Riesenmaschine

28.01.2006 | 17:18 | Sachen kaufen

Wunderwaffe stumpfer Designgegenstand



Das Leben in der Grossstadt ist gefährlich, auf den Strassen wimmelt es von finsteren Gestalten, die nichts lieber tun würden, als in unsere Wohnungen einzudringen und unsere Snack-Vorräte, unsere Multifunktions-Schuhlöffel, unseren Menschenknochen-Schmuck, unsere Zeitmaschine, unseren Muldenkipper oder unsere Lieblings-T-Shirts zu stehlen.

Türschlösser sorgen dabei nicht wirklich für Sicherheit, erst recht, seitdem Schlossknacken auf dem Weg zum Volkssport ist. Also ist Selbstschutz gefragt, bloss wie? Jeden Abend unsichtbare Schnüre durch die Wohnung spannen ist mühselig und rächt sich früher oder später. Die Pistole unter dem Kopfkissen ist eine bewährte Methode, die sicherlich im entscheidenden Moment Ladehemmung hat. Und ein Wachhund, also wirklich, wer will schon einen Hund?

Zum Glück gibt es jetzt diesen Designertisch von James McAdam (gefunden bei b3ta.com). Mit wenigen Handgriffen lässt er sich in eine schlagfertige Knüppel/Holzschild-Kombination transformieren, deren blosse Präsenz die meisten Eindringlinge aus der Wohnung jagen sollte. Zur Sicherheit kann man ja sonst auch noch kochendes Öl in der Flurlampe deponieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Einbrecher nicht auf die Idee kommen, die Wohnungen ihres Interesses vorher mit Pestleichen zu bewerfen.

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27.01.2006 | 17:28 | Sachen kaufen

Das vorhandenste Taschenmesser der Welt


In Wirklichkeit etwas grösser
Ein Taschenmesser besitzen und ein Taschenmesser dann haben, wenn man eines braucht, ist bekanntlich nicht dasselbe. Aber das uralte Menschheitsproblem der – manchmal jahrtausendelangen – Abwesenheit von Taschenmessern kann durch den Erwerb des Black Bear One Hand Action ein für allemal aus der Welt geschafft werden. Zwar lässt sich das Messer keineswegs, wie der Name zu suggerieren scheint, mit einer Hand bedienen, aber das ist ja beim Einhandsegeln nicht anders. Auch die eher zurückhaltenden Kundenbewertungen ("Schrott!", "Schlechtes Plagiat!", "Etikettenschwindel!") sollten kein Kaufhindernis darstellen, denn die eigentlichen Features dieser Wunderwaffe unter den Taschenmessern sind der Preis von 2 Euro 50 und eine Öse am Hinterende. Wer also zehn Stück zum Preis eines einzigen herkömmlichen Taschenmessers erwirbt und mit Schnüren an zentralen Punkten seiner Behausung festknotet, dem wird nichts mangeln. Denn eine mittelmässige, aber vorhandene Lösung ist einer exzellenten, aber gerade unerreichbaren jederzeit vorzuziehen, wie jeder weiss, der sich mit One Hand Action auskennt.

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27.01.2006 | 12:14 | Alles wird schlechter

Wunderwaffen: Killerpilze


Foto: Sway – Media Jayson / Lizenz
Agent Green ist nicht nur einer der sechs kleinen Brüder von Agent Orange, sondern auch, und darum soll es hier gehen, eine biologische Waffe, die nach Vorstellung einiger Leute längst eine bedeutende Rolle im weltweiten Drogenkrieg hätte spielen sollen.

Im Grunde genommen sind es sogar mehrere Waffen, denn Agent Green bezeichnet mehrere aggressive Pilzkulturen, die zur Vernichtung von Koka-, Cannabis- und Opium-Feldern in US- und usbekischen Labors gezüchtet werden. Die kokavernichtende Variante sollte 2000 auch bereits in Kolumbien zum Einsatz kommen, eine breite Front aus Waffengegnern, Umweltschützern und Vertretern anderer Staaten (Peru, Ecuador, EU-Parlament) führte dann allerdings zur vorübergehenden Aufgabe dieses Plans. Vielleicht ganz gut, denn die US-Forscher hatten sich noch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, was aus den Pilzen wird, wenn sie denn mit den Koka-Pflanzen fertig sind, und ob sie dann zum Beispiel einfach die lokale Flora als neue Nahrungsquelle für sich entdecken (Infos von dieser evtl. einseitig berichtenden Website).

