Riesenmaschine

31.07.2005 | 22:53 | Supertiere | Was fehlt

Sie tötet, sie tötet!

Immer noch wissen wir viel zu wenig über die Matamata-Schildkröte. Im deutschen Netz zum Beispiel existiert dieses faszinierende Tier überhaupt nicht, obwohl es in Amerika nach Delphinen und Waschbären als neuer Topstar gilt, und mittlerweile (in Nachfolge des Nacktmulls) als "hässlichstes Tier der Welt" glorifiziert wird. Hier drei Gründe, warum wir nachziehen sollten: 1) Matamata ist zwar eine Schildkröte, aber auch ein bisschen ein Krokodil. 2) Sie isst nicht, sondern saugt. 3) "Matamata" heisst auf deutsch "sie tötet, sie tötet", und zwar abundzu mal einen kleinen Fisch, sonst lebt sie eher zurückgezogen. Abschließendes Urteil aus Grzimeks Enzyklopädie: "Eine ausgewachsene Matamata mit ihrem 45cm großen Schild sieht nicht aus wie ein lebendes Reptil, sondern eher wie ein Bild aus einem wirren Traum."


31.07.2005 | 12:46 | Anderswo | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Zukunft war früher

Wie es um den ästhetischen Fortschritt in den letzten 35 Jahren bestellt ist, davon kann man sich derzeit im vierten Stock der „Beijing Planning Exhibition Hall" ein Bild machen. Dort ist das begehbare Modell eines „Zukunftshauses" ausgestellt, das die britische Stararchitektin Zaha Hadid entworfen hat (u.a. Vitra-Feuerwache, Weil am Rhein; Contemporary Arts Center, Cincinnati; Stage Design für die Pet Shop Boys World Tour 1999/2000). Das schöne weisse Interieur aus Hartplastik erinnert uns verdammt an die Ausstattung der 1968 bzw. 1971 gedrehten Kubrick-Filme „2001: A Space Odyssey" und „A Clockwork Orange". Ähnlich gestylte Zukunftshäuser (z.B. das "Futuro"-Haus der Finnen Suuronen und Ronkka) waren zu dieser Zeit übrigens auch in Deutschland zu sehen: Auf der ersten (und leider auch letzten) „Internationalen Kunststoffhausstellung", die 1971 in Lüdenscheid stattfand.

Die „Ika `71" warb seinerzeit mit dem Satz „Es ist nicht weit bis Lüdenscheid". Entschieden weiter scheint der Weg zu einer neuen architektonischen Ästhetik zu sein, wie man eben jetzt in Peking, dem Lüdenscheid von heute, deutlich sehen kann. Bis er beschritten worden ist, gehen wir einfach mal davon aus, dass unsere Zukunft in der Vergangenheit liegt, wo sie gerade mal drei Jahre dauerte. Aufregend ist das nicht, besonders nicht für alle, die heute etwas jünger sind. Für die Älteren unter uns (so ab Jahrgang 1950, dem Geburtsjahr von Frau Hadid) aber haben Zukunftsvisionen wie diese etwas anheimelnd Beruhigendes.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


31.07.2005 | 08:22 | Anderswo | Alles wird schlechter

Rundum-Versorgung II

Wie oft hat man schon mit Flugangst, aber ohne Amethysten auf den Chakren dagestanden. Beruhigend, dass jetzt auch am Flughafen niemand mehr auf die heilende Kraft der Steine verzichten muss. Aber ist das Aquariums-Zeitalter nicht schon vor zehn Jahren wieder zu Ende gegangen oder so? Ist die Bevölkerung wirklich reif für diese erleuchtete Seinsstufe? Oder gehen bei der Verwaltung des Flughafens München täglich Beschwerden wegen harter und ungeniessbarer Kaugummis ein?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Rundum-Versorgung


30.07.2005 | 23:05 | Alles wird besser

Fahr-Zeug

Mit dem Fahrzeugbausatz "Construction Toy" des niederländischen Designers Wouter Scheublin ließe sich vom Fahrrad bis zum Wasserfahrzeug sicherlich Großartiges herstellen, wenn es sich nicht leider, leider noch um einen Prototypen handelte. Andererseits ist das vielleicht auch ganz gut so, denn schlechte Menschen wären sicherlich in der Lage, aus diesem Bausatz Fahrzeuge herzustellen, die uns das doofe alte Liegerad wieder herbeisehnen ließen. Aber ein lebensgroßes Fahrzeug aus Lego! Und dann noch so schön grün! Wenn, wie die Logfiles der Riesenmaschine nahelegen, demnächst ganz Berlin von Schwinn-Fahrern bevölkert ist, werden wir die Gelegenheit nutzen, uns mit einem solchen – bis dann hoffentlich im Handel erhältlichen – schönen grünen Spastenfahrzeug vom geschmackvollen Pöbel abzusetzen. Brrrm! Brrrm!


30.07.2005 | 20:29 | Supertiere | Sachen kaufen

Endlich: Fasching auch bei Smogalarm

Bisher war es ja so, dass man allein wegen der weitverbreiteten Einfallslosigkeit der Mundschutzhersteller gezwungen war, diese Drecksluft um einen herum ungefiltert einzuatmen. Was wir uns alle schon lange wünschen: Endlich geschützt atmen und dabei nicht aussehen, als wäre man einer Krankenhausserie aus den 60ern entsprungen. Sondern stattdessen vielleicht wie ein Tiger, ein Schwein oder ein Gorilla. Diesen Herzenswunsch vieler Millionen Mitbürger hat die Firma "Compact Impact" netterweise erkannt und verkauft deshalb seit kurzem den Mundschutz mit tollen Tiermotiven. Dass man im selben Laden auch noch eine lebende Alge als Anhänger fürs Handy bestellt, versteht sich dann wohl von selbst.


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