Riesenmaschine

31.05.2010 | 16:04 | Listen | Papierrascheln | Gekaufte bezahlte Anzeige

Wie man den Ingeborg-Bachmann-Ähnlichkeitswettbewerb gewinnt


Wie man den Bachmannpreis gewinnt -
Gebrauchsanweisung zum Lesen und Schreiben
von Angela Leinen
Heyne, 2010
Flexicover, 12,95 €
Die Riesenmaschine steht traditionell in einer beinahe symbiotischen Verbindung mit dem Ingeborg-Bachmann-Wettlesen. Der Doppelsieg unserer Autorin Kathrin Passig 2006 brachte das kleine Literaturfestival in Klagenfurt überhaupt erst auf die Kulturlandkarte. 2007 begeisterten wir die Welt mit einem Klagenfurt-Wettbüro, 2008 sagten wir mit Hilfe der Automatischen Literaturkritik den späteren Sieger voraus. 2009 nicht. Und in diesem Juni schicken wir wieder unseren besten Windhund ins Leserennen: Aleks Scholz.
Gleichzeitig ist bei Heyne ein tolles Buch von Angela Leinen erschienen, das genau erklärt, wie man den Bachmannpreis gewinnt. Es heisst: Wie man den Bachmannpreis gewinnt. Wir haben es der ehrlichsten Methode unterzogen, die der Rezensions-Werkzeugkasten bereit hält:
Der automatischen Sachbuchkritik.

Pluspunkte
1. Autorin hat erfolgreich am Tough Guy Contest teilgenommen (doppelt)
2. Covergestaltung von Martin Baaske
3. Buchpapier aus Schweden
4. Nagetiere kommen vor
5. Fotograf des Autorenfotos heisst wie ein Fabelwesen (Schafgans)
6. Flexicover-Format
7. Schamlose Lüge als Titel
8. "Wir haben ein kleines Tier auf dem Cover versteckt – findet ihr es?"
9. Lastenausgleich: Amazonrang >1000
10. Ich-Erzählerin im Sachbuch
11. Autorin hat vollkommen sachfremden Beruf
12. Auf die Rückseite ist "Originalausgabe" gedruckt
13. Zum angekündigten Termin erschienen
14. Gastbeiträge (doppelt)
15. Zitate am Kapitelanfang
16. Alle Seiten sind vorhanden und da, wo sie hingehören
17. Buch ist vollständig grün oder mit grünen Elementen (Flann-O'Brien-Punkt)
18. Tetris-Wachträume werden thematisiert
19. Themenfremde Abschweifungen (Tafelspitzpunkt)
20. Lastenausgleich: Erstes Buch
21. Autorinnenname hat so viele Silben wie der Verlagsname Buchstaben
22. Viele strukturierende Zwischenüberschriften

Minuspunkte
1. Farbverlauf auf dem Cover
2. Keine einzige Landkarte im Buch
3. Vorwort von einer prominenten Autorin
4. Rainald Grebe wird zitiert
5. Literaturverzeichnis (langweilig)
6. Mehr als eine Schriftart im Buchinneren

Gesamt: +18 Punkte

Oleksandr Brauswetter | Dauerhafter Link | Kommentare (11)


27.05.2010 | 01:36 | Automatische Kulturkritik

"Iron Man 2", Jon Favreau (2010)

Plus: 37, 40, 80, 93, 96, 103, 112
Minus:
Gesamt: 7 Punkte

Automatische Kulturkritik | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


22.05.2010 | 02:32 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Swissialism, update


Bratwürstchen-Kommunismus am Zürichsee
Wir haben ja an dieser Stelle schon mehrfach darüber gemutmasst, ob die Schweiz nicht eigentlich als verkappt sozialistisches Gemeinwesen die DDR in gut emuliert, zuletzt angelegentlich der öffentlichen Grills, die an innerstädtischen Plätzen zur freien Verfügung vorgehalten und regelmässig gereinigt werden. Aber was tun, wenn gerade keine Grillkohle und Anzünder zur Hand? Zum Wohle, Nutzen und Frommen auch dieser verpeilten Genossen hat der Sowjet der Stadt Zürich die Einrichtung öffentlicher Elektrogrills beschlossen und am Seeufer in Wollishofen, unweit der Roten Fabrik (!) auch bereits umgesetzt. Münzeinwurf: Fehlanzeige. Einfach Knopf drücken und Grillgut auflegen. Wo kämen wir denn da hin?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zürich-Spezial V: Der Beste Ort der Welt 1.9


