Riesenmaschine

31.12.2006 | 21:00 | Sachen kaufen

Die Lust am Kopf


vorher

nachher
Der grosse Vorteil an Masturbation ist, dass man sich vorher nicht verführen muss und hinterher nicht von sich verlassen wird, der grosse Nachteil, dass sie sich nur für so wenige Körperteile eignet. Es sei denn, man betrachtet "alleine Essen" als Verdauungstraktmasturbation und "alleine Spazierengehen" als Bewegungsapparatmasturbation. Aber seltsamerweise wird es von niemandem beanstandet, wenn man allein isst oder spaziert, alleine Musik hört und alleine ein Buch liest. Selbst alleine zu sterben ist im Grunde immer noch die Norm, in vielen Gesellschaften ist es sogar verboten, gemeinsam mit anderen sterben zu wollen. Alles darf man allein, nur beim Sex wird die Nase gerümpft, denn das ist Lustklau, so egozentrisch wie ein langes Gitarrensolo.

"Sensus magnus" schliesst eine Lücke in der Masturbationslandschaft: die Kopfmasturbation. Wem einmal die drahtigen Finger von "Sensus magnus" die Kopfhaut hinabgeglitten sind, der wird keinen Partner mit zarteren Händen mehr wollen, sich beim Friseur nie mehr die Haare waschen lassen und auch sonst nicht mehr verzweifelt nach einem Gegenüber suchen. Unsere Partner können einpacken, von "Sensus magnus" gibt es kein Zurück.


31.12.2006 | 13:04 | Alles wird besser

Avatar unser


Als sie die Avatare holten, habe ich geschwiegen,
denn ich spielte ja Halo.
Die quantenmechanische Binsenweisheit, dass man nichts beobachten könne, ohne es im Prozess dieser Beobachtung auch zu verändern, gewinnt besondere Relevanz, wo solche Veränderung durchaus nicht im Interesse der so Beobachteten liegt, also bei Tier- und Menschenversuchen. Den meisten Organismen nämlich ist die Forschungsteilnahme ein rechter Dreck, aus dem sie oft körperlich unvollständig oder ganz defekt wieder ans Licht treten. Zahlreiche Experimente, die man vor ein paar Jahrzehnten noch mit Begeisterung durchführte, gelten heute als fragwürdig, weil man sich, zum offenbar ersten Mal in der Geschichte der Wissenschaft, neuerdings fragt, wie sich die Welt dabei fühlt, wenn man in ihr rumstochert. Unter die Versuche, die man heutzutage von keiner Ethikkommission mehr genehmigt bekäme, zählen Klassiker wie das Stanford-Prison- und das Milgram-Experiment. Sehr schade, dass man niemanden mehr derart triezen kann, denn die Ergebnisse beider Versuche sind faszinierend und waren wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Erkenntnis, dass der Mensch auch nur so ein idiotischer Affe sei.

In den Schulen gibt es ja seit längerem Bestrebungen, die Vivisektion von Fröschen gegen Froschsektionsvideos und interaktive Froschzerschneidungssoftware auszutauschen. Dieser löbliche Trend, das Leid durch seine Simulation zu ersetzen, ist jetzt auch in die Psychologie geschwappt, wo ein Team um Mel Slater das Milgram-Experiment virtuell nachgebaut hat – mit dem feinen Unterschied, dass die von den Probanden Gefolterten nun keine Schauspieler, sondern Computersimulationen sind. Interessanterweise verstört das Foltern komplett erfundener Pixelbündel die Probanden qualitativ genauso wie das richtiger Menschen. Somit ist die virtuelle Version des Experiments dem Original gleich zweifach gewachsen. Ethisch ist es fast ebenso fragwürdig – der Haupteinwand gegen Milgram ist ja das Unwohlsein, das bei den Probanden ausgelöst wurde – und die vermittelte Erkenntnis ist ähnlich unschön – was den Milgram-Probanden damals Stress verursachte, war offenbar nicht das Wissen, dass ihr Tun jemandem schadete. Höchste Zeit, dass die Simulation, in der wir leben, ein Upgrade bekommt.


