Riesenmaschine

29.09.2006 | 03:48 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder

Der allerletzte Kaiser


Kessar Impreore, Umrumqi

"Vorstandsmitglieder in der Firmenzentrale in Rom"

"Seit den fünfziger Jahren arbeitet Chefdesigner Giorgio für Kessar"

"Gründer 1881: Feilibonuo Kaisa"
Buchstabensalat- und Louisbranding, das Umbranden von Paris und Fashion La Vico sind beileibe nicht alles, was die Chinesen im Weltbrandingskrieg aufzubieten haben. Den bisherigen Höhepunkt bilden ihre Anstrengungen rund um die Schuhmarke "Kessar impreore". Schon der Name signalisiert einen imperialen Anspruch. Kessar – so entnimmt man den Schriftzeichen – soll für Kaiser stehen, und impreore für Imperator, so dass wir den ganzen Firmennamen als "Kaiser Kaiser" dechiffrieren können.

Das klingt nun fast schon wie Hohn und etwas Spott, und soll vielleicht auch so gemeint sein. Eventuell ist es aber auch ein grosser Test? Das legen nämlich die Fotos nahe, die in einer Shopping-Mall im westchinesischen Urumqi die Geschichte der Firma Kessar erzählen. Die freundlich lachenden Herren auf dem zweiten Bild sind angeblich Kessars "Vorstandsmitglieder in der Firmenzentrale in Rom, Italien." Auf Foto Nummer Drei soll man "Qiao Qi Ou" sehen, also Giorgio, ein Mann, der "in den fünfziger Jahren als Kessars Chefdesigner eingestellt wurde". Das vierte Foto zeigt Herrn "Fei Li Bo Nuo Kai Sa" (=Philipp oder Filipino Kaiser), der die Firma 1881 gegründet hat, im selben Jahr übrigens, in dem auch Nino Ceruttis Vater geboren wurde.

Nun wissen wir zufällig, dass der Mann auf diesem Foto nicht Philipp heisst, sondern Sigmund, und zwar Sigmund Freud (vgl. besonders dieses Foto). Der gründete 1881 keinen Schuhladen, sondern promovierte mit dem Thema "Über das Rückenmark niederer Fischarten" zum Doktor der Medizin. Und auch die anderen abgebildeten Herren heissen sicher anders, als man in Urumqi so behauptet. Nur wie? Das ist die Frage, die wir an Sie weitergeben wollen. Drucken Sie diesen Beitrag bitte aus, zeigen Sie ihn jedem, den Sie kennen, hängen Sie ihn an Bäume und Laternenpfähle und helfen Sie uns so, Giorgio und die Vorstandsmitglieder zu identifizieren. Wenn uns das gelingt, dann würden wir den sauberen Modekaisern von China zeigen, dass sie uns nicht für komplett dumm verkaufen können. Wenn aber nicht, können sie es eben doch.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Figarau, Figarau, Figarau

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (11)


Kommentar #1 von B.A.:

Bei dem dritten Herrn v.l. bzw. v.r. in der vorderen Reihe der Vorstandsmitglieder in der Firmenzentrale in Rom handelt es sich ganz sicher um Roberto Benigni. Vermutlich während einer Mittags-Drehpause für "Die Lucky Boys" (1984).

29.09.2006 | 04:41

Kommentar #2 von donatella v.:

der chefdesigner der 50er, der oberhalb von sigmund, ist gewiss mein bruder gianni versace.

29.09.2006 | 09:26

Kommentar #3 von Verblüffter:

Gutes Titelblatt für eine Boulevardzeitung.
Skandal! Sigmund Freud eigentlich chinesicher Unternehmer namens Phillip.

29.09.2006 | 11:10

Kommentar #4 von CYS:

Das ist ein durchaus ernstgemeinter Aufruf. Nur mal zum Vergleich: Vor drei Jahren fand die Tschechin Lada Jelinek einen Koffer in Schweden. In diesem Koffer befanden sich 22 Filme: Alles Urlaubsfotos von Chinesen. Frau Jelinek setzte sich zum Ziel, diese Chinesen zu finden. Im Jahr 2005 organisierte sie zu diesem Zweck die Ausstellung Lost Holiday in Prag. In diesem Jahr wurden nun die auf den Fotos abgebildeten chinesischen Touristen via Internet in China aufgestöbert. Was einer einzelnen Tschechin möglich ist, sollte den versammelten Riesenmaschinenlesern billig sein, zumal die Aufgabe eine viel einfachere ist. Also noch einmal: Wer sind die abgebildeten Kessar-Aktivisten? Die Zeit läuft.