Wohin das nämlich führen kann, können wir im Film Kaze no tani no Naushika sehen, in dem die Welt von extrem schönen aber leider auch extrem giftigen Pilzwäldern überwuchert ist. Richtig dosiert haben Pilze hingegen noch nie geschadet. Und hätten sich die Pilzkulturen des Grafen von Rummelsdorf nicht der allenfalls drittklassigen Wunderwaffe Zyklostrahlen überlegen gezeigt, würde die Welt heute vermutlich von einem Verrückten beherrscht.

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26.01.2006 | 18:43 | Anderswo | Fakten und Figuren

Träge lag die Bombe da

Die "gelernte" Karlsruherin und Harfenistin Angelika Maisch, "allerorten bekannt für ihren subtilen Humor, ihre Fotosammlung gefrorener Wäsche und ihre unleserliche Handschrift" (Thomas Kapielski), hat im Alter von 7 Jahren ihre erste Atombombe gebaut. Wie sie vor 2 Jahren anlässlich der Streichholz-Ausstellung "Zünd ab" des rührigen Kunstvereins Ahaus in ihrem schonungslos offenenen Katalogbeitrag beschreibt, hätte sie, angeregt durch die A-Bombenhysterie der Kennedyära, ihren gleichaltrigen Cousin Andreas davon überzeugen können, mit ihr "das Scheusslichste vom Scheusslichen, das Verbotenste vom Verbotenen" zu basteln, um eine Offensive gegen die globale atomare Bedrohung zu starten. Sie schütteten alles greifbar Giftige zusammen, flüssiges Putzmittel, sandiges Scheuerpulver, Schuhcreme, Medikamente, übel schmeckende Nahrungsmittel und Essensreste, und verrührten das mit eindickendem Sand in einem alten Blecheimer zu einem Bombenbrei, der, als er zu fest war, mit Wasser wieder cremig und "musig" gemacht wurde, so wie sich der Laie das Innere einer Bombe vorstellt, also wie ein Nougatei. Zuguterletzt spickten sie das Ganze noch zu einem hochexplosiven Igel mit Streichhölzern. Und ohne einen Gedanken an das entsetzliche Elend, das die Detonation zeitigen würde, zu investieren, zündeten sie das Gebräu an. Nichts geschah. "Träge lag die Bombe da. Eine Amsel sang. All die Arbeit umsonst. Wie konnte Gott so eine Demütigung zulassen? Gab es ihn überhaupt?" Niedergeschlagen gingen sie heim und spielten eine "tüchtige" Partie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht.

Eine effizientere Bombe ist oben abgebildet, eingedoster und verfaulter Fisch, Surströmming genannt, eine schwedische Delikatesse für wenige Mutige, weil nach Öffnen der Büchse ein pestilenzialischer Geruch entweicht, changierend zwischen einer Kloake, tagelang in brütender Sonne vergessenem Müll, aber auch, Forensiker haben das bestätigt, einer verwesenden Leiche. Mit einer einzelnen Dose hat man im Nu ein komplettes zehnstöckiges Haus menschenfrei gebombt, ohne auch nur einen minimalen baulichen Schaden zu hinterlassen. Smarter gehts wohl nicht.

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Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentieren


26.01.2006 | 10:33 | Anderswo | Alles wird besser | Listen | Zeichen und Wunder

Wunderwaffen: nichttödliche Waffen


smell you later, perpetrator (Foto: J Wynia)
Es ist allgemein bekannt, dass Angehörige der U.S. Streitkräfte bisweilen umständehalber gezwungen sind, das 5. Gebot zu brechen. Weniger bekannt sind ihre umfangreichen Bemühungen, den Beruf des Soldaten in der Ausübung lebensfreundlicher zu gestalten. Und zwar mit Hilfe von Non-Lethal Weapons (NLW).

