Riesenmaschine

30.04.2006 | 19:51 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Teufelszeug Wirklichkeit

Zwei Psychoakustiker aus Brasilien haben jetzt ein mathematisches Modell gefunden, mit dem man eventuell die Funktionsweise des Ohres erklären kann (die der Nase übrigens auch) – und zwar auf der Grundlage von einfachen "Power Laws", die soviel Macht haben, dass sie praktisch alles in der Natur regeln, im Deutschen aber leider den trostlosen Namen "Potenzgesetz" tragen. Das Problem mit dem Ohr ist seine Ambiguität; einerseits kann es nur sehr wenig aufnehmen, andererseits aber sowohl sehr Lautes als auch sehr Leises verarbeiten, ohne gleich kaputtzugehen. Irgendjemand muss intern ständig den Pegel beobachten und an den Reglern drehen.

Aber ein Potenzgesetz? Ist das nicht ein bisschen phantasielos? Mit gewisser Berechtigung werfen Kritiker ein, dass die blosse Übereinstimmung von Modell und Wirklichkeit wenig über die Wirklichkeit aussagt, weil die Wirklichkeit so schwer zu fassen ist wie ein Stück Seife in der Badewanne. Andere Forscher bauen darum ganz andere Ohren (Abbildung), stellen sie sich ins Regal und lassen ihre Kinder damit spielen. Wir, die wir keine so handwerklich begabten Eltern haben, müssen in der Zwischenzeit mit unseren eigenen Ohren herumspielen, zum Beispiel, indem wir ihnen Synchronschwimmen mit den Augen beibringen.


30.04.2006 | 16:22 | Alles wird besser

"Hinten kackt die Ente"


So müssen Dropdown-Menüs aussehen
Die dräuende Fussball-WM spaltet die Menschen bekanntermassen in "Feenz" (F. Beckenbauer) und Menschen, denen Fussball egal ist. Da dem Gebolze und seinem Drumherumgelärme mit herkömmlichen Mitteln kaum zu entkommen ist, möchten wir zur Aggressionsabfuhr zumindest auf den hier erwähnten Bullshit Bingo Generator verweisen, der unter anderem das Spezialgebiet "Fussballkommentatoren" aufweist. Die hundert dümmsten Kommentatorensprechs sind derzeit erfasst, es finden sich Perlen wie "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze", "Die Abwehr bleibt das Sorgenkind" oder "Der weiss, wo der Ball hin muss". Besonders löblich finden wir, dass der Bullshit Bingo Generator zahlreiche Buttons zum Herumspielen vorzeigt. Eine Art Riesenspass.


30.04.2006 | 06:05 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Pilzeissalzgebäck

Na gut, wir haben Teppiche in Wurstform. Na gut, wir haben Wurst in Oktopusform. Na gut, wir haben Oktopusse in Form von Rotfeuerfischen, Plattfischen und Seeschlangen. Aber verglichen mit der hohen Kunst der Verbraucherverwirrung, wie sie in Japan betrieben wird, sind alle unsere Bemühungen Schnupftabak für einen Totenkopf. Die nebenstehend abgebildete Schachtel enthält ein Produkt namens "Truffe Ice" oder auch "Toriffu Aisu" mit einer Speiseeis-Illustration, das bei näherer Betrachtung aus eisfernstem Knabbergebäck in Pilzform mit salzig schmeckendem Stiel und süss-ranzigem Hut besteht. Man hätte, nur so als Tipp an die Japaner fürs nächste Mal, noch eine zusätzliche Verwirrungskomponente "Schäumendes Erfrischungsgetränk" per Illustration ins Spiel bringen können, vielleicht auch auf der Packung andeuten, dass sich "Truffe Ice" zur Fahrradreparatur eignet. Oder einfach irgendwas mit Räuchermakrele. Das wird die Westbarbaren lehren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Heute: Pilztag in der Riesenmaschine!


29.04.2006 | 21:24 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Wer hat das Rädchen erfunden?

Jeden Tag steht man immer wieder vor demselben Dilemma: Hat man das, was man gerade in der Hand hält, nicht schon mal woanders gesehen? Macht man sich der Verbreitung eines Plagiats schuldig, weil es nicht das Original ist? Jeder weiss, wer das Rad erfunden hat, der Xavier wars. Soweit, so einfach. Aber jetzt wird's kompliziert, wer hat das Rädchen erfunden? Waren es die Neurologen mit dem Nervenrad, die Schneider mit ihrem Kopierrädchen oder die Sadisten mit dem Wartenbergrad? Von irgendeiner dieser Berufsgruppen werden die Pizzabäcker wohl wegen ihrer Radgabel demnächst zur Kasse gebeten werden.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


29.04.2006 | 15:44 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Fussball aus Holland ist Käse

Rassismus ist widerwärtig, Nationalismus ist dumm, unter rein fussballerischen Gesichtspunkten jedoch muss man die Holländer natürlich verachten. Weil aber der platte, offene, verbale Angriff auf Menschen anderer Nationalität in Deutschland zu Recht verboten ist, hat sich die toplistige Firma Kaiser's etwas Kluges und Witziges ausgedacht, das Wattgewürmtje zu demütigen. In den Kühlregalen liegt deutschlandweit ein fussballerförmiger Kinderkäse aus, der nicht nur "Kiddykäs" heisst, sondern dessen einziger Googletreffer auch zum Bericht der LUA Sachsen führt, die den Käse "wegen sensorischer Abweichungen in Richtung alt und hefig in Verbindung mit hohen Gesamtkeimzahlen und Hefegehalten als wertgemindert beurteilt" (Seite 127). Besser als die LUA Sachsen hätte man es nicht ausdrücken können, subtiler als Kaiser's hätte man die Botschaft nicht unter's Volk bringen können. Ein Käse! Ein keimiger Kinderkäse sogar! Mit einem orangenen Fussballer drauf! Der alt und hefig schmeckt! Kurz vor der WM 2006! Wie eindeutig ist das denn? Bitte nicht vergessen: Die doofen Holländer können nichts dafür, dass wir sie hassen müssen. Minuten nach der WM sollten wir daher Holland wieder nachbarschaftlich-freundlich gegenübertreten. Ausser sie gewinnen.


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