Riesenmaschine

03.03.2006 | 16:30 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Zapft die Bäume, bevor sie bitter werden


Anto wartet seine Birkenzapfanlage (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Jetzt, bei der allenorts einsetzenden Schneeschmelze, kann man sich auch wieder weg von den Konserven und Tiefkühlprodukten, hin zu frischen Lebensmitteln wenden, freilich ist die Kartoffel noch nicht ausgebracht und die leckere Pflaume noch nichtmal geknospt, geschweige denn bestäubt, aber aus dem Boden lugen bereits erste essbare Boten des Frühlings, z.B. die Gyromitra esculenta, die prächtige Frühjahrslorchel, ein in Finnland hochgeschätzer Speisepilz. Niemand lässt sich dort von der Tatsache abschrecken, dass sie roh tödlich giftig ist, sie nennen sie liebevoll Korvasieni, d.h. Ohrenpilz, obwohl sie ja eher einem Magen ähnelt, man findet sie auf den Speisekarten jedes besseren Restaurants, der Ohrenpilz ist der Fugu Finnlands.
Bevor er zubereitet wird, sollte er jedoch ausgiebig gekocht werden, und zwar in einer gut gelüfteten Küche, denn die Dämpfe sind giftig. Zur Lorchelratatouille reichen Sie bitte landestypisch frischen Birkensaft. Auch der wird jetzt, sobald Eis und Schnee abtauen und der Saft wieder in die Bäume schiesst, gewonnen. Birkenwaldbesitzer sieht man jetzt häufiger mit dem Stethoskop ihre Bäume abhören, ob der Saft nach oben steigt, damit er gemolken werden kann. Susanna und Anto Maaranen zapfen mittlerweile im grossen Stil, und ihr Hain ist durchzogen von einem Netz aus Schläuchen und Auffangkanistern. Dafür haben sie nur 3-5 Wochen Zeit, denn danach wird der Saft zu ungeniessbarem bitteren Harz, noch bitterer als die bitteren Tränen der Petra von Kant, die auch schon mal billiger waren.

Dieser Beitrag ist ein Update zum Pilztag in der Riesenmaschine.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


Kommentar #1 von didi:

nun, guter Artikel über die hohe Kunst des birkenzapfens, doch in diesem Zusammenhang seh ich mich verpflichtet auf den bezeichnenden Namen des Herrn auf der Abbildung durch Richtigzustellung hinzuweisen. Nämlich heisst der Mann ARTO, was vermutlich soviel bedeutet wie Kunsto, oder so.

18.03.2006 | 20:00

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