.2007 | 21:34 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Me-Too-Nade

Das Aufkommen von Nachahmerprodukten des Wundergetränks Bionade war bloss noch eine Frage der Zeit, wie erst vor wenigen Tagen auch die FTD feststellte, so weit also kein Problem, man hatte sich im Hause Bionade ja auch darauf eingestellt. Dass es dann aber gleich so dermassen plump werden würde, hatte wiederum keiner ahnen können: Seit einigen Tagen verkauft Plus Maltonade – das "Bio-Erfrischungsgetränk" aus "fermentierten Gerstenmalzextrakt (3 %)", mit 19,4 kcal und 4,6 g Kohlenhydraten pro 100 ml (natürlich mit dem Bio-Siegel), das sich nur in Nuancen vom Original, dem "biologischen Erfrischungsgetränk" "hergestellt aus Fermentation" und aus Malz (2 %), mit 22 kcal und 5 g Kohlenhydraten pro 100 ml (natürlich mit dem Bio-Siegel) unterscheidet. Auch bei den Geschmacksrichtungen inklusive Farbcode wurde gar nicht erst der Versuch unternommen, innovativ zu wirken: Es gibt Holunder-Cranberry (rot), Kräuter (grün) und Orange-Kiwi (orange), lediglich bei der für die Exotensorten reservierten gelben Variante setzten die Maltonade-Macher statt auf Litschi auf die recht gewollt wirkende Eigenkreation Mango-Chili. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine aufs Produkt abgestimmte Werbekampagne, der Claim "Das offizielle Getränk einer noch voll total viel besseren Welt" dürfte noch frei sein.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Single Cola, Single Cask und Spionadeversuch


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