31.12.2006 | 01:36 | Sachen kaufen | Papierrascheln

Postpostale Post


Hurra, nie wieder umständliche Briefpost! (Bildquelle/Lizenz)
Die zur unerlässlichen Terrorbekämpfung notwendige Aufweichung des Briefgeheimnisses hat der Staat meisterlich geleistet, aber leider hat der notorisch finanzschwache Gesetzgeber es dabei versäumt, aus dem Ungemach auch Profit zu schlagen: Wenn Sicherheitsbeamte schon unsere privaten E-Mails lesen können, wieso sollen sie im Bedarfsfalle diese dann nicht gegen Geld auch gleich abschreiben, in ein Briefkuvert packen und an die unvernetzte Oma schicken dürfen? Nun, zu spät, denn jetzt macht sich der freie Markt anheischig, unsere E-Mails zu Briefen, unsere Briefe zu E-Mails, unser Telefonat zum Fax und unsere Postkutsche zum Telegrafen zu wandeln – mit einer einzigen G-Mail-Adresse für alles, hinter der sich vertrauenswürdige Nichtsicherheitsbeamten um unsere Privatsphäre kümmern – jedenfalls solange, wie Gmail von Google noch nicht an einer ernsthaften markenrechtlichen Auseinandersetzung mit dem briefaufdampfenden G-Mail interessiert ist.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


30.12.2006 | 18:39 | Zeichen und Wunder

Sternzeichen: Auffahrunfall


Sternbildvordruck
Der Himmel ist voll von derartig viel blinkendem Zeug, man kann praktisch nirgendwo hingucken, ohne dass einem etwas entgegen leuchtete, Stern, Satellit, Learyasche. Sinn hat das ganze Geflimmer natürlich keinen, weswegen auch seit dem Wow!-Signal von 1977 kein nennenswerter Fortschritt bei der Suche nach klugen Sternen gemacht wurde. Zum Ausgleich wurden die kleinen Funkel stattdessen in einem historischen Vorläufer der orthonumerischen Gestaltkodierung zu Bildern gruppiert: Giraffe, Luftpumpe, Dreieck, Austernmesser und chemischen Ofen gibt es schon, und zwölf bis dreizehn der Langweiligeren dienen Zeitungen und Zeitschriften bekanntlich seit Jahrtausenden als preiswerte Spaltenfüller. Das ist super, aber längst nicht alles, denn man kann anhand dieser sogenannten Tierkreiszeichen auch die Autounfallneigung ihrer Träger vorhersagen. Das jedenfalls hat eine kanadische Studie jetzt neu belegt, nachdem Gunter Sachs dasselbe vor acht Jahren schon mal rausgefunden hatte. Vielleicht passiert ja diesmal was. Oder schläft die Politik?


30.12.2006 | 11:46 | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Softair-Kriegsbewältigung


Amerikanisches Trauma

Brumm, brumm, Nachschub für Iraq!
Der friedensbewegte Zeitgenosse nimmt dieser Tage aufgewühlten Herzens zur Kenntnis, dass die Hinrichtung des Diktators a.D. Saddam Hussein unlängst vollstreckt wurde. Da stellt sich die unbequeme Frage, wie es dazu nur kommen konnte – und vor allem: Wie erkläre ich es meinen Kindern? Was ihnen sagen, wenn sie Saddam nun auf YouTube baumeln sehen? Besser als Worte sind oft Bilder. Oder gleich Dinge zum Anfassen. Mit der tollen neuen und originalgetreuen Spielzeugpanzer-Serie Graupner M1A2 Abrams des US-Einsatzes "Iraqi Freedom" lassen sich draussen im eigenen Garten Ursachen, Ablauf, Folgen und ethisch-juristische Problematik des Irakkrieges trefflichst und kindgerecht kreativ zur Darstellung bringen – and it shoots real projectiles! Und demnächst erklären wir mit der gleichen spielerischen Leichtigkeit dem Opa anhand des ferngesteuerten Wehrmachtspanzers RC "Tiger 1", wieso die Annektion Polens verwerflich war, oder gar das Dilemma von Stalingrad oder von Sewastopol mit dem 7,54cm Panzer-Mörser "Thor".

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


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"Lemming", Dominik Moll (2005)

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