Riesenmaschine

23.08.2018 | 23:56 | Essen und Essenzielles

Mink Shite Baby


"I prepared it as I bathed"
Manche Trends sind wie Schnecken – langsam unterwegs und in ihrer Trajektorie nur erkennbar, wenn man sich hinterher genau die Schleimspuren ansieht. Die Verschmelzung von Nahrungsmitteln und Hygieneprodukten ist so ein Trend. Die Ursprünge der Idee liegen verwaschen im vorigen Jahrtausend, eventuell wie so viele popkulturelle Extravaganzen in der amerikanischen Sitcom Seinfeld, wo Kramer damit anfängt, Essen in der Dusche zuzubereiten. Im Jahr 2006 berichteten Prof. Friebe und Dipl.-Ing. Lobo in der Riesenmaschine von ersten Hybridschleimsichtungen in freier Wildbahn: Duschgele in Geschmacksrichtung Avocadoöl & Mandelmilch, Haarprodukte aus Bier und Hautcreme, die wie Marshmallows riecht.

Kaum zwölf Jahre später hat sich die Erde und mit ihr der Trend ein paarmal um die Sonne gewendet. Palmolives Gourmet-Duschgelserie schmeckt wahlweise nach Coconut Joy, Strawberry Touch, Vanilla Pleasure, Chocolate Passion oder, ganz neu, Mint Shake, und wenn man nicht genau wüsste, dass es Duschgel ist, würde man es für Pudding halten, die Art, die Dr. Oetker Paradiescreme nennt, fluffig, steifgeschlagen, kaltgestellt. Während normales Duschgel sich leichtölartig am Körper verteilt, klebt die Gourmet-Body-Butter von Palmolive an Stellen und wartet darauf, mit der Zunge oder anderen geschickten Körperteilen vermanscht zu werden.

Wie Experimente zeigen, ist es ohne weiteres möglich, in der Achselhöhle durch Vermischung von Mint und Chocolate den Geschmack von After Eight zu erzeugen, eine Mix-und-Match-Idee, die vielleicht von der Jelly-Beans-Industrie übernommen wurde. Wir melden uns wieder in etwa zehn Jahren mit neuen Entwicklungen in dieser Sache.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Food & Non-Food Full Circle

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


27.07.2018 | 10:47 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Ein schöner Tag an den Vilsa-Quellen

Der Druck war grösser als der eines Geysirs! Nur zwei Wochen, nachdem Merterhens seine Stelle als Junior Water Portfolio Manager bei Vilsa angetreten hatte, sickerte durch, dass die niedersächsische Traditionsmarke beim grossen Mineralwasservergleich der Stiftung Warentest mit der Gesamtnote 3,5 erneut auf einem der letzten Plätze landen würde.

Da musste schnell eine Produktinnovation her, denn wen man im traditionell sturen nordwestdeutschen Markt erstmal als Kunden verliert, den verliert man für immer. Mit Geschmack konnte Merterhens nicht arbeiten, da hätte er unweigerlich in den trüben Gewässern der Abteilung H2Obst gefischt. Auch das Premiumsegment war durch die Vilsa-Gourmet-Reihe bereits besetzt, ein darüber hinausgehendes High-Society-Produkt a la Bling H2O hätte sich nicht mit dem Vilsa-Markenkern (sauber – flüssig – bräsig) vertragen.

Zu verrückt durfte Merterhens ohnehin nicht werden: Sein Vorgänger wurde nach der Havarie seines Konzepts für "Mittelstrahlquellwasser" aus der Firma gespült. Also mied er alle Versuche in Richtung Functional Water – in Deutschland hatte sich ja nicht mal Vitaminwater durchgesetzt – oder gar mit farbigen Produkten wie der Teufel das Weihwasser.

Die Tage vor der Präsentation waren härter als eine Chinesische Wasserfolter. "Denk nach, Merte, denk nach!", feuerte Merterhens sich an. "Du hast nicht umsonst die Ausbildung zum Wassersommelier mit Auszeichnung bestanden." Dann hatte er es! Die ewige Trias aus Wasser mit Kohlensäure (classic), ohne Kohlensäure (naturelle) und, für die Generation Unentschlossen, Wasser mit ein wenig Kohlensäure (medium) wurde aufgebrochen und durch das wahnwitzig in lachsorange gehaltene Vilsa leichtperlig mit nur ganz wenig Kohlensäure ergänzt.

Es war ein Dammbruch in der Karriere von Merterhens, nun würde er bald nach ganz oben gespült. Denn mit Vilsa starkperlig – stärker als Medium, schwächer als Classic! – hatte er seinen nächsten Trumpf ja schon in der Schublade. Es muss nicht mehr viel Wasser die Weser hinabfliessen, dann würde er der jüngste Senior Water Portfolio Manager der über 100-jährigen Vilsa-Firmengeschichte sein.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein historischer Tag in der mittelständischen Schokoladenfabrik


25.11.2016 | 18:03 | Supertiere | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Ein historischer Tag in der mittelständischen Schokoladenfabrik

Der Auftrag schien unmöglich: Als neuer "Produktmanager Bipedal-Schokolade" sollte Büscheling im Geschäftsjahr 2016/17 Produktionskosten-Einsparungen von 35 Prozent erzielen, bei gleichbleibendem Umsatz. Allen war klar, dass Kakao-Kammarth, wie der greise Firmenpatriarch ehrfurchtsvoll genannt wurde, Büscheling mit dieser Position abstrafen wollte für dessen grauenvoll missratenen Launch von "grauer Schokolade" (weiss + 90%-Bitterschokolade gemischt).

