Riesenmaschine

13.05.2006 | 17:45 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt

Fermate der Formate


Kann links wie rechts: SPH B-3100 (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Was hat uns die fehlende Weitsicht vergangener Generationen alles beschert! Von Wildwest- bis Nahostkonflikt ruht jedes anderthalbte Weltproblem auf den ehernen Säulen der Fehleinschätzung unserer Vorväter und -mütter, ganz zu schweigen von der Sache mit dem Apfel von ganz früher. Aber auch die Existenz hunderter verschiedener Daten- und Medienformate – wo doch der Formatmarkt einer der wenigen ist, wo Vielfalt nervt. Vielleicht hätte die Menschheit häufiger Denkpausen einlegen sollen, bevor sie Format um Format in die Welt blies. Als das Fernsehen erfunden wurde, legte man aus heute niemanden mehr interessierenden Vakuumröhrengründen ein Seitenverhältnis von 4:3 fest, ohne auch nur einen Moment an die kaum 80 Jahre später existierende Generation Triple Play zu denken, die nämlich mit Handy-Hochkantbildschirmen zurechtkommen muss. Wären hier von Anfang an Nägel mit Köpfen gemacht worden, würde man heute wie selbstverständlich Hochkantfernseher nutzen, ganz klar eine Gewöhnungssache.

Um diesen Fehler notdürftig auszubügeln, hat sich die Firma Samsung eine Konstruktion ausgedacht, die wir bei der an Unübersichtlichkeit und Werbezupflasterung kaum zu überbietenden Seite Slashphone entdeckten. Die Bildschirmbefestigung lebt von leichten Anleihen an eine Mischung aus kybernetischem Kreiselkompass und Kardanwelle und sieht zwar nicht so stabil aus, kann aber dafür zwischen Hochkant und 4:3-Format hin und her schalten. Das bisher nur in Korea erhältliche Gerät kann sonst eigentlich alles das, was man von einer bemannten Raumstation auch erwartet, und lässt eigentlich nur die Frage offen, wann das uns Powerkonsumenten inzwischen langweilig gewordene Quadruple Play endlich zum neuen, tollen Quintuple Play aufgepimpt wird.


Kommentar #1 von irgendwem:

Kreiselkompass heisst das Ding. Ausserdem ist da eher ein Wirbelschichtumlaufreaktor oder ein Vakuumdrehtrommelfilter am Werk.
danke, "-el" nachgetragen, SL

13.05.2006 | 20:34

Kommentar #2 von kosmar:

inhalte des www sind ja im hochformat auch viel sinniger. ich fordere daher hiermit das 9/16 hochwand laptop.

13.05.2006 | 21:15

Kommentar #3 von Edeltraut:

Vorsicht, verehrte Autorin, Vorsicht! Immer langsam mit den Gäulen, was heisst hier, heute interessiere niemanden mehr die gute alte Vakuumröhre? Auch auf die Gefahr einer Ignoratio elenchi hin möchte ich doch hier einmal mein Leid mit den Röhrenformaten hineinmeisseln, denn Minderheiten müssen immer kräftig das Maul aufreissen: Ich habe hier in meinem Wohnzimmer die Vitrine meines Grossvaters stehen, und in selbiger steht der Fernsehr meines Vaters. Beides Erbstücke! Nun krankt der Fernsehr – selbstverständlich eine tubenförmige Röhre – seit einiger Zeit an einem recht unappetitlichen Gebrechen: Er pfeift. So ein hohes, elektrisches Pfeifgeräusch, manchmal auch eher ein Surren oder ein Gurren, es könnte aber auch ein trällernderweise sich langsam verstärkendes Fiepen sein. Seit dem plötzlichen Auftreten eines fiesen Innenohrproblems kann ich das nicht mehr so genau identifizieren. Man könnte nun den väterlichen Ferngucker entfernen und durch einen windschnittigen Flachbildschirm ersetzen. Glauben Sie, da gibt es passende Formate? Achso, Sie meinen wohl, die Vitrine könnte dann auch gleich weg? Ein Frevel jagt den anderen! Mein Grossvater fiel immerhin im Krieg, heldenhaft, versteht sich! Nein, nein, da muss wieder eine Vakuumröhre her, Tradition ist Tradition! Und wenn Sie nun meinen, hier gäbe es in der Species der Röhrengeräte eine quasi-aristotelische Artenkonstanz, dann irren Sie gewaltig, denn diese Geräte unterliegen ebenfalls einer Evolution. Viel gewaltiger kann man ja gar nicht mehr irren! Es gibt heute kein passendes Röhrenformat mehr für die vielgeliebte Vitrine, ist das fassbar!? Ich habe jetzt alles versucht, alles! Ich habe das Röhrengerät innen mit Isolierspray besprüht, erfolglos, ich habe es mit flüssigem Heisskleber vollgepumpt, es tirilliert immer noch! Und nun ist es implodiert, das Erbstück mit seinen drei Kanälen, an welchem so viele Gefühle und Erinnerungen haften, und ich bekomme keine neue Vakuumröhre für mein Erbstück mehr (also das andere Erbstück jetzt, die Vitrine) – es ist mir unbegreiflich, wie man sich angesichts einer solchen Katastrophe, jawohl: K-a-t-a-s-t-r-o-p-h-e, noch echauffieren und behaupten kann, es interessiere niemanden mehr die gute alte Vakuumröhre!?

14.05.2006 | 21:13

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