14.05.2010 | 16:36 | Anderswo | Zeichen und Wunder | In eigener Sache

Warten mit Godot


So spielt man mit Studenten. (Foto: Helico, Lizenz)
Teil zwei der Reihe "Die Zentrale Intelligenz Agentur entdeckt totgeglaubte Kulturformen": Nachdem die ZIA 2008 das Radio gerettet hat, wird 2010, genauer: am Dienstag, dem 18. Mai um 20 Uhr, am Nationaltheater Mannheim die szenische Lesung des ersten ZIA-Theaterstücks "Warten mit Godot" stattfinden. Ein rasanter Ritt durch 2.000 Jahre Bühnengeschichte, gerade theaterfernen Schichten zu empfehlen.

"Es ist noch niemand so weit gegangen. 'Warten mit Godot' ist so sehr allem bis anhin Gesehenen voraus, dass es streng genommen unmöglich ist, ihm mit deutenden oder auch nur beschreibenden Worten nachzukommen. Eine Küche, ein Kartenspiel, das ist die ganze Szenerie von Anfang bis Ende. Vier Personen verbringen hier die Zeit – mit nichts. Sie heissen Godot, Bernd, Bernd und Bernd. Godot ist eigentlich mit den beiden Landstreichern Wladimir und Estragon verabredet, irgendwo auf einer Landstrasse an einem Baum. Aber die geschwätzigen Bernds und das auf ewige Fortsetzung drängende Kartenspiel erschweren seinen Aufbruch. Zwischendurch taucht Kasimir Blanko auf, ein reicher, blühend selbstgefälliger Herr, der einen Vortrag voll kluger Prophezeiungen verfassen muss. Währenddessen geht das Spiel weiter seinen Gang und man ahnt, Godot wird sich niemals losreissen können.

Was aber schon in einer solchen Zusammenfassung unmittelbar ins Auge springt, das ist die grosse Einfachheit und Reinheit der dramatischen Struktur. Die klassische Einheit von Ort, Zeit und Handlung wird gewahrt. Was aber hat Godot mit diesen Bernds zu tun und wer ist er? Keine einzige der möglichen Deutungen ist ihm erspart geblieben. Es hiess, er sei Gott, wie es ja die erste Silbe seines Namens sage. Es hiess auch, er bedeute den Tod – aber man würde mit gleichem Recht auch sagen, er bedeute das Leben. Von all dem kommt jedoch im Spiel nichts zur Sprache, es bleibt wunderbar konkret wie ein Kasperletheater für Kinder: Godot ist und bleibt ein Wesen, das zwei Vaganten an einem Strassenrand erwarten und das aber lieber mit den Bernds beim Kartenspiel in der Küche abhängt.

Das Drama ist, dass die Zeit vergehen muss und dass man wach bleiben sollte. Und alles, was sich auf der Bühne zuträgt, das sind die Formen dieses Wachseins – Karten spielen, Bier trinken, über Dinge reden. Und darum ist das Stück lustig, ja man möchte es sogar ein Meisterwerk des Humors nennen. Der Humor der ZIA bleibt nicht auf die belanglosen Bezirke des Lebens beschränkt, sondern durchläuft den ganzen Raum von Leben und Tod, und er tut dies nicht als eine Beigabe, vielmehr als die unmittelbare Gegenseite des Tragischen."


(Gerda Zeltner in der Neuen Zürcher Zeitung vom 10. März 1953)

Philipp Albers, Michael Brake | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


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"Dead Snow", Tommy Wirkola (2009)

Plus: 3, 8, 10, 21, 41, 74, 80, 101, 104, 127
Minus: 99, 119
Gesamt: 8 Punkte


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