Nichttödliche Waffen sind, wie jeder Krawallprofi oder -amateur mit schmerzverzerrtem, zahnluckertem Grinsen und gebrochenem-Daumen-rauf bestätigen wird, nicht nur viel weniger tödlich als tödliche Waffen, sondern bereiten auf aktiver Seite in der Anwendung oft mehr Freude als das altmodische Zielen und Ballern mit anschliessendem Herumbluten und optionalem Gedärmesortieren. Zum Nutzen aller erdenken und entwickeln deshalb Ingenieure, Waffenhersteller, Sicherheitsspezialisten und verrückte Wissenschaftler Möglichkeiten, den Gegner mit einer unangemeldeten Schaumparty mit schnell aushärtendem Schaum zu überraschen oder ihm zuvorkommend Mikroben in den Tank zu kippen, wenn der Zucker gerade alle ist. Ihn herrlich retro wie Spiderman mittels sogenannter entangler einzuwickeln oder ihn Jackass-style mit tieffrequentem Schall zur spontanen Darmentleerung zu zwingen. Teenager, die man – so geboten es oft erscheint – nicht einfach umbringen darf, werden mit nur für sie hörbaren hochfrequenten Tönen vergrämt. Exzentriker mit Hang zum Superschurkentum lassen gegnerische Fahrzeuge durch in die Strasse eingelassene Airbags umkippen (das Fraunhofer-Institut arbeitet daran, nachdem man Airbags zur Abwehr von Asteroiden und Büroschlaf für untauglich befunden hat) oder lassen – einfach, genial und slightly offtopic – den Anführer der feindlichen Streitmacht mit einem Hologramm zu Tode erschrecken.

Das ist jedoch noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Wie das Sunshine Project enthüllt, denkt man innerhalb der Kategorie nichtletaler chemischer Kriegsführung, deren Produkte in so klangvolle Unterkategorien zerfallen wie Calmatives, Incapacitants, Irritants, Malodorants, Marking Agents, Convulsants (um nur einige zu nennen) und in Strassenhandel und Veterinärpraxis gut eingeführte Substanzen wie Ketamin umfassen auch bereits seit Jahren über pheromonbasierte Kampfstoffe nach, die den Gegner wahlweise für Ungeziefer und Nagetiere oder, in der Steigerung, für den eigenen Kameraden besonders attraktiv machen sollen (harrassing, annoying and bad guy identifying chemicals (...) one distasteful but completely non-lethal example would be strong aphrodisiacs, especially if the chemical also caused homosexual behaviour."). Man ahnt, dass (Anti-)Kriegsfilme in Zukunft nicht mehr das sein werden, was sie einmal waren.

Produkte der NLW-Forschung kommen nicht nur im Krawall- oder Kriegsfall zum Einsatz. Marking oder Tagging Agents markieren die nicht ganz so billigen Teile bei H&M genauso effektiv wie den Dieb, und Weihnachtsbaumwilderer in den USA machen Bekanntschaft mit Malodorants, im speziellen Fall mit einer Art synthetischer Fuchspisse, die erst bei Raumtemperatur ihr volles Aroma entfaltet. Mit ähnlichen Mitteln sollen in Zukunft auch Skifahrer dazu bewegt werden, die auffällig treffend und sinnfällig benannten Pistenmarkierungen zu respektieren.

Als Mutter der modernen olfaktorischen Kriegsführung gilt ein bereits 1944 in den USA entwickelter Gestank, den französische Widerstandskämpfer mittels Zerstäuber auf deutsche Offiziere auftragen sollten, um sie zu beschämen und zu demoralisieren. Die auf den Namen Who, me? getaufte Stinkbombe war militärisch ein Griff ins Klo, die Krauts offenbar immun. Die Substanz bewährt sich jedoch im zivilen Einsatz bis heute unter dem Namen "U.S. Government Bathroom Malodor" – als gültiger Standard, gegen den Raumerfrischer und Deodorants in der Testphase anstinken müssen.

Seit 1966 beschäftigt man sich vor dem Hintergrund des Misserfolgs von "Who, me?" damit, dass die Nase andernorts möglicherweise anders laufen könnte und erstellt Geruchsreaktionsprofile ethnischer Gruppen, um culturally specific malodorants zu ermitteln. Der mit nichttödlicher Sicherheit erfolgte Nichteinsatz von fried bacon bombs und left hand smell grenades im Irak deutet jedoch darauf hin, dass man in der Sache seitdem nicht wesentlich weiter gekommen ist. Dabei wäre man sicher aktuell auch hierzulande interessiert an nichttödlichen, landesspezifischen, gasförmigen Antworten auf beliebte Fragen wie Who beat the hun 5-1?.

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Natascha Podgornik | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


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