Riesenmaschine

30.05.2008 | 09:31 | Anderswo | Was fehlt

Die Riesenmaschine bittet

Für gewöhnlich stellen wir an dieser Stelle Produkte, Ereignisse, "Zeugs" (Heidegger) vor, die der "Fall" ( Wittgenstein) sind. In diesem "Ausnahmefall"
(Dath) gibt es das Produkt noch nicht, nur ein Schild im Pekinger Osten, und einen Schönheitssalon, der dazugehört. Wir aber hoffen jetzt auf irgendeinen, der uns das Buch, die Fernsehserie und den Film zum Schild schreibt, oder die Band "Professional Keepers Of The Ultimate Look" (PKOTUL) gründet. Bitte schnell machen, T-Shirts und Tourplakate sind schon in Druck.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (21)


28.05.2008 | 23:51 | Supertiere | Alles wird besser

Catz and Dogz


Gegenwart des Haustiers
(Foto, Lizenz)
Tiere, auch nicht mehr das, was sie mal waren. Zum Beispiel der huggable robot Probo, eine Art berüsseltes Breitfussmammut, gerade tierähnlich genug, um nicht als Mensch durchzugehen, und angeblich in der Lage, Emotionen auszudrücken (PDF). Wie ein Grizzly, zum Beispiel, möchte man hinzufügen. Oder das streichelbare Robot-Kaninchen von Steve Yohanan: Ein gesichtsloses Hasentier, das auf liebevolle haptische Interaktion mit Ohrenbewegungen und Schnurrvibrationen reagiert (PDF).

Ein schnurrender Hase? Ein umarmbares Mammut? Nur zwei Beispiele für die Zukunft des Haustieres von der Convention der AISB in Aberdeen. Nicht diskutiert werden sollen hier die dort ebenfalls vorgestellten Erkenntnisse zum Thema Computational Humour, das können dann die automatischen Kommentatoren erledigen.

(via Technovelgy)


26.05.2008 | 13:26 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Lucozade Khan

Was hält das British Empire zusammen, jetzt, wo Cromwell tot ist? Die Antwort kommt in Flaschen und heisst Lucozade. Seit Jahren schon ist Lucozade der Kitt im verstaubten Gebälk von viktorianischen Ruinen, der klebrige rote Faden von Cape Wrath bis Land's End, das feuchte Substrat an der Unterseite der Granittore von Dartmoor. Lucozade, der dritte Holunderschnaps, enthält zwar keinen Alkohol, dafür den Tagesbedarf an Zucker in einem kleinen, gelbrot angemalten Plastikcontainer, der in der Form einer schlanken Version von England ähnelt (ohne Kanalinseln).

Schliesslich hat allein Lucozade aufgeräumt mit dem elendigen Gerede von gesunder Körper gleich gesunder Geist, ich meine, Stephen Hawking? Lothar Matthäus? Geist ist etwas komplett anderes als Körper, weswegen Lucozade unterschiedliche Produkte für physical edge und, relativ neu, mental edge anbietet: Lucozade alert ist farblos, voll mit Koffein und schmeckt nicht nach Hundepisse, sondern nach Zitrone, nehmt dies, ehemalige Kronkolonien. Crown colony wäre übrigens ein super Name für einen neuen Staat, auf dem Mars oderso.


25.05.2008 | 16:54 | Fakten und Figuren

Das Schema


Über Oben und Unten ist noch längst nicht alles gesagt. (Foto: jakeliefer / Lizenz)
Vom Binären lernen heisst siegen lernen – schliesslich dient das ganze Graustufenzeug zwischen Ja und Nein nur dazu, das Leben noch komplizierter zu machen. Die Welt folgt dieser Erkenntnis nur widerwillig, allenthalben herrscht Differenzierung, und das Internet hat die Lage weiss Gott nicht verbessert. Aber schon naht die Kavallerie (in Zeitlupe) in Form von Michael Rutschky und seinem Blog "Das Schema". "Differenzieren kann heute jeder Doofe", argumentiert Rutschky, stattdessen tue Schubladendenken not. Die erste Ausgabe widmet sich dem Thema "oben/unten", undifferenzierte Betrachtungen zu alt/neu, innen/aussen, Mann/Frau, rechts/links und gut/böse sollen folgen.

"Das Schema" ist kein Blog, das es dem Leser leicht macht. Was gehört in das mit "schwarz" oder "oben" beschriftete Formularfeld? Und gehen die Texte etwa heimlich noch weiter, obwohl zunächst nicht viel darauf hindeutet? Vermutlich ist unsere Wahrnehmung verdorben durch den Konsum von Differenzierungspostillen. Aber warum soll es nicht zwei Sorten Blogs geben, solche und solche?


24.05.2008 | 16:45 | Alles wird besser | Was fehlt | Essen und Essenzielles

This flesh is my bread


Einmal Hand mit Fuss bitte.
Wer sich in München im buddhistisch-veganen Restaurant Au-Lac verköstigen lässt, kann zur Speise auch ein Freiexemplar des Büchleins "Der Schlüssel zur sofortigen Erleuchtung" der Höchsten Meisterin Ching Hai Wu Shang Shih gereicht bekommen, einer bündigen Einführung in den Veganismus. Auf dem Speisenplan hat man die Auswahl aus verblüffend echt aussehendem und noch verblüffender echt schmeckendem Sojahuhn, aus Sojaente, Sojaschwein, Sojatintenfisch, und vielem mehr. Selbst die geschmorte Haut des überzeugend gefälschten Broilers ist aus rein pflanzlichem Material perfekt nachgebildet, die Ente wirkt wie frisch geschossen und der fleischlose Polyp zappelt vor täuschender Echtheit nahezu noch in seinem eigenen Aufguss. Die Höchste Meisterin lehrt sodann in ihrem Werk: "Ich sehe um mich herum so viel Brutalität gegenüber Tieren. Ihr könnt einkaufen, wisst ihr, ihr könnt aussuchen, was ihr wollt. Ja, ihr könnt vergleichen und mit eurer Weisheit, eurem Intellekt auswählen: 'Oh, dieser hier ist besser!', oder: 'Ich mag diesen mehr'. 'Der sieht schrecklich aus!', 'Oh, dieser – eklig.' [Lachen]" (S. 39f.).

Die strikte Konsequenz aus diesem Übergang von der omnivoren Ernährung zur Metaebene des rein gewächsbasierten Imitats ist das nun gesichtete Menschenfleisch aus Getreide und Brot – Leichenteile, geschmackvoller als die von Gunther von Hagens: Organfetzen, verwesende Schädel, abgetrennte Gliedmassen ... eklig zwar, aber doch entsprechend der von der Höchsten Meisterin geforderten Weisheit rundum bekömmlicher als das echte faulende Fleisch.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


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