29.09.2006 | 13:48

Kommentar #5 von einem Weitsichtigen:

gibts die Bilder auch irgendwo in gross, damit man zumindest ne Chance hat? Und warum gibt es auch noch eine Chinesische Marke die Kessar Impérore heisst? Ist das die gleiche?

29.09.2006 | 14:52

Kommentar #6 von r. jones:

Über Giorgio Herkules. Aber sonst keinen Schimmer.

29.09.2006 | 19:24

Kommentar #7 von confirmer:

Das mit dem Gianni Versace stimmt, siehe z.B. hier: http://regentis.lv/lat/content.php?id=7

30.09.2006 | 13:14

Kommentar #8 von Longhill:

Vielleicht kann die Firmenzentrale in Rom weiterhelfen: KESSAR Imperore, Via Verdinois 6
OOIOO Roma, Tel: +39-06-4450661, Fax: +39-06-4455825.
Oder eine der vielen Firmen, die im gleichen Buerokomplex residieren: z.B. www.wsc-italia.it oder www.abt-amianto.it. Oder doch die Firma fuer Mode und Accessories ZHONG XIN DI XU WENYING in der Via Cappellini 28 unter derselben Telefonnummer.

24.10.2006 | 10:32

Kommentar #9 von Luc:

Wieso soll Kaiser Imperator bedeuten? Der Kaiser ist eher ein eingedeutschter Cesar während der Imperator im Imperativ spricht. Völlig verschiedene Dinge. Der Markenname "Kessar impreore", ist ganz im Gegensatz zur allerhand anderen blöden Kunstworten wie Airwalk eher gehaltvoll und kreativ.
Kann man <a href="http://luclog.blogsome.com/">hier verlinken</a>?

24.10.2006 | 22:23

Kommentar #10 von CYS:

@Luc: Ich verstehe Sie nicht ganz: Kaiser bedeutet Imperator? Es ging genau andersrum: Imperator bedeutet Kaiser. Und das bedeutet er auch , siehe z.B. den Wahrig: "Imperator: röm. Titel für Feldherr u. Kaiser." Der Imperator spricht im Imperativ? Jetzt wird es ganz dunkel. Wie kommen Sie denn darauf? Die Marke heisst hier "Kessar Impreore", was ich zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrag für einen verunglückten Versuch hielt, "Kessar Imperatore" zu schreiben. Imperatore ist das italienische Wort für Kaiser. Wie sich mittlerweile herausstellte, heisst die Firma aber "Kessar imperore" (Die Filiale in Urumqi kann also den eigenen Firmennamen nicht richtig schreiben, zumindest in lateinischen Buchstaben nicht.) Imperore kommt zwar hin und wieder als Name vor, das Wort gibt es aber laut einschlägiger Lexika weder im Lateinischen noch Italienischen. So lange also niemand eine bessere Erklärung hat, bleibe ich dabei: Auch "imperore" ist der missglückte Versuch "imperatore" zu schreiben; so lange heisst Kessar imperore auch "Kaiser Kaiser". Das ist zwar kreativ, aber nicht sonderlich gehaltvoll.

27.10.2006 | 04:18

Kommentar #11 von CYS:

@Longhill: Danke für die Adresse, aber die haben wir hier natürlich schon längst in der Zentrale, genauso wie andere Dokumente, die noch im Labor sind und auf verdächtige Spuren untersucht werden. Danach gibt es in der Sache sicherlich ein Update. Jetzt nur so viel: Die Firma, die in der Via Verdinois 6 registriert ist, heisst mit vollem Namen: "Italy Kessar Imperore Fashion Di Xu Feiyun". Klingt nicht gerade nach altem italienischen Schneideradel. Wollen Sie auf dem Weg nach Hongkong nicht auch mal kurz in Rom nach dem Rechten schauen?

27.10.2006 | 04:38

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