Doch Kakao-Kammarth hatte nicht mit Büschelings Erfindungsreichtum gerechnet. Letztlich war es der dienstagabendliche Squashtermin mit Vonnebrink aus der Gebinde-Abteilung, der den entscheidenden Einfall brachte: Dank billig eingekaufter Produktionsstrecken aus der Ostukraine konnte man Alufolienverpackungen jetzt für einen Bruchteil des früheren Preises bedrucken und beschneiden. Da wurde Büscheling natürlich hellhörig!

Als Mitarbeiter des Jahres wurde Büscheling, wie es die Kammarth-Tradition gebietet, in den Schokoladenspringbrunnen geworfen. Dank seines Weihnachtshasen "Rudi Rabbit" konnten die ohnehin defizitär arbeitenden Einschmelzwerke in Gifhorn und Salzwedel abgewickelt werden, die Firma machte ein Rekordergebnis. Büscheling grinste. Wie Kakao-Kammarth erst gucken würde, wenn er beim nächsten Jour Fixe den "Ostermann" präsentierte!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein anstrengender Tag in der Firma Gehring-Bunte Getränke Industrie GmbH & Co.KG, Bielefeld


02.09.2013 | 02:57 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Ein anstrengender Tag in der Firma Gehring-Bunte Getränke Industrie GmbH & Co.KG, Bielefeld


Foto Paul Lindner mit freundlicher Genehmigung, ansonsten alle Rechte vorbehalten


Es war die wichtigste Markteinführung in der Geschichte der Gehring-Bunte Getränke Industrie GmbH & Co.KG seit der Quickdrinkflasche. Auch wenn das Balance- und Near-Juice-Segment boomte, war die Marke "Christinen" ziemlich am Ende. Die Einbrüche in der Produktkategorie "Carat" waren zweistellig. Guerilla-Marketingideen wie "Jumbo-Samba mit Tutti-Frutti" hatten die Wende nicht herbeizuführen vermocht. Es ging ums Ganze.

"Apfel-Rhabarber läuft zu gut rein. Wir brauchen was, was kognitiv knirscht! Ein Wabi-Sabi-Element!", forderte Vogelpoth. "Denken Sie an CujaMara-Eis, denken Sie an die Zörbiger Überrübe!", unterstützte ihn Eisensteger.
"Ich glaube übrigens, Schorlette ist das nächste grosse Ding", dachte Praktikant Piepenstock.
"Apfel-Rhabarber", beharrte Moehlmann, "Apfel-Rhabarber. Apfel-Rhabarber. Alles andere ist Mist." "Rhabarber-Apfel ist 'Hund beisst Mann'. Apfel-Rhabarber ist 'Mann beisst Hund'", schnaubte Früchtereferendar Nellkamp.
"Und wenn wir es Rhabarbapfel nennen? Rhabarbapfel-Schorlette?", dachte der Praktikant.
"Zweisilbig-dreisilbig-zweisilbig ist plausibler als dreisilbig-zweisilbig-zweisilbig" erklärte Dunkhorst und schlug erregt den Takt dazu auf die Konferenztischplatte. "Ausserdem ist es alphabetisch richtig." An dieser Stelle kippte die Diskussion. "Alphabetisch! Sie sortieren wohl auch ihre Unterhosen alphabetisch", rief Vogelpoth. "RAS klingt wie RAF!", rief Moehlmann. "ARS klingt wie Arsch!", konterte Nellkamp.
"Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber", dachte der Praktikant.

Erst jetzt meldete sich Firmenpatriarch Sasel zu Wort. Sein Kompromissvorschlag sollte als salomonisch in die Firmengeschichte eingehen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein schöner Tag am Institut d'Astrophysique Spatiale

Michael Brake, Holm Friebe, Kathrin Passig, Christoph Albers | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


24.08.2013 | 01:37 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

UP2U


Schliesst sich der Karavane an: Kaugummi
Schon wieder bahnbrechende Entwicklungen auf dem Kaugummi-Sektor. Nachdem Wrigley schon 2008 den Therapie-Gummi und kurz darauf die Ü30-Kaugummi-Linie 5GUM "mit einem bisher unbekannten, sensorischen Produkterlebnis" auf den Markt gebracht hat, versucht jetzt Menthos mit dem UP2U zu kontern. Zwei Geschmackrichtungen! In einem Etui! Erdbeere UND Minze! Und das wirklich besondere daran: Du entscheidest! Ob Menthos mit diesem "abwechslungsreichen Kauspass" gegen des sensorische Erlebnis von Wrigley ankommt, bleibt in einer ersten Abwägung fraglich. Aber es liegt ebenso auf der Hand, dass Menthos mit dem UP2U höchstens den ersten Schritt des langen, steinigen Wegs, den auch schon Geschirrspülmaschinentabs, Zahnersatzreiniger und Toilettenpapier gegangen sind, gemacht hat und nun jedes Jahr mindestens noch eine Phase draufpacken werden muss, um sich am Markt zu behaupten. Vermutlich schon 2017 werden wir aus 7 verschiedenen Aromen wählen können. In einer einzigen Packung!

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Deppenmagneten


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