Riesenmaschine

22.10.2006 | 09:03 | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Anonymob


Anonymoppel. Haha! Ha! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Das Internet ist eine schöne Sache. Es sind bunte Bilder drin und Musik, viele nackte Menschen, mehr Zahlen als ein durchschnittlicher Computer essen kann und während man in ihm surft kann man gemütliche Hauskleidung tragen und wird nicht von Haifischen gegessen, oder jedenfalls nur selten. In jüngerer Zeit hat es obendrein eine glitzernde New-Economy Fassade verpasst bekommen. Aber wie alle Kaufhäuser hat auch das Internet eine Kühlschrankrückseite aus Röhren und Schläuchen, und die sämigen Flüssigkeiten, die da gepumpt werden, sind nicht immer schön anzusehen. Üble Nachrede und Mobbing, schon im physikalischen Scheinuniversum arge Probleme, werden durch die rasanten Rückkopplung in der wirklichen Welt online zu Resonanzkatastrophen. Ein gestohlener Sidekick wird so zum Beispiel zum Anlass für eine Menschenjagd mit Tausenden von Zuschauern, über peinliche Vorkommnisse lacht nicht mehr nur das Dorf, sondern gleich die halbe Welt, und bösartige Gerüchte können, wenn sie plausibel genug verbreitet werden, Leben zerstören oder zumindest Seelenruhen beschädigen. Und das tut denen doch auch weh. Was der möglicherweise kranke Dozent aus Florida davon hält, dass Tausende feixende Linkposter sich über das Unglück seiner Vorlesung amüsieren, mag man sich lieber nicht vorstellen.

Aber andererseits, und nochmal drüber nachgedacht verleiht das Zusammenrotten Fremder zum Zwecke der Vorverurteilung anderer dem Teilnehmer natürlich ein Gefühl unbegrenzter Macht, und das ist dann wiederum ganz schön super, zumal natürlich sowohl Star-Wars Kid als auch die Floridaner Vorlesung tatsächlich lustig sind. Gelegentliche bedrückende Ausreisser, wie den vor der Obdachlosigkeit geretteten sterbenden Autor Robert Anton Wilson, die einem eher das Gefühl geben, knapp dem Elend hinter dem letzten Satz einer verklärenden Kurzbiographie – "starb verarmt und vergessen" – entgangen zu sein, muss man wohl in Kauf nehmen.


Kommentar #1 von Schorsch:

Bisher dachte ich, ein Sidekick wäre so was wie Manuel Andrack für Herrn Schmidt. (Sogar Wikipedia kennt nur diese Bedeutung.) Aber schon das Attribut "gestohlen" machte mich hier stutzig. Ein Anlesen des verlinkten Textes (kurz vor dem Ausstieg wegen viel zu viel Text und dann auch noch englisch) zeigte, dass dort "Sidekick" in Verbindung mit "T-mobile" benutzt wird. Verbirgt sich dahiinter möglicherweise irgendeine Art von Kommunikationsgerät? Wenn ja, dann könnte man es a) mit einer deutschen Bezeichnung benennen und/oder b) erklären, falls diese nicht selbsterklärend ist. Könnte man doch, oder?

22.10.2006 | 12:06

Kommentar #2 von irgendwem:

leo übersetzt sidekick mit handlanger.

22.10.2006 | 16:09

Kommentar #3 von irgendwem:

zum glück gibt es im globalen dorf viel mehr potentielle (dorf)idioten die sich lächerlich machen können. selbst wenn einem was passiert ist das in wenigen wochen gegessen.
in einem lokalen dorf passiert seltener was peinliches, die halbwertszeit der rehabilitation ist so bedeutend länger.

22.10.2006 | 17:05

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