Riesenmaschine

11.12.2006 | 17:44 | Berlin | Sachen kaufen

Alles muss raus!


Falsch: Zu viel besitzen (hier war ein äusserst unaufgeräumtes Bild, dessen Quelle aber aus dem Netz verschwunden ist)

Richtig: Japanische Ästhetik
Nach Weihnachten herrscht kein Mangel an gut gemeinten Sachenloswerdetipps, jedoch der gutherzige Schenker kann sich bei ihrer Lektüre des Gedankens nicht erwehren, es könnten seine Geschenke sein, von deren Entsorgung da die Rede ist. Das ist unfein und unnötig, denn statt nach Weihnachten die schönen neuen Sachen wegzuwerfen, kann man ja auch einfach vor Weihnachten das alte Zeug aus dem Weg räumen. Sieht man mal davon ab, dass alle Materie im Universum bereits mehrfach gebraucht wurde und es daher zwischen alten und neuen Sachen gar keinen so fundamentalen Unterschied gibt, wie uns die Werbung weismachen will, bieten sich in Berlin folgende Möglichkeiten:

Bücher und andere Medien kann man an das Antiquariat Gregor Gog spenden, die meisten anderen Gegenstände an den Motz-Laden. Beide kommen, wenn man einen Abholtermin vereinbart, sogar zu Hause vorbei und nehmen alles mit. Das kostet nicht nur kein Geld, sondern man bekommt auch keines für die Sachen – und wer schon einmal von einem Antiquar den Satz "Also für Zettels Traum kann ich dir 'nen Zehner geben, aber den Rest musst du wieder mitnehmen" gehört hat (vgl. auch Jonathan Franzen, The Corrections, S. 92f.), weiss das zu schätzen. T-Shirts können für die Riesenmaschine-Serie 2007 zu denselben Bedingungen wie 2006 an uns geschickt werden. So. Medien, T-Shirts und Gegenstände sind jetzt weg, aber wohin mit dem Hauptproblem, den Bergen alter Schlafsäcke? An Obdachlose spenden, fertig. Weihnachten kann kommen.


Kommentar #1 von Nic:

Welche Ausgabe der Corrections? In meiner (Picador paperback, NY 2002) steht auf S. 92: "He hung cigarettes on his lower lip and banged out a draft of a script"...??

11.12.2006 | 21:07

Kommentar #2 von Kathrin:

Von da ab sind es noch ungefähr fünf, sechs Seiten. KP

11.12.2006 | 21:14

Kommentar #3 von Nic:

Ah: "Chip laughed in a breathy way, willing himself not to argue; but his U.K. edition of Jürgen Habermas's Reason and the Rationalisation of Society , which he'd found too difficult to read, let alone annotate, was in mint condition and had cost him 95.00 pounds. He couldn't help pointing this out by way of example. 'Try some where else, if you like', the buyer said, his hand hesitating above the cash register."

11.12.2006 | 21:38

Kommentar #4 von Tyrone:

Substituiere Glasflaschen durch Technikkram und Prospekte und Schrauben, denke dir noch 2 zusätzliche Stockwerke, und schwupps wird aus der Crazy eBay Mom mein Vater. Ich freu mich auf den Weihnachtsbesuch!

12.12.2006 | 05:59

Kommentar #5 von vellist:

für meinen Geschmack wird hier in letzter Zeit deutlich zu exzessiv vom Bildersatz Gebrauch gemacht.

12.12.2006 | 10:46

Kommentar #6 von essbeh:

für meinen geschmack gibts hier in letzter zeit deutlich zu viele kommentare die sich auf 'früher war alles besser' reduzieren lassen. Heult doch!
Aber zum thema: Man kann bücher übrigens auch sehr prima in die freiheit entlassen und verfolgen wie sie neue freunde auf der ganzen welt finden: http://www.bookcrossing.com/

14.12.2006 | 12:53

Kommentar #7 von vellist:

Früher war mitnichten alles besser, auch nicht in der Riesenmaschine. Früher gab es hier z.B. viel weniger Artikel, weil die neueren noch nicht geschrieben waren. Aber der Witz mit dem leeren Bild macht auf mich trotz allem einen leicht überstrapazierten Eindruck.

15.12.2006 | 